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PflanzenreichBrockhaus 1882

Equisetaccen (Equisetacéae, Schachtelhalme oder Schafthalme), Pflanzenfamilie aus der Gruppe der Gefäßkryptogamen. Man kennt unter den jetzt lebenden Pflanzen nur noch eine einzige Gattung, mit etwa 25 Arten (s. Equisetum), dagegen sind zahlreiche fossile Pflanzenreste vorhanden, die jedenfalls untergegangenen Formen dieser Familie angehören. Die E. haben aufrechte, gegliederte oberirdische Stämme, die aus einem unterirdischen kriechenden lange Zeit ausdauernden und vielfach verzweigten Rhizom hervorsprossen. Die oberirdischen Stämme erscheinen in den meisten Fällen jedes Jahr und halten nur während einer Vegetationsperiode aus, bei wenigen Arten vermögen sie mehrere Jahre hindurch auszudauern. Die Blattorgane sind in Form von trockenhäutigen Scheiden vorhanden, in deren Achseln die Seitenzweige stehen; da aber die letztern schon bald nach ihrer Anlage von den Blattscheiden überwölbt werden, so müssen sie bei ihrem Hervorsprossen die Scheiden an der Basis durchbrechen. Infolge dessen hat es den Anschein, als ob die Seitenzweige am Grunde der Scheidenenden aus dem Stamme hervorbrächen. In Wahrheit ist aber die Anlage der Seitenzweige eine exogene und axilläre, die Üüberwölbung durch die Blattscheide erfolgt zwar sehr früh, aber doch erst nachdem bereits eine deutliche Anlage der Zweige vorhanden ist. Der anatomische Bau der oberirdischen Teile und des Rhizoms ist im wesentlichen nicht verschieden. Die Stammorgane sind sämtlich hohl und nur in den jüngsten Stammspitzen mit Mark erfüllt. Die Gefäßbündel sind in einen Ring gestellt, aus jedem Zipfel der Scheide geht ein Bündel in den Stamm und läuft hier geradlinig bis zum nächst ältern Knoten und zwar parallel mit den ubrigen Bündeln des Internodiums, im Knoten findet eine Spaltung in zwei Schenkel statt, welch letztere sich an die rechts und links benachbarten Bündel dieses ältern Internodiums anlegen. So kommt es, daß in jedem Internodium ebensoviel Gefäßbündel verlaufen, wie die auf demselben sitzende Blattscheide Zipfel besitzt. —— Gefäßbündel besitzt in dem nach der Markhöhlung liegenden Teile einen Luftgang, die sog. Carinalhöhle; außerdem befinden sich große Luftgänge im grünen Rindenparenchym, die in der Anzahl mit den Gefäßbündeln übereinstimmen, aber alternierend mit denselben angeordnet sind; diese großen Luftgänge der Rinde nennt man Vallecularhöhlen. Die Markhöhlung geht nicht ununterbrochen durch den ganzen Stamm hindurch, sondern sie ist in jedem Knoten durch ein sog. Diaphragma, in welchem sich Gefäßbündelanastomosen finden, geschlossen. Die Stengel sind außen deutlich gerieft und zwar zeigt jedes Internodium so viel Längsleisten, wie * Scheide Zipfel besitzt; sie entsprechen den Gefäßbündeln im Innern, die zwischen den Leisten liegenden Furchen entsprechen dagegen den Vallecularhöhlen. Die eben beschriebenen Längsleisten und Furchen sind bei den Rhizomen weniger entwickelt. Das Scheitelwachstum der E. geschieht, wie das der übrigen Gefäßkryptoamen, mittels einer Scheitelzelle. Der Bau der Wurzeln, die an den Rhizomen im Knoten an der Basis der Scheiden entstehen, zeigt keine wesentlichen Verschiedenheiten von dem der Farnwurzeln, es sind meist 2—3 Gefäßplatten vorhanden. ů Die ungeschlechtlichen Fortpflanzungszellen, die Sporen, werden in Sporangien gebildet, welche in den ährenförmigen Enden der Stämme stehen. Die Sporangien selbst stehen auf der Unterseite eigentümlich metamorphosierter Blätter. Es sind meist 5—10 solcher Sporangien auf den schildförmigen fertilen Blättern vorhanden. Bei den meisten Arten stehen diese ährenförmigen Sporangienstände an der Spitze der normalen Chlorophyll führenden Stämme, bei einigen dagegen werden sie auf besondern chlorophylllosen unverzweigten Stengeln gebildet, die im Frühjahr vor den grünen Stämmen auftreten. Die reifen Sporangien öffnen sich durch Längsrisse, damit die Sporen austreten können. Die Wände der Sporen bestehen aus mehrern Schichten, die äußerste davon bildet die sog. Elateren oder Schleudern, sie zerreißt nämlich in nuges Kren d gewundene Bänder, die ein vierarmiges Kreuz bilden. Vermöge ihrer starken Hygroskopicität können sie sich auf⸗ und einrollen und so eine Fortbewegung der Spore bewirken. Die Sporen keimen, wenn sie in Wasser oder auf feuchten Boden gelangen, und bilden ein Prothallium, an welchem die Geschlechtsorgane, Antheridien und Archegonien stehen. Das Prothallium ist flächenartig entwickelt und meist in mehrere Lappen zerteilt. Der Bau der Antheridien und Archegonien ist im wesentlichen derselbe, wie bei den Farnkräutern. Auch die Entwickelung des Embryos aus der Eizelle ist der bei den Farnkräutern analog. Die jetzt noch lebenden E. sind über die ganze Erde verbreitet. Es sind sämtlich Gewächse, die auf sumpfigem Boden oder im Wasser vorkommen. Hurhrev über dieselben s. unter Equisetum.) In ihren Größenverhältnissen und in der Anzahl der Arten stehen sie weit zurück gegen die E. der Vorwelt. Die Reste, welche von den letztern erhalten sind, Mun 5 sehr verschiedenartigen Formationen an. Man hat sie in mehrere Gruppen eingeteilt. Diejenigen, welche den jetzigen E. am meisten ähneln, hat man einfach unter die Gattung Equisetum (s. d.) selbst gestellt. Andere Formen, welche vorzüglich in der Steinkohle auftreten, aber auch schon in ältern Schichten vorkommen, hat man unter dem Namen Calamites vereinigt. Es sind dies baumartige Schachtelhalme von bedeutenden Dimensionen, die sich dadurch auszeichnen, daß sie weder Blätter noch Blattscheiden haben; vielleicht fehlten dieselben gänzlich oder sie waren so vergänglich, daß sie leicht abfielen und infolge dessen nicht mehr an den fossilen Stämmen zu sehen sind. Die Sporenstände derselben sind nicht sicher bekannt; man rechnet hierher Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. einige, nicht im Zusammenhang mit den Stämmen erhaltene Sporenstände, die als Calamostachys bezeichnet werden, doch beruht dies nur auf Vermutungen. Auch unter dem Namen Equisetites werden neuerdings von Schimper solche Fruchtstände zusammengefaßt, die in der Steinkohle vorkommen. Die fossilen Stämme, welche unter den Bezeichnungen Calamodendron und Arthropithys bekannt sind, rechnen einige Paläontologen Heiuliher zu den E., doch ist es bei weitem wahrscheinlicher, daß dieselben zu den Gymnospermen (s. d.) gehören. Von den übrigen fossilen Equisetaceengattungen sind noch zu erwähnen Schizoneura, welche mit einigen Arten von Equisetum im Buntsandstein und im Keuper vorkommen, und ferner die Annularien, deren Stämme ähnlich wie die von Equisetum gebaut waren, deren Blätter aber nicht zu einer Scheide verwachsen waren, sondern frei in Wirteln an den Knoten standen. Die Seitenäste sind zweizeilig gestellt, es sind also nur in den Achseln zweier opponierten Blätter eines Wirtels Seitensprossen vorhanden. Die früher zu den E. gestellte Gattung Sphenophyllum gehört jedenfalls nicht hierher, ist vielmehr zu den Lycopodiaceen (s. d.) zu stellen. Diejenigen Reste, die man unter dem Namen Asterophyllites vereinigt, sind vielleicht zum Teil zu den E. zu rechnen, doch sind sie, hauptsächlich betreffs des Baues ihrer Fruchtähren, zu ungenan bekannt, um etwas Sicheres über ihre systematische Stellung bestimmen zu können. Von einigen Paläontologen werden sie als die blättertragenden Zweige der Calamites-Arten angesehen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 240Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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