Esche (Eraxinus), schon den Alten bekannte Baumgattung aus der 23. Klasse des Linneschen Systems, welche zur Familie der Oleaceen gerechnet wird, oder mit einigen andern exotischen Gattungen eine eigene Familie (Fraxineen) bildet, besteht aus meist in Europa und Nordamerika heimischen Bäumen mit gegenständigen, unpaarig gefiederten Blättern und zweihäusigen oder polygamischen, hüllenlosen, bloß auf die Geschlechtsorgane reduzierten, aus Seitenknospen sich entwickelnden Blüten. Die männlichen sind aus zwei Staubgefäßen, die Zwitterblüten aus einem Stempel und zwei Staubgefäßen zusammengesetzt, die weiblichen haben nur einen Stempel. Die Blütezeit fällt in den Frühling vor dem Laubausbruch, wo die wegen der meist violetten Staubbeutel gewöhnlich schwärzlich gefärbten Blüten in Buschel oder Rispen gestellt erscheinen; aus den Stempeln entwickelt sich eine einsamige Schließfrucht mit langem oideung aupTat lederartigem Flügel. Die Ab ung auf Tafel Laubhölzer: Waldbäume III, zeigt die gemeine I (F. excelsior L.); abgebildet sind: 1) Ein blühender Kurztrieb mit Zwitterblüten, dessen Terminalknospe sich bereits entfaltet. 2) Ein Blatt. 3) und 4) Zwitterblüten. 5) Männliche Blüte, bloß aus zwei Staubgefäßen bestehend. 6) Fruchtknoten mit weggeschnittener Vorderwand, um die am Samenträer hängenden Samenknospen zu zeigen. 7) Querschnitt desselben. 8) Zweigspitze im Winter mit anhängenden Früchten. 9) Geöffnete Frucht mit an dem Samenfaden hängenden Samen. 10) Ein Teil des auseinandergelesgten Samenlappens mit dem Keimling. 11) Querschnitt des Samens. 12) Keimpflanze. Unter den europ. Eschenarten ist die gemeine Esche (F. excelsior L.) die wichtigste. Die großen Blätter sind aus 8—15 sitzenden Blättchen an gemeinsamem Stiel zusammengesetzt; nur die ersten Laubblätter der Keimpflanze sind stets einjach, die zweiten sind zwei- bis dreiteilig u. s. w.; die Blättchen Aus lanzettförmig, ungleich scharf Dfast. Die Knospen sind dunkel schwarzoraun. Die gemeine E. ist ein schöner Baum erster Größe, der nicht selten bis 30 m hoch wird, in der Jugend mit grünlich-grauer feinrissiger Rinde, im höhern Alter mit rauher, längsrissiger Borke. Sie ist durch fast ganz Europa, sowie die Kaukasusländer verbreitet und mehr ein Baum der feuchten Niederungen, der Flußauen, als des Gebirges, doch fehlt sie letzterm nicht; in den Alpen steigt sie bis 1200, wohl auch 1300 m Meereshöhe. Waldbildend ist die E. nur auf ihr sehr zusagenden Standorten, z. B. im ungar. Tieflande, in Slawonien in den feuchten Inundationsgebieten der Flüsse; in Deutschland findet sie sich einzeln und horstweise eingemengt in Laubwäldern, namentlich in Buchen, vielfach einzeln angebaut an Bachufern. Sie besitzt eine große Ausschlagsfähigkeit sowohl aus dem Stock als aus dem Stamm, weshalb sie 0 zum Niederwald-⸗, Kopf- und Schneidelholzbetrie gut eignet; letzterer wird namentlich zur Gewinnung von Futterlaub angewendet, z. B. in einigen österr. Alpenländern. Ihr weißes, zähes, ½ Holz wird von Wagnern und Tischlern sehr gesucht und steht bezüglich der Brennkraft nahe der Buche. Die schlanken zähen Stockloden sind von jeher zu Lanzenschaften verwendet worden, jüngere u Peitschenstielen. Gefahren ist die E. in Deutschland von ausgesetzt; in der Jugend leidet sie sehr von Spätfrösten und Verdämmung durch hohen Graswuchs. Später wird sie durch Wild und Weidevieh oft so beschädigt, daß sie eingeht. Mancherlei Insekten werden ihr Tiichlih so z. B. die Hornisse, welche die jungen Triebe schält, der hauptsächlich von Eschenlaub lebende, unter dem Namen «Spanische Fliege bekannte Käfer (Lytta vesicatoria L.), zwei Borkenkäfer, Hylesinus erenatus Fahr. und fraxini Fabr. Die südeurop. Eschenarten, so z. B. F. oxyphylla Biebst., lentiscifolia Desf., sind meist zu zärtlich für das deutsche Klima, dagegen vertragen mehrere nordamerik. Arten unser Klima gut, so namentlich die gemeine amerikanische oder haarige Esche (E. pubescens IDalt.) u. a. m., welche vielfach in Gärten kultiviert werden. Die meisten amerik. Arten haben nicht sitzende, sondern gestielte Blättchen. Von der gemeinen E. kennt man mancherlei Varietäten, so die einfachblätterige Esche (F. monophylla Desf. oder simplicifolia NIIId.), eine Spielart, welche früher für eine eigene Art gehalten wurde, deren Blätter alle auf der Entwickelungsstufe der ersten Laubblätter verharren, also nicht gefiedert sind, sondern einfach eiförmig bleiben; die Hänge- oder Traueresche (var. pendula) mit herabhängenden Langtrieben und Ästen, die man vielfach zu Lauben verwendet; sie entsteht zuweilen von selös aus Sämlingen und wird durch Pfropfen auf Stämme gewöhnlicher Form vervielfältigt; die Goldesche (var. aurea), deren Zweige rötlich-gelbe Rinde besitzen; die krausblätterige Esche (var. erispa) mit dunkelgrünen, am Rande gekräuselten Fieder-Zur Gattung E. wird gewöhnlich auch die Blumenesche (E. ornus 73 gerechnet. Andere bilden aus den sog. Blumeneschen eine besondere Gattung Ornus. Die meist zwitterlichen Blüten dieser Gattung öffnen sich erst nach völliger Entfaltung der Blätter, stehen in endständigen, großen, aus Trugdolden zusammengesetzten Sträußen, welche in den Terminalknospen sich entwickeln, haben kleine zwei- bis vierteilige Kelche und zwei bis vier lange schmale Blumenblätter. Im übrigen sind die hierhergehörigen, in Südeuropa, Asien und Nordamerika heimischen Arten denen der Gattung Eraxinus sehr ähnlich. Die häufigste Art ist die Blumen-oder Manna-⸗Esche (Ornus europaea Pers.). Die Blätter bestehen nur aus drei bis fünf Paaren gegenständiger Fiederblättchen mit einem Endblättchen; die Knospen sind hell graubraun; die wohlriechenden Blüten haben vier weiße Blumenblätter. Der mit hell aschgrauer, etwas rauher Rinde bedeckte Baum wird selten bis 10 m hoch; er ist in fast ganz Südeuropa und im Orient heimisch, steigt in Südtirol bis etwa 800 m Meereshöhe, als mehr oder weniger krüppeliger Strauch häufig in den Steinmeeren der Karstgebiete Osterreichs u. s. w. Die Blumenesche liefert zwischen Mitte Juni und Ende Juli an Stämmen und Zweigen durch selbstentstehende oder auch künstlich hervorgerufene Risse der Rinde einen ückerreichen, sich selbst verdickenden Saft, der als Manna in den Handel kommt. Auch infolge der Stiche einer großen Cicade (Cicada orni L.) quillt dieser Saft aus. Die Blumenesche wird als Zierbaum häufig angepflänzt, ebenso einige gärtnerische Varietäten. Im Elsaß, z. B. um Strafburg, sieht man Alleen von Blumeneschen.