FeedErdwärme
HimmelskundeBrockhaus 1882

Erdwärme nennt man teils die Wärme der Erdoberfläche, teils und vorzugsweise jene Wärme, welche der Erdkörper in einer gewissen Tiefe zeigt. Die Temperatur der äußern Erdoberfläche sowie die der Luft hängt großenteils von den täglichen und jährlichen Einwirkungen der Sonnenstrahlen ab. Ihr jährliches Mittel beträgt in Mitteldeutschland 9 — 10 C., unter dem Aquator 27,5 C. 22 R.). Diese Angaben sind für das Niveau des Meers berechnet und deshalb nur für solche Orte gültig, die nicht viel darüber liegen. Je höher die Lage eines Beobachtungspunktes ist, desto geringer wird die mittlere Temperatur der Luft und des Bodens und bei einer gewissen Höhe erreicht man die Grenze des ewigen Schnees. Diese untere Grenze der Region des ewigen Schnees nennt man die Schneelinie. Ihr Abstand von der Meeresfläche, also ihre absolute Höhe, ist je nach dem Klima der Gegenden verschieden, nimmt aber nicht nur von der ewigen Eisregion der Polargegenden nach dem ÄAquator hin konstant zu, sondern zeigt auch in dieser Zunahme Ungleichheiten, welche von der Lage der Isothermen (s. d.) abhängig sind. In keinem Zusammenhange mit dieser äußern Temperatur der Erdoberfläche steht die innere E. Dringt man mit Schächten oder Bohrlöchern in die Tiefe ein, so findet man zunächst, daß in Deutschland ungefähr bei 1,3 m Tiefe die täglichen Temperaturwechsel auf— Detn und nur die jährlichen noch das Thermometer eeinflussen. Dann erreicht man bei 20—25 m Tiefe eine Region, in welcher auch die jährlichen Wechsel, also überhaupt alle wechselnden Wirkungen der Sonne gänzlich verschwinden und somit die der eigentlichen C. allein herrschen. Diese Tiefen sind unter dem Aquator weit geringer, nach den Polen zu größer, weil sie durch die verschiedene Dauer der Tages- und Jahreszeiten bedingt werden. Die Temperatur in einer gewissen oben angegebenen Tiefe der Erdkruste ist also für jeden Ort völlig konstant. Von diesem unterirdischen Niveau aus findet nun überall, wo und so tief wie bis jetzt Beobachtungen angestellt werden konnten (bis zu etwa 1340 m), eine stete Temperaturzunahme nach der Tiefe zu ech sodaß z. B. in dem über 1300 m tiefen Bohroch von Sperenberg eine Temperatur von 48 C. herrscht. Die Anzahl von Metern oder Fußen, welche man in die Tiefe gehen muß, um eine Temdie geothermi von 1 C. wahrzunehmen, heißt ie geothermische Tiefenstufe. Durch in zahlreichen Bohrlöchern (so bei Rüdersdorf, Neusalzwerk, Sperenberg, Mondorf, Grenelle u. a.) vorgenommene Beobachtungen wurde konstatiert, daß diese Tiefenstufe etwa 30 m beträgt. In andern Bohrlöchern und Schächten ergaben sich jedoch zum Teil kleinere, zum Teil weit größere Werte, ausnahmslos aber wurde festgestellt, daß eine Zunahme der Temperatur stattfindet. Thermen und Dampfquellen, sowie die Eruption glutflüssiger Laven weisen darauf hin, daß sich Gleiches auch in uns unerreichbaren Tiefen vollzieht und sich endlich so weit steigert, daß das Wasser kocht und in Dampf verwandelt wird, bis endlich in noch größerer Tiefe die Gesteinsmassen in Fluß erhalten werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 276Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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