FeedHohenhöwen
ErdkundeBrockhaus 1882

Hohenhöwen, Schloßruine bei Engen (s. d.) Höhenklima. Die Gebirge modifizieren das solare Klima in bestimmter Weise, und zwar im allgemeinen durch Abnahme des Luftdrucks bei wachsenden Seehöhen, durch Zunahme der Sonnenstrahlung und Abnahme der Lufttemperatur, sowie endlich durch ihren Einfluß auf die Wind⸗, Feuchtigkeits⸗, Bewölkungs⸗, Verdunstungs⸗ und Regenverhältnisse. Alle Faktoren des Klimas erscheinen unter jeder Zone beim Gebirgs⸗ oder Höhenklima, verglichen mit dem Klima der umgebenden Niederungen, verändert. Die Abnahme des Luftdrucks mit der Höhe ist eine so regelmäßige, daß letztere sich aus der erstern berechnen läßt. Die menschlichen Wohnsitze reichen bis zu Höhen, wo der Luftdruck nur noch etwas mehr als die Hälfte des normalen Barometerstandes am Meeresspiegel beträgt. Die einen so niedern Luftdruck Ungewohnten leiden an der Bergkrankheit (s. d.), die jedoch mit der Gewohnheit an das H. verschwindet. Große Stärke der Sonnenstrahlung und eine relativ hohe Bodentemperatur sind Eigentümlichkeiten des H. Durch beide unterscheidet es sich günstig von den Polargegenden mit gleicher jährlicher Lufttemperatur. Im Gegensatz mit der Zunahme der Insolation (Strahlung durch die Sonne) mit der Höhe steht die Abnahme der Lufttemperatur. Die letztere nimmt beiläufig für je 100 m um 0,55 C. ab. Bei strenger Kälte und in der Nacht, sowie während der winterlichen Barometermaxima treten die Anomalien ein, daß die Lufttemperatur mit der Höhe wächst. Der Wasserdunstgehalt der Luft nimmt nach oben hin rasch ab. Das H. zeichnet sich besonders durch raschen Wechsel der Feuchtigkeitsverhältnisse aus. Die Gipfel der Berge sind im Spätherbst und Winter nebelfreier als die Niederungen. Das H. hat einen häufigern und stärkern Regenfall, wobei die Gebirge ihre nasse und trockene Seite haben. Bis zu einer gewissen Seehöhe wächst die Regenmenge, um von da an wieder abzunehmen; ebenso nimmt der Regenfall schon bei der Annäherung an die Gebirge zu. Die durchschnittliche äußerste Seehöhe, über welche hinauf die großen Schneefelder oder die zusammenhängenden Schneedecken der Gebirge stets liegen bleiben, heißt die Schneelinie (s. d.). Die untersten Gletscherenden hängen von den lokalen Verhältnissen des Gletschers ab, und sind daher nicht mit der Schneelinie zu verwechseln. Das Gebirge bewirkt infolge der verschiedenen Insolationsverhältnisse die Tagwinde thalaufwärts und die Nachtwinde thalabwärts. Dieselben werden jedoch nur bemerkt, wenn sie nicht durch die allgemeinen heftigen Winde verdeckt sind. Die letztern bringen meist Wolken und Regen. Das Ausbleiben des täglichen Windwechsels kann daher als ungünstiges Wetterzeichen im Gebirge gelten. Außer den selbständigen Lokalwinden der Gebirge modifizieren die letztern noch die allgemeinen Winde in der verschiedensten Weise, wie man dies an jenem durch die Alpenkette abgeänderten Südwinde beobachtet hat, der als Föhn (s. d.) bekannt ist. Die Gebirge dienen auch häufig als Windschutz und bilden daher nicht selten die Wetterscheiden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 314Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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