FeedErechtheion
BaukunstBrockhaus 1882

Erechtheion (d. i. Tempel des Erechtheus) wurde der Tempel der Athena Polias auf der Akropolis in Athen (s. d.) deshalb genannt, weil er zugleich dem Erechtheus heilig war. Der alte Tempel wurde 480 v. Chr. von den Persern zerstört; der Wiederaufbau begann wohl schon unter Perikles, ward aber erst nach 409 völlig vollendet. Nachdem er dann bis ins 17. Jahrh. n. Chr. im wesentlichen erhalten geblieben war, wurde ihm wie dem Parthenon (s. d.) die Belagerung Athens durch die Venetianer verderblich. Doch steht auch jetzt das meiste noch aufrecht. Es ist einer der schönsten Bauten im attisch-ionischen Stil, aber abweichend von sonstigen antik-klassischen Tempelbauten ist das E. infolge seiner mehrfachen Bestimmung von ziemlich komplizierter Anlage. Über die Errichtung und Bestimmung der einzelnen Teile sind die verschiedensten Ansichten aufgestellt worden. Das E. lag auf unebenem Boden und hatte außer der einen östlichen von Säulen getragenen Vorhalle, mit welcher es eine Lange von 20 m, eine Breite von 11 mehatte, an seinem hintern tiefer gelegenen westl. Ende eine Vorhalle im Norden und eine von Statuen von Jungfrauen (Koren, irrtümlich öfter nach Vitruv Karyatiden genannt) statt von Säulen getragene im Süden. Ebenso zerfiel das eigentliche Tempelhaus, die Cella, in zwei Haupträume, einen östlichern, der wohl das Heiligtum der Athena im engern Sinne begriff, und einen westlichern, tiefer gelegenen, welcher dem Poseidon und dem Erechtheus geweiht war, und daran schloß sich zwischen der nördl. und südl. Vorhalle noch ein dritter Raum. Unmittelbar daran stieß ein mit Mauern eingefaßter Raum, der das Heiligtum der Pandrosos enthielt. In diesem stand der Altar des Zeus Herkeios und der Olbaum der Athena, den sie nach der Sage im Wettstreit mit Poseidon um den Besitz von Attika hervorsprießen ließ. Die angeblichen Spuren des Stoßes, durch welchen Poseidon in jenem Streit einen Salzquell auf der Burg hervorgerufen hatte, hat man unter der Nordhalle des E. wieder aufgefunden. In deren Nähe, und zwar im mittlern Raume, in der westl. Hälfte des Tempelhauses, muß sich auch der Salzsee (der Brunnen mit salzigem Wasser) befunden haben, welcher gleich Subral andern Heiligtümern in dieser uralten Kultstätte noch gezeigt wurde. Vgl. Bötticher, «Bericht über die Untersuchungen auf der Akropolisꝰ (Berl. 1862); Thiersch, Epikrisis der neuesten Untersuchungen des C.v (Abhandlungen der königl. Bayrischen Akademie der Wissenschaften, 1.Klasse, Bd. 8, Münch. 1858); Michaelis und Borrmann in den ⸗Mitteilungen des Archäologischen Instituts in Atheno (Bd. 2, 1877, und 6, 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 277Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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