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ErdkundeBrockhaus 1882

Epidamnns, s. unter Durazzo. „Epidaurus (grch. Epidauros), eine ursprünglich von Kariern gegründete, dann von Joniern besetzte, später aber infolge der dor. Wanderung von Argos aus dorisierte Stadt an der Ostküste von Argolis am Saronischen Meerbusen, zu deren Gebiet ursprünglich auch die Insel Agina (s. d.) gehörte. Durch ihre günstige Lage, besonders ihren trefflichen Hafen wurde sie frühzeitig eine bedeutende Handelsstadt und gründete in Gemeinschaft mit ihren Nachbarstädten Argos und Trözen mehrere Kolonien im südl. Kleinasien. Seit 640 v. Chr. von dem Tyrann Prokles regiert, später von dem korinth. Fürsten Periander unterworfen, und nach dem Sturze des korinth. Kypseliden (581) wieder selbständig, aber von Agina getrennt, hat sich E. später dauernd mit großer Treue zu Sparta gehalten. Die Hauptgottheit von E. war Asklepios (Asculap), der sowohl in der Stadt selbst, als auch namentlich in einem anmutigen, rings von Bergen umschlossenen ni . 10 km westlich von der Stadt ein Heiligtum hatte, welches zugleich ein von Kranken aus allen Gegenden besuchter, noch im 2. Jahrh. n. Chr. blühender Kurort war. Daher befanden sich in demselben, außer dem Tempel des Gottes selbst, Wohnungen für eine zahlreiche Priesterschaft, Logierhäuser für die Fremden und verschiedene Anlagen zur Pflege, Unterhaltung und Erheiterung derselben, wie namentlich das von dem berühmten Bildhauer und Architekten Polykleitos aus Argos erbaute große Theater, dessen aus weißem Marmor hergestellte Sitzreihen noch jetzt wohl erhalten und durch Nachgrabungen der griechischen archäologischen Gesellschaft 1881 völlig bloßgelegt sind, wie sich auch sonst in dem ganzen, noch jetzt vom Volke edas Heiligtume (to hiero) genannten Thale ausgedehnte Reste der alten Baulichkeiten vorfinden. Jetzt liegt bei den Ruinen der alten Stadt wieder ein gleichnamiges Dörfchen, während mehr nördlich das Städtchen Piadha einen Teil der Erbschaft von E. angetreten hatte. Eine andere, von der vorerwähnten durch den Beinamen Limera unterschiedene Stadt Epidaurus, nach der Tradition eine Pflanzstadt der argivischen, lag an der Ostküste Lakoniens. Prunkstück, besonders Prunkrede; davon als Adjektivum epideiktisch. Epideémie (grch.) oder epid emische Krankheit, auch Volkskrankheit oder Seuche, nennt man solche Krankheiten, welche gleichzeitig oder rasch nacheinander zu gewissen Zeiten zählreiche Menschen befallen, sich über kleinere oder größere Gebiete ausbreiten und dann wieder verschwinden, im Gegenlel zu den sporadischen Krankheiten, welche einne Menschen, unabhängig von Zeit und Ort, beullen. In einem solchen Falle sieht man eine bestimmte Krankheitsform eine Zeit lang mehr Individuen eines Ortes befallen als zu andern Zeiten. st die Krankheit über ein ganzes Land oder größere ändergebiete gleichzeitig verbreitet, so nennt man sie auch Pandemie oder pandemische Krankheit. Das übel selbst kann von verschiedener Art sein, und es gibt wenig akute Krankheiten, die nicht einmal epidemisch aufgetreten wären, doch pflegen insbesondere die akuten auf einem Kontagium (s. d.) oder Miasma (s. d.) beruhenden Infektionskrankheiten, wie Typhus, Cholera, Gelbes Fieber, Blattern, Scharlach, Masern, Sumpffieber u. dgl., in gewissen Zeiträumen größere verheerende E. zu veranlassen, sodaß in der That häufig der Begriff Infektionskrankheit mit dem Begriff Volkskrankheit zusammenfällt. Die dem Herrschen solch einer Seuche zu Grunde liegende Beschaffenheit der Umstände heißt die epidemische Konstitution oder der Genius epidemicus. Die Frage nach den eigentlichen Ursachen der epidemischen Verbreitung mancher Krankheiten kann nur ganz allgemein beantwortet werden. Man betrachtet als solche von alters her kosmische, tellurisch-atmosphärische und menschliche (politisch-soziale) Verhältnisse. Der Glaube an den kosmischen rsprung der Seuchen, z. B. den Einfluß der Gestirne auf die menschliche Krankheitsstimmung, ist uralt, doch kaum für mehr als Aberglauben zu halten. Wich siger ist und von deutlichem Einfluß das Verhältnis der Erde zur Sonne und der dadurch bedingte Wechsel der Jahreszeiten, denen niemand eine Einwirkung auf die Erzeugung von Krankheiten abstreiten wird (die sog. Jahresepidemie, coustitutio annua, z. B. Frühlings⸗, Sommer⸗, Herbst⸗ und Winterkonstitution). Von der größten Bedeutung eigen sich jedoch die tellurisch-atmosphärischen Erscheimmgen, deren krankheiterregende Eigenschaften historisch hinlänglich konstatiert sind. Hierher gehören Erdbeben und die damit verbundenen Veränderungen in den elektrischen und magnetischen Verältnissen eines Landstrichs, überflutungen des Meers, lberschwemmungen und dadurch oder durch baltende Tar Regen herbeigeführte Feuchtigkeit, anhaltende Trockenheit und Hitze, besonders aber ungewöhnlicher Verlauf der Jahreszeiten, wie warme Winter, kalte Sommer u. s. w. und die daraus unmittelbar entspringenden Folgen für Thier- und Pflanzenwelt. Der Einfluß der polit. und sozialen Verhältnisse: Krieg, Hungersnot, schädliche Gewohnheiten, die unter einzelnen Völkern herrschen, die Kulturzustände, Ernährungs- und Erwerbsweise, abriken, Wohnungen, Kleidungen, Sitten und Geräuche u. dgl. auf die Krankheitsstimmung eines Volks oder einer Zeit bedarf wohl kaum eines Beweises. Bedenkt man, daß oft mehrere dieser schädlichen Einflüsse sich vereinigen und noch dazu durch Niederdrückung der Gemüter dem Einzuge einer Krankheit in den Körper Thür und Thor geöffnet wird, so findet die Entstehung der großen Weltseuchen wohl hinlängliche Begründung. Ein nicht minder wichtiges Moment bei der Verbreitung der E. ist die Ansteckung (s. d.), welche nanientlich für die Verbreitung der Infektionskrankheiten in Frage kommt. Manche Krankheiten, z. B. die Cholera, sind übertragbar, ohne daß sich eigentliche Kontagiosität, d. h. Üübertragung von Person zu Person, nachweisen ließe. In manchen Fällen beruht das Umsichgreifen und Weiterwandern der epidemischen Krankheiten darauf, daß die die Ansteckung vermittelnden Keime mikroskopischer Pilze durch die Luft, das Trinkwasser und andere Vehikel weiter verbreitet werden, wobei namentlich der höhere oder tiefere Stand des Grundwassers (s. d.) eine wichtige Rolle spielt. Gewisse E. kehren in manchen Landstrichen regelmäßig wieder (3. B. die Cholera in Indien), jedoch einmal mehr, das andere mal weniger bösartig. Das Wandern der Seuchen, bisweilen über den ganzen Erdkreis, ist neuerdings besonders durch die Cholera (s. d.), früher durch die Influenza bekannt geworden. Jede Volkskrankheit zeigt eine Zeit der Zunahme, der Höhe und der Abnahme, und zwar findet sich meist, daß die Zunahme rasch vollendet und das Höhestadium bald erreicht ist, während se das Stadium der Abnahme länger hinauszieht. Nach ihrem Ablauf ist die Krankheit entweder spurlos, nicht selten auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus verschwunden, bis plötzlich wieder einzelne Fälle den Beginn einer neuen E. ankündigen, oder sie besteht während der Pause in einzelnen meist zusammenhanglosen sporadischen Fällen fort, wie dies z. B. beim Scharlach in großen Städten der Fall ist. Die Dauer der E. ist verschieden, gewöhnlich nicht unter zwei bis drei Monaten, selten über ein halbes Jahr während; meist dauern sie desto kürzere Zeit, je heftiger sie auftreten, d. h. je mehr Individuen sie gleich anfangs ergreifen. Ebenso wechselnd wie die Verbreitung der C. ist auch ihre Mortalität; während in einzelnen C. alle Fälle gutartig verlaufen, ist in andern die Prozentzahl der Toten eine sehr beträchtliche, ohne daß sich ein bestimmter Grund dafür anführen läßt; gewöhnlich sind die Erkrankungen zu Anfang einer C. die schwersten, am häufigsten tödlich, weil meist die schwächlichen Individuen zuerst ergriffen werden. Die E. hört nach und nach von selbst auf, sei es, weil sie alle disponierten Subjekte aufgezehrt hat (da epidemische Krankheiten einen Menschen oft nur einmal befallen), sei es, weil ihre Ursachen aufhören (3. B. Frostkälte die Sumpfmiasmen niederschlägt), sei es, weil die Leute sich besser dagegen schützen u. s. w. Oft wirken hier gewiß ganz unbekannte Ursachen ein. Doch kann auch eine E. an dem Orte bleiben, sich heimisch machen und zur Endemie (.d.) werden. Auf diese Weise sind z. B. die Pocken, das Scharlach und andere Übel eingewandert und endemisch geblieben. Zuweilen herrschen mehrere E. zu gleicher Zeit, so z. B. Scharlach und Masern, Cholera und Typhus, Keuchhusten und Grippe. Die sehr mannigfaltigen Schutz- und Hilfsmittel gegen E. gehören in das Gebiet der öffentlichen wie der privaten Hygieine. Sie sind teils allgemeine, besonders Verbesserung der Lage, der Nahrung, Kleidung und Wohnung der ärmern Volksklassen, weil diese bei allen Seuchen am ärgsten befallen werden und den Herd abgeben, in welchem die Seuche sich nährt und zur Bösartigkeit steigert; ferner größere Sorge für Entfernung alles Unrats aus dem Bereiche menschlicher Wohnungen, ausgiebige Ventilation und Desinfektion der Wohnplätze und ihrer Umgebung, sowie strenge Beaufsichtigung der Brunnen und Quellen, teils spezielle, aus der Eigennatur des übels entnommene, z. B. die Schutzpockenimpfung gegen Blattern, die Sperrmaßregeln gegen orient. Pesi, das Fliehen auf die Höhen des innern Landes gegen Gelbes Fieber. Die Geschichte der Voltskrankheiten bildet nicht nur einen wesentlichen Teil der Geschichte der Medizin, sondern ist auch unentbehrlich für das Verständnis der polit. Geschichte und namentlich der Kulturgeschichte, denn die großen E. haben nicht selten die Heere eines Eroberers vernichtet, ganze Völkerstämme vom Erdboden verschwinden lassen und oft genug der Geistesrichtung großer Nationen für lange Zeit ein eigentümliches Gepräge verliehen. Litteratur: Griesinger, Infektionskrankheiten (Erlangen 1864); Hecker, Die großen Volkskrankheiten des Mittelaltersy (Berl. 1865); Osterlen, Die Seuchen, ihre Ursachen, Gesetze und Bekämpfung⸗(Tüb. 1873); Küchenmeister,«Allgemeine Zeitschrift für Epidemiologiey (Bd. 1, Erlangen 1873); Hirsch, cküber die Verhütung und Bekämpfung der Volkskrankheiten » (Berl. 1875); derselbe, Handbuch der histor.⸗geogr. Pathologiep (Bd. 1., 2. Aufl., Stuttg. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 219Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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