FeedErstickung
HeilkundeBrockhaus 1882

Erstickung (suflocatio) ist diejenige Todesart, welche durch Entziehung atembarer Luft und die darauf folgenden Blutveränderungen bedingt wird. „Sie erfolgt entweder dadurch, daß die äußere Luft . B. dme wird, in die Lungen zu gelangen, also 3. B. durch Zuschnürung der 3. Durt e von außen her, durch Erdrosselun (s. d.), durch Verstopfung der obäute (3. B. durch verschluckte fremde Körper, Krupphäute), durch Anfüllung der Luftwege und Lungen mit fremden Flüssigkeiten, wie beim Ertrinken (s. d.) und beim Lungenödem oder Stickfluß d.), durch Verminderung oder Aufhören der tembewegungen bei verschiedenen Erkrankungen des sog. Atmungscentrums im verlängerten Mark des Gehirns, oder dadurch, daß statt der atmosphärischen Luft ein anderes Gas eingeatmet wird, welches entweder einfach unatembar (sauerstofflos), wie die Kohlensäure, oder direkt giftig sein kann, wie das Kohlenoxydgas, Schwefelwasserstoffgas u. a. Das Wesen der E. besteht in Folgendem: Sobald kein Sauerstoff, keine Lebensluft mehr in die Lungen gelangt, so verliert das Blut seine belebende Ligenschaft und nimmt im e Körper eine dunkle, dünnflüssigere GGHanotuche) eschaffenheit an; es färbt daher auch Lippen, Zunge, Wangen und andere Teile blau oder schwärzlich und häuft sich in den Lungen, dem rechten Herzen, den Körpervenen und dem Gehirn an, wodurch bald heftige Beklemmung und Atemnot (Dyspnoe), krampfartige Zusammenziehungen der Atmungsmuskeln und schließlich allgemeine, den epileptischen ähnliche Krämpfe rstickungskrämpfe) entstehen. Durch diese Überfüllung mit sauerstofflosem, dagegen stark kohlensäurehaltigem, wie ein narkotisches Gift wirkendem Blute wird jedoch rasch die Thätigkeit des Gehirns gelähmt (Betäubung) und nicht minder die des verlängerten Markes, der Atmungs- und Herznerven. Daher erfolgt nun der Tod von diesen Centralorganen aus, wie man sich ausdrückt bald durch Stickfluß (Atmungslähmung), bald dur Schlagfluß (Hirnlähmung). Da beides beim reinen Erstickungstode nicht gar zu rasch vor sich geht, dieser vielmehr durch ein verschieden langes Stadium von Scheintod eingeleitet wird, so sind Belebungsversuche bei Erstickten niemals zu unterlassen. ö Die Belebungsversuche beginnt man damit, daß man den Atmungswegen wieder sauerstoffreiche Luft zuführt, also z. B. den Strick des Erhängten abschneidet, den * aus den mit schädlichen Luftarten gefüllten Räumen hinwegbringt, alle beengenden und fest anliegenden Kleidungsstücke entfernt u. s. w. Befindet sich der Erstickte in einem mit Kohlendunst erfüllten Zimmer, so darf man nur mit der größten Vorsicht eindringen, um nicht selbst zum Whur zu fallen; man erzeuge erst mittels auden der Thüren und Einschlagen der Fenster von außen her einen gehörigen Luftzug, und wenn dies nicht möglich ist, binde man sich ein nasses Tuch vor Mund und Nase, schöpfe noch einmal vor der Thür tief Atem und springe dann durch das Zimmer auf das nächste Fenster zu, um es einzuschlagen; hat man durch das eingestoßene Fenster frische Luft geschöpft, so springe man zum nächsten Koten und fahre so fort, bis starker Luftzug den Kohlendunst vertrieben hat und der Bewußtlose ohne Gefahr rische Luft gebracht ist, beginne man sofort die iederbelebungsversuche, indem man den Scheintoten flach auf den Rücken legt, Kopf und Schultern durch ein zusammengefaltetes Kleidungsstück etwas erhöht und nun abwechselnd beide Arme vom Brustkorb ab und langsam nach oben bis über den Kopf zieht, sie hier zwei Sekunden festhält, sie dann auf demselben Wege wieder zurückführt und sanft, aber fest, zwei Sekunden lang gegen die Seiten des Brustkastens andrückt, wodurch eine Arbessun Erweiterung und Verengerung des Brustkorbes und damit ein abwechselndes Einziehen und Auspressen von Luft erfolgt; diese Bewegungen werden etwa 15 mal in der Minute so lange vorsichtig und beharrlich wiederholt, bis die ersten selbstthätigen Atembewegungen des 0 tarlet bemerkt werden. Ist dies der Fall, so sind starke Riech-und Niesmittel, kräftige Hautreize (Besprengen mit kaltem Wasser, Reiben und Bürsten des ganzen Körpers, Einwickeln der Füße in Senfteige) und reizende Klystiere anzuwenden; auch flöße man nun den Verunglückten einige Theelöffel warmes Wasser, Thee, Kasfee, Wein oder Grog ein. übrigens soll man derartige Belebungsversuche niemals zu früh abbrechen, weil wiederholt Fälle beobachtet wurden, in denen Erstickte erst nach mehrstündigen Bemühungen aus ihrem Scheintode erweckt wurden. Vgl. Müller, „Die Behandlung Verunglückter bis zur Ankunft des Arztesv (2. Aufl., Berl. 1868); Esmarch, Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen (Lpz. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 324Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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