Ertrinken, eine der herbemgeit gewaltsamen Todesarten, wird dadurch herbeigeführt, daß durch Eindringen einer tropfbaren Flüssigkeit in die Luftwege der Zuttitt der atmosphärischen Luft zu den Lungen gehindert und die in denselben dadurch vor sich gehende Bluterneuerung unterbrochen wird. Ins Wasser Gefallene sterben entweder suffukatorisch, d. h. durch Unterbrechung der ra d.h. au tionen (s. Erstickung), oder a oplektisch, d. h. an einer durch Überfüllung der Blutgefäße des Gehirns bedingten Lähmung dieses Organs. Oft verbinden sich beide Todesarten. Tod durch Apoplexie tritt nur in seltenern Fällen ein, wenn der Körper sehr erhitzt in die kältere Flüssigkeit kommt und so das Blut plötzlich von der Oberfläche nach dem Innern gedrängt wird; die auf diese Art Ertrunkenen werden nur selten wieder ins Leben zurückgerufen, wogegen bei denjenigen, deren Lebensäußerungen nur infolge Mangels an Luft (Suffokation) erloschen sind, die Wiederbelebung, wenn die Hilfe zeitig genug kommt, leichter möglich ist. Vor allen Dingen muß der Verunglückte sehr vorsichtig, ohne an Brust und Unterleib gedrückt zu werden, an die Luft gebracht, völlig entkleidet an einem mäßig warmen Orte auf ein passendes Lager, an heißen Sommertagen auf den Ufersand, mit wenig erhöhtem, seitwärts die Ante Kopfe gelegt, hier zuerst der Mund und die Nase von Schleim und Schlamm gereinigt und dann der ganze Körper mit Flanell oder auch mit bloßen Händen frottiert werden. Weiterhin muß man möglichst frühzeitig die Atmung durch künstliche Atembewegungen in Gang zu bringen suchen, indem man entweder den auf dem Gesicht liegenden Verunglückten langsam und allmählich, ungefähr 15 mal in der Minute, auf die Seite und ein wenig darüber hinaus und dann schnell wieder auf das Gesicht zurückwälzt und während er auf dem Gesicht liegt, einen gleichmäßigen Druck auf seinen Rücken und die Seitenflächen der Brust ausübt (Methode von Marshall-Hall), oder indem man ihn auf den Rücken legt, seine Schultern durch ein untergelegtes Kissen unterstützt, seine Zunge nach vorn zieht und vor den Lippen festhält und nun durch abwechselndes langsames Erheben der Arme bis über den Kopf und darauf folgendes Wiederandrücken gegen die Brustwand eine rhythmische Erweiterung und Verengerung des Brustkorbes bewirkt (Methode von Sylvester). Immer muß man diese an erst nach längere Zeit fortsetzen, da nicht selten erst. nach halbstündigen, ja selbst mehrstündigen Manipulationen eine Wiederbelebung erfolgt. Nach den ersten selbstthätigen Atembewegungen des Verunglückten hülle man ihn in trockene Decken ein, frottiere ihn kräftig und bringe ihn möglichst bald in ein warmes Bett, in welchem man seine Körperwärme durch Auflegen von Wärmflaschen oder Wärmsteine auf die Magengrube, in die Achselhöhlen, zwischen die Schenkel und an die Fußs ohlen, sowie durch theelöffelweises Einflößen von warmem Wasser, Thee oder Wein allmählich wiederherzustellen sucht. Verwerflich ist es, den Ertrunkenen auf den Kopf zu stellen, was zuweilen geschieht, um das übermäßige Wasser aus dem Magen zu treiben. Wenn der Ertrunkene zugleich erfroren ist, so muß man ihn zunächst als Erfrorenen behandeln. (S. Erfrierung.). Vgl. außer den Handbüchern der gerichtlichen Medizin von Casper-Liman, Schürmayer, Tardieu, Taylor u. a.: Müller, Die Behandlung Verunglückter bis zur Ankunft des Arztesv (2. Aufl., Berl. 1868); Esmarch, Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen (Lpz. 1882).