Erstlinge. Die Sitte, von Pflanzen und Tieren als den Geschenken der Gottheit den ersten Ertrag wiederum als heilige Gaben der Gottheit zu weihen und darzubringen, ist ein, besonders im ltertum, weit verbreiteter Ausdruck einer frommen Empfindung und bildet bei vielen Völkern einen wesentlichen Teil des Opferkultus. ½ war diese Sitte vollständig und konsequent bei den alten Sraeliten entwickelt, bei welchen die E. neben den ehnten und andern Opferdeputaten die Einkünfte der Priester bildeten. Insofern nach den religiöspolit. Grundsätzen der israel. Theokratie der Nationalgott Jahve zugleich der König und oberste Eigentümer des israel. Landes (Kanaan) ist, hatten ihm die Israeliten die ersten und besten Landeserzeugnisse als schuldigen Tribut darzubringen, und so wurde alljährlich die Erstlingsgarbe der Gerstenernte am Osterfeste, und zwei Weizenbrote am Pfingstfeste als Erntedank des ganzen Volks für Jahve, dann aber auch von den einzelnen Israeliten überhaupt alle Erstlingserträgnisse der leblosen und der lebenden Kreatur: Getreide, Most und Öl, die ersten Baumfrüchte und Weintrauben, sowie Vriester alle männliche Erstgeburt der Tiere an die riester abgeliefert. Und zwar sollten die levitisch reinen, eßbaren Tiere binnen Jahresfrist beim Heiligtum geopfert, die mit einem Makel behafteten vom Eigentümer zu Hause geschlachtet und verzehrt, dagegen die unreinen, d. h. nicht opfer- und nicht eßbaren, Tiere entweder umgebracht oder gelöst, d. i. durch reine, opferbare, z. B. ein Esel durch ein Schaf, ersetzt, oder auch um eine gewisse Summe, welche den Priestern zusiel, losgekauft, bezugsweise verkauft werden. Da nach der theokratischen Idee aber nicht nur aller Besitz der Israeliten, sondern auch das Volk selbst als Eigentum seines Gottkönigs galt, so war auch alle männliche Erstbeburt von Menschen dem Jahve geheiligt, wurde jedoch nicht, wie es allerdings in der ältesten Zeit, vielleicht am Passahfeste, geschehen sein mochte, geopfert, sondern nach einem Monat im Tempel vor Gott gestellt und mit fünf Sekeln gelöst, d. h. von dem Dienste Jahves am Heiligtum, zu welchem eigentlich jeder Erstgeborene bestimmt war, losgekauft. In der spätern Gesetzgebung verzichtete der Nationalgott auch auf dieses Lösegeld und nahm statt der Erstgeburt aller Israeliten die Leviten als seine Diener an, welche jetzt den arlch u erhielten. Bei den gesetzestreuen Juden hat sich die Sitte, die Erstgeborenen am 3l. Tage loszukaufen, bis auf die Gegenwart erhalten.