FeedHebräische Litteratur
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hebräische Litteratur, d. die Nationallitteratur der alten Hebräer oder Israeliten. Was davon erhalten ist, liegt im Alten Testament gesammelt vor. In diese Sammlung sind aber nur solche Schriften oder Teile von Schriften aufgenommen, welche den Spätern als Urkunden der Religionsentwickelung oder für die sittlich-religiöse Erziehung und den gottesdienstlichen Gebrauch des Volks von Wert schienen; alles andere wurde fallen gelassen und ging verloren. Da jedoch das geistige Leben des alten Volks in der Pflege und Fortbildung seiner höhern Religion kulminierte, so darf man trotz des religiösen Zwecks der Sammlung sicher sein, daß das darin Erhaltene zugleich das Beste und Wertvollste der hebr. Litteratur überhaupt war. Die ersten Anfänge dieser Litteratur gehen bis auf Moses zurück; ihre letzten Nachtriebe lieferte die makkabäische Zeit; ihre Blüte umfaßt die sechs Jahrhunderte von David bis Esra. Schriftstellernamen sind weniger überliefert als in andern Litteraturen; mit Ausnahme der prophetischen Schriften kennt man von keinem Buch mehr den Namen seines Verfassers. Das mag damit zusammenhängen, daß die meisten derselben Umarbeitungen erlitten, ehe sie in die Sammlung kamen; doch scheint die Anonymität der Schriftstellerei hier mehr als anderswo Sitte gewesen zu sein; die Verfasser schrieben zum Besten der Leser, nicht zu ihrem eigenen Ruhm. Die geschichtliche Einreihung der Schriften wird aber dadurch sehr erschwert. In der Zeit von Moses bis David machte man von der Schreibkunst und dem Schreibmaterial, die man wohl schon kannte, noch seltener Gebrauch und dann wohl mehr zu praktischen Zwecken als zur Schriftstellerei. Das Zehngebot, auf zwei Steintafeln eingegraben, wird ganz bestimmt auf Moses zurückgeführt. Einige andere Gesetzescodices (z. B. in 2 Mos. 21—23; 3 Mos. 19), knapp gefaßte Zusammenstellungen der wichtigsten rechtlichen, sittlich-religiösen und gottesdienstlichen Pflichten, nach den Fingern der Hand in Reihen von 5 und 5 oder 10 Geboten, ursprünglich zum Auswendiglernen bestimmt, mögen füglich in jenen Thenso har m auch schon aufgeschrieben sein. Ebenso hat man eine Anzahl dichterischer Stücke oder Bruchstücke jener Zeiten (wie 1 Mos. 49; 2 Mos. 15; 4 Mos. 21; Richter 5 u. a.), welche nicht nur Leben geben von dem gesang⸗ und musikreichen Leben des Volks, sondern auch schon eine hohe Ausbildung der poetischen Form und Kunst erkennen lassen, im übrigen aber, soweit sie lyrisch sind, mehr den Charakter von Liedern aus dem Volk und für das Volk tragen. Viele Lieder dieser Art mögen lange nur im Munde des Volks fortgelebt haben, wurden dann aber auch schriftlich gesammelt. Das 4Buch der Kriege Jahves (4 Mos. 21, 14½), das älteste Buch, das erwähnt wird, muß Berichte über diese alten Eedernontmit eingestreuten, darauf bezüglichen Liedern enthalten hahen. Jünger und wohl erst nach David gemacht ist das „Buch des Braveno (Jos. 10, 13; 2 Sam. 1, 18), zweimal als Liederbuch citiert und, wie jenes, nur aus diesen Citaten bekannt. Auch allerlei geschichtlich Denkwürdiges mag, besonders im Zusammenhang mit öffentlichen Listen, Genealogien, Liedern, innerhalb der Geschlechter oder an Heiligtümern auch in Inschriften schon negthihor net gewesen sein; aber sichere Spuren eigentlicher Geschichtswerke aus dieser Zeit gibt es nicht. Erst durch die religiöse und nationale Erhebung seit Samuel, durch die Reichsbildung, durch die Erweiterung des Gesichtskreises im Verkehr mit auswärtigen Völkern, durch die ganze un genigen Kultur wurden reichere Antriebe zum geistigen Schaffen geboten, und wurde ebenso der Gebrauch der Cchrift für öffentliche und private Zwecke gedie personl Dichtung und Gesang wurden durch die persönlichen Leistungen der Könige David und Salomo in neue Bahnen gelenkt; die Lust zum Nachdenken und Forschen (1 Kön. 4, 29—34) erwachte und wurde fortan in den Schulen der Weisen gepflegt; der durchlaufenen Geschichte und den geistigen Schätzen der nationalen Sage brachte man jetzt neues Verständnis entgegen; über die wichtigen öffentlichen Begebenheiten und Verhältnisse wurde seit Salomo an den Höfen der Könige Buch geführt; die nötig gewordene Organisation des Staats gab Anlaß zu wiederholten Codifikationen des geltenden Rechts, ebenso wie die ordentliche Handhabung des Kultus an den großen königl. Heiligtümern zu immer feinerer Ausbildung der gottesdienstlichen Bräuche und Sitten. Die Prophetie endlich, welche von Anfang an dem Königtum zur Seite ging und die höhern Ansprüche der Religion vertrat, trieb wenigstens seit dem 9. Jahrh. eine neue Schriftgattung hervor, welche als die Krone des ganzen hebr. Schriftenwesens gelten kann. Alle die verschiedenen Zweige der hebr. Litteratur kamen so in der Königszeit zu ihrer Ausbildung. Die Wissenschaften und Künste aber sind darunter nicht vertreten. Im allgemeinen kann man klassifizieren: Gesetze, Geschichtschreibung, Poesie nach ihren Unterarten, Prophetie. Den Gang der Gesetzescodifikationen kann man nur noch im allgemeinen überschauen. Daß in der Königszeit, in beiden Reichen, sowohl von öffentlichen Behörden als von Priestern, je in ihrem Bereich mehr oder minder umfassende Darstellun—⸗ gen der geltenden oder auch der neu entworfenen gesetzlichen Bestimmungen verfaßt wurden, ist wohl nicht zu bezweifeln; ob und wie viel davon in 2—4 Mos. noch übrig ist, läßt sich nicht bestimmen. Sicher ist nur, daß in der neuerdings so genannten Priesterschrift (in 2 — 4 Mos.) zumeist die auf den Gottesdienst und das Priesterwesen sich beziehenden Bräuche und Rechte, wie sie sich in der Königszeit entwickelt haben, zusammengestellt sind, daß das sog. Deuteronomium (5 Mos.) eine besondere, prophetisch gehaltene Gesetzesschrift für das Volk war, welche bald nach ihrem Erscheinen unter König Josia öffentliche Anerkennung fand, daß aber auch noch Fragmente aus andern Sammlungen im Pentateuch 1 Westa sind, und daß endlich aus den genannten Bestandteilen, vermittelst vieler Umstellungen und Überarbeitungen die betreffenden Abschnitte in 2 — 5 Mos. zumeist von Esra für das jüd. Volk zu dem Zweck hergestellt wurden, ihm fortan als unverbrüchliches Gesetzbuch zu gelten. Auch von den Geschichtswerken, den zusammenhängenden Darstellungen der Geschichte größerer Zeiträume, wie sie vom 10. Jahrh. v. Chr. an verfaßt wurden, ist kein einziges ganz und unverändert überliefert. Soweit diese Geschichtschreibung die Ur⸗ und Vorgeschichte bis auf Moses betraf, konnte sie nur aus der lebendigen Sage des eigenen Volks, vielleicht auch weiterer Kreise, schöpfen, aber auch für die Zeit von Moses bis in den Anfang des Königtums hinein, wo schriftliche Quellen nicht ganz fehlten, selbst noch für die Jugendgeschichte Davids, war die mündliche Ubertieferung der einzelnen Stämme, Geschlechter und Häuser die Hauptquelle. Daraus erklären sich auch die mancherlei Variationen einer und derselben Erzählung. In den fünf Büchern Mosis und im Buch Josua sind drei derartige größere Werke verarbeitet, von denen eins (Elohist), aus den Kreisen des Nordreichs hervorgegangen, durch Reichhaltigkeit des Stoffs und getreue Wiedergabe der mündlichen überlieferung sich auszeichnet, das andere (Jahvist), in Juda verfaßt, durch reizvolle Darstellung und Ideenreichtum einen hohen Rang einnimmt, das dritte (die Priesterschrift) mehr gelehrter Art ist und diese Geschichten in chronolog. und systematische Ordnung gebracht hat. Die beiden ersten scheinen auch die Zeiten weiter abwärts behandelt zu haben, doch ist das Nähere darüber noch nicht ausgemacht. Im jetzigen Richterbuch und einem Teil des Buchs 1 Sam. liegen noch große Bruchstücke von zwei verschiedenen Werken vor, welche mindestens die Richter- und erste Königszeit umfaßten. Eine schöne pragmatische Darstellung, in anmutiger Ausführlichkeit und prophetischem Geist geschrieben, gab über die Höhezeit der israel. Geschichte von Samuel bis etwa Josaphat der Verfasser des Werks, welches seinem größern Teile nach in 1 und 2 Sam. und im Anfang von 1 Kön. enthalten ist. Aus den Reichstagebüchern ausgezogen, gab es annalistisch angelegte Übersichten über die Geschichte der Könige beider Reiche, ebenso in Prophetenkreisen entstandene Übersichten über kürzere Zeiträume, oder auch freie, mit künstlerischem Geschick entworfene Zeichnungen einzelner Persönlichkeiten oder Sagenkreise (wie Simson-Geschichte, Ruth, Jonas u. s. w.). Aus der Fülle solcher h Den Paßrt Schriften wurden dann in und nach dem Dolfs di-Aus Exil, zur Lehre und ehr als Bich Volks, die Auszüge hergestellt, welche jetzt als Bücher der Richter, Ruth, Samuel und Könige eine fortlaufende kurze übersicht über die Geschichte von Josua bis in das Babylonische Exil bilden. In der nachexilischen Zeit, unter der Fremdherrschaft, fehlte für die heimische Geschichtschreibung Trieb und Schwung. Man führte wohl Buch über zeitgenössische Erlebnisse (wie Err. 2 oder Or. 4, 8 bis 6, 18); Esra (Esr. 7 fg.) und Nehemia (Neh. 1—7, auch 11 fg.) machten Aufzeichnungen ihrer Denkwürdigkeiten. Aber das große, vollständig erhaltene, die Bücher 1 und 2 Chronika, Esra und Nehemia umfassende Werk, welches die Geschichte von Adam bis uche Ende des Perserreichs vom levitisch-priesterlichen Standpunkt aus wiedererzählt, hat nur noch, soweit es aus ältern und neuern Urkunden Mitteilungen gibt, geschichtlichen Wert und dient im übrigen mehr erbaulichen Zwecken. Das Buch Esther ist nur eine etwa im 3. Puri v. Chr. geschriebene Legende auf das Purimfest, zu dessen Erklärung und Empfehlung. In der Poef ie sind nur die lyrische und gnomische Art zur Ausbildung gekommen; die Stelle des Epos vertreten die prosaisch geschriebenen Heldensagen der Vorzeit, und 4. Witd Drama ist es bei bloßen Ansätzen geblieben. Mit der Umbildung des Volkslebens unter den Königen scheint das alte heroische Volkslied allmählich geschwunden zu sein, während Dichtung und Gesang zur Verschönerung des geselligen Lebens, zumal an den Höfen und in den Palästen der Großen noch immer gegepflegt wurde (2 Sam. 19, 35; Pred. 2, s; Amos 6, 5; 8, 10; Jes. 5, 12). Eins der schönsten Erzeugnisse dieser Kunst ist auf uns gekommen in dem Hohenlied, einem Singspiel aus der Mitte des 9. Jahrh., worin in einem Kranze erotischer Lieder die Macht der treuen standhaften Liebe verherrlicht wird. Wichtiger ist das Aufkommen der Psalmdichtung. David war's, der hochbegabte Sänger und Dichter, welcher darin voranging. Ihm war es Bedürfnis, in entscheidenden Lagen seines wech—⸗ selvollen Lebens, in Freud und Leid, die Zither zu nehmen und seinem Gott ein Lied zu singen. Das singbare Lied im Dienst des individuellen religiösen Lebens, als Ab- und Ausdruck der den Einzelnen oder die Gemeinde erfüllenden Empfindungen und Erfahrungen, wurde durch ihn eingebürgert und bald auch im t, buuht Gottesdienst verwertet. Von ihm eröffnet, blüht die Psalmendichtung fort bis in die späteste Zeit und wurde zugleich ein Hauptmittel für die religiöse Bildung des Volks. Ihre Erzeugnisse gehören zu den köstlichsten Früchten des israel. Geistes und sind die Muster geworden für die Kirchenlieder aller Nationen. Was im Psalter vorliegt, ist eine für die gottesdienstlichen Bedürfnisse der Spätern etwa im 4. Jahrh. v. Chr. veranstaltete, vielleicht später nachgebesserte, großenteils aus frühern kleinen Sammlungen geschöpfte Zusammenstellung der besten oder für den Gemeindegesang tauglichsten Psalmen älterer und neuerer Zeit. Eine spezielle Art dieser Gotteslieder sind die nationalen Klagelieder, vertreten zwar auch durch einzelne Psalmen im Psalter, besonders aber durch das Büchlein der Klagelieder, auf die traurigen Ereignisse der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier bezüglich. Neben die Psalmenpoesie stellt sich als andere Hauptart die gnomische oder Spruchpoesie, als deren geistiger Vater König Salomo galt. Die Richtung dieser Dichtungsart war, der semit. Begabung entsprechend, praktischer Art: mit klarem Weltverstand, zugleich in unbefangenem Glauben an die Wahrheit der religiösen Grundlehren, beobachteten die Verfasser das Thun und Treiben, die Neigungen und Geschicke, die Tugenden und Laster der Menschen, und abstrahierten sich daraus allgemein gültige Lehren, Regeln und Grundsätze. Weil sie sich aber durchaus bemühten, diese ihre Erkenntnisse in kurzen, körnigen, scharf treffenden Sätzen mit wohlgefälliger Wortstellung, in meist zweigliederigen rhythmischen Versen auszusprechen, wie sie nur Dichter bilden können, so muß man diese Spruchweisen zu den Dichtern rechnen, und ihre Erzeugnisse unterscheiden sich durch diese dichterische Form von dem sonst nahe verwandten Volkssprichwort. In Aufstellung solcher sinnvollen Sprüche voll Lebenswahrheit soll Salomo ein Meister gewesen sein (1 Kön. 4, 32). Viele folgten ihm auf dieser Bahn. db weitern Verlauf, im Angesicht verwickelterer Lebenszustände, griffen sie auch tiefer, suchten die Rätsel des Lebens oder die Tiefen des göttlichen Wesens denkend zu durchdringen, oder bedienten sich bei der Bildung der ihnen anvertrauten Jugend eines mehr zusammenhängenden, lyrisch-rednerischen Lehrvortrags, ohne naden jemals von der dichterischen Form ganz zu lassen. Eine Auswahl des Ertrags dieser Spruchweisheit etwa bis in das 6. uch de gibt das nach Salomos Namen benannte Buch der Sprüche: eine Menge von Weisen haben dazu beigetragen; mit Namen genannt wird außer Salomo nur einer der jüngsten, Agur ben Jage (Spr. 30, 1). Einige Spruchlieder der Weisen haben auch im Psalter Aufnahme gefunden. Das Seitenstück zu dem Buch der Sprüche aus jüngerer Zeit ist das große, von Jesus Sirach (Jesu ben Sira) in Jerusalem um 200 v. Chr. verfaßte Buch der Lebensweisheit, welches aber von den Juden nicht mehr in ihren Kanon aufgenommen wurde. Ebenfalls aus den Kreisen der Weisen hervorgegangen ist das Buch Hiob, ein kühn gedachtes, kunstvoll ausgeführtes Lehrgedicht halb dramatischer Anlage und schwer wiegenden Inhalts, worin in fein dichterisch gehaltenen Zwiegesprächen zwischen Hiob und seinen drei Freunden das Problem der ethischen Weltordnung Gottes einer allseitigen Erörterung unterworfen und an der Person des Helden und seinen Seelenkämpfen der Sieg des Glaubens über ein widriges Geschick zur Anfalers d⸗ gebracht wird. Den Namen des Verfassers kennt man nicht; am wahrscheinlichsten gehört es der Zeit des sinkenden Volkstums im 7. Jahrh. v. Chr. an, ist aber von späterer Hand überarbeitet. Über ähnliche Fragen, aber ohne die hohe dichterische Kunst, vielmehr prosaisch erörternd, jedoch viele Sprüche wie Perlen einreihend, läßt sich im sog. Prediger, einer auf den Namen Salomo geschriebenen Lehrschrift, ein Weiser des 4. Jahrh. v. Chr. vernehmen, um in einer Reihe von Lehrausführungen und Ratschlägen zu einer richtigen Wertschätzung der verschiedenen menschlichen Bestrebungen und zu einem zufriedenen, heitern Genuß der von Gott geschenkten Lebensgüter anzuleiten. Einzig in ihrer Art sind die Schriften der Propheten, d. h. die prophetischen Redesammlungen. Die ältesten Propheten haben nicht geschrieben, höchstens geschichtliche oder sagenhafte Aufzeichnungen über das Wirken einzelner ausgezeichneter Männer mögen in den ar der Propheten entstanden sein. Erst als der Kampf gegen die auflösenden Mächte in Staat und Religion ernster und verwickelter wurde und die Propheten, ihres in der ältern Zeit genossenen unbedingten Ansehens beraubt, sich darauf angewiesen fanden, durch die Macht überzeugender Rede die Gemüter zu gewinnen, erstanden die großen Redner⸗ oder Prediger-Propheten, und diese erst nahmen auch zur Schrift ihre Zuflucht, um ihre Ideen in weitern Kreisen zu verbreiten und sie für die künftigen Geschlechter zu erhalten. Ihre Bücher geben aber nicht die wirklich gehaltenen Reden wörtlich wieder, sondern sind nur kurze Summarien des Inhalts derselben, nach Sach- oder Zeitordnung angelegt; einige waren auch von Anfang an bloß schriftlich erlassene Ansprachen oder Ausführungen. Derartige Prophetenschriften haben sich noch viel erhalten, von der Mitte des 9. Jahrh. abwärts bis ins 5., von manchen freilich auch bloße Bruchstücke. Soweit sie ganz erhalten sind, sind auch die Namen der Verfasser mit überliefert, wenn nämlich eine öffentliche mündliche Wirksamkeit hinter der Schrift lag; dagegen die von Anfang an nur schriftlich aPaefäßten Prophetenreden sind anonym. mmer aber kann man aus dem geschichtlichen Hintergrund und dem ganzen Gesichtskreis solcher Reden ihre Zeit genau bestimmen; dieselben sind aus diesem Grund auch wichtige geschichtliche Denkmäler. Ihre Hauptbedeutung freilich liegt darin, daß sie den Ertrag der allmählichen Vertiefung und Vergeistigung der mosaischen Religion bis zu ihrer Annäherung an die neutestamentliche Religionsstufe in Ateltt nd si Zeugnissen darstellen. Zuin per Bich t sind sie für den Gebrauch der Juden in vier Bücher ungefähr gleichen Umfangs, wovon zwei (das Buch Jesaias und das Zwölfprophetenbuch) Sammlungen verschiedener kleinerer, teils benannter, teils anonymer Schriften, zwei aber (Jeremias und Ezechiel) einheitliche oder fast einheitliche Bücher je eines Propheten sind. Eine künstliche Nachahmung der alten Prophetenbücher und vielmehr bereits zu den Apokalypsen zu rechnen ist das neuprophetische Mahn⸗ und Trostbuch Daniel, aus der Anfangszeit der Bedrückungen des Antiochus CEpiphanes in den J. 167—166 v. Chr. Nicht mehr unter den Religionsschriften des rechtgläubigen Judentums zugelassen, also außerhalb des Kanons und nur noch in griech., lat. und orient. übersetzungen bei den Christen erhalten, gibt es noch eine Reihe von jetzt sog. apokryphischen und pseudepigraphischen Schriften, welche ursprünglich zwar auch meist in dem hebr.⸗aramäischen Dialekt geschrieben waren, aber durchaus der jüngern Zeit angehören und auf der Grenzscheide der hebr, und der jüd. Litteratur liegen. Es sind: eine kleine Psalmsammlung unter dem Namen «Psalmen Salomos » (um 50 v. Chr.); an Weisheitsbüchern das Buch Sirach (s. oben) und die Weisheit Salomos (ursprünglich griechisch in Agypten geschrieben); an prophetischen und apokalyptischen Schriften das apokryphische Buch Baruch, das Henochbuch, das Buch der Jubiläen oder die Kleine Genesis, die Himmelfahrt Moses, das 4. Buch Esra und die Apokalypse Baruch; an Geschichtsbüchern das 1. und 2. Makkabäerbuch und das 3. Buch Esra; an Lehrdichtungen das bel Tobiä und das Buch Judith. (Vgl. auch Bibel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 946Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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