FeedErzlager sind Erzanhäufungen
BaukunstBrockhaus 1882

Erzlager sind Erzanhäufungen, welche der Schichtung des sie einschließenden Gebirges parallel verlaufen und ihrer ganzen Natur nach selbst als erzhaltige Schichten anzusehen sind, welche ungefähr gleichzeitig mit dem umgebenden Gestein, d. h. nach ihrer Unterlage, dem ursprünglich Liegenden, und vor ihrer Decke, dem ursprünglich Hangenden, gebildet zu sein scheinen. (S. Fig. 1, a der Tafel.) Die eigentlichen Lager nehmen bei verhältnismäßig großer und oft sehr wechselnder Mächtigkeit (Dickes nur geringe Flächenräume ein (3. B. die Eisenerzlager der archäischen Formation), und davon pflegt man wohl die Erzflöze zu unterscheiden, welche bei bedeutender, wesentlich ununterbrochener Verbreitung über weite Flächenräume eine ziemlich konstant bleibende, verhältnismäßig geringe Mächtigkeit besitzen (3. B. die Eisenerzflöze des braunen Jura, das mansfelder Kupferschieferflöz). Die E. im allgemeinen bestehen vorzugsweise aus einer oder mehrern Schichten kompakten Erzes, z. B. Brauneisenstein, Magneteisenstein; die Grenzen solcher Lager gegen das Hangende und Liegende sind bald recht scharf und bestimmt, bald aber finden sich auch allmähliche Übergänge in das oben und unten einschließende Gestein (Gegensatz zu Gängen). Dabei ist die Verteilung der Erzmassen eine ziemlich gleichmäßige und der Erzreichtum der Lagerstätte hängt meist bloß von der Mächtigkeit ab. Andere E. bestehen nur in einer Anhäufung bisweilen sehr fein verteilter Erzpartikelchen in einer bestimmten Schicht (z. B. Kupferschiefer), wobei dann gewöhnlich keine scharfe Begrenzung nach oben und unten, innerhalb des Lagers auch vielfach keine gleichmäßige Verteilung stattfindet. Wahre E. kommen nur innerhalb echt geschichteter Gesteine vor, in welchen sie aber auch ohne Unterschied des geolog. Alters auftreten. Unter allen Erzen finden sich entschieden die Eisensteine am häufigsten gerade in der Form von Lagern. Als besonders typische Vorkommnisse von E. können gelten die Lager von Magneteisen und Eisenglanz in den alten krystallinischen Schiefern, die von Roteisenstein (Böhmen, Nassau, Westfalen) und Brauneisenstein im Silur und Devon, von thonigem Sphärosiderit in der Steinkohlenformation, das berühmte Kupferschieferflöz im Zechstein, die Lager von oolithischem Eisenerz im braunen Jura (Württemberg, Luxemburg, Lothringen, Rußland). Für die bergmännische Gewinnung ist die Lagerform bei hinreichender Mächtigkeit und Qualität besonders günstig wegen ihrer Regelmäßigkeit und Verbreitungsart, sowie wegen der relativ großen Gleichförmigkeit des Erzgehalts. Außer diesen in das Gebirge eingebetteten Einlagerungen gibt es aber auch hierher Hedteige oberflächliche Erzauflagerungen, welche keine oder nur spurenhafte Bedeckung durch fremdes Gestein besitzen. Dazu gehören z. B. die in der Tertiärzeit abgesetzten Bohnerze im Gebiete des weißen Jura, die alluvialen, sich jetzt noch forterzeugenden Raseneisenerze, Wiesenerze, Sumpferze, Morasterze in der großen Niederung des nördl. Centraleuropa, vor allem aber auch die sog. Seifenlager (s. Fig. 1, 4 der Tafel), oberflächliche Schuttablagerungen, namentlich solche von lehmigen Sandmassen und Quarzgeröll, welche in reichlicher Menge edle Metalle, daneben auch Edelsteine in sich enthalten. Diese losen Schuttanhäufungen sind hervorgegangen aus der Zertrümmerung der diese Mineralien beherbergenden Felsmassen und zu betrachten als das Resultat förmilicher, von der Natur selbst ausgeführter Waschprozesse, bei denen durch das Wegschwemmen der leichtern, weichern und verwitterbaren Gesteins- und Mineralfragmente der zerstörten Felsen eine lokale Konzentration jener schweren, harten und unzersetzbaren Metall- und Edelsteinteilchen bewirkt wurde. Von solchen Seifenlagern mit Gold, Platin, Zinnerz finden sich die edeln Metalle namentlich in Brasilien, Ostindien, Californien und im Ural, das Zinnerz in Cornwall, Malakka, Banka, Australien. Die Gewinnung dieser Erze aus den Seifen ist viel lohnender als die von der ursprünglichen Lagerstätte, wo sie meist fein verteilt und spärlich eingestreut sind, auch leichter wegen der Oberflächlichkeit und Lockerheit des sie führenden Schuttes. Fig. 7 stellt den Querschnitt eines Goldseifenlagers am Ural dar, wo die Goldkörner aus den Sand⸗, Lehm⸗ und Geröllschichten b und 6 gewonnen werden, welche hier die unebene Oberfläche von krystallinischen Schiefergesteinen (a) überdecken und selbst noch teilweise von einer jüngern unhaltigen Bodenschicht (d) überlagert werden. Erzgänge nennt man diejenigen Erzanhäufungen, welche frühere, in dem festen Gestein gerissene Spalten ausgefüllt haben und sich daher als mehr oder weniger plattenförmige Körper darstellen, die je nach dem Verlauf der ursprünglichen Spalte das Gestein (Nebengestein genannt) wie fremde Massen unter irgend einem Winkel durchschneiden, also auch in einem geschichteten Gebirge allermeist eine von der Schichtung ganz unabhängige Richtung verfolgen. (S. Fig. 1 der Tafel, bei b, o, d, e, i, k.) Diese sog. durchgreifende Lagerung ist sehr charakteristisch im Gegensatz zu den Erzlagern. Doch gibt es auch echte Gänge, d. h. unzweifelhafte Spaltenausfüllungen, welche der Schichtung eines Gesteins parallel laufen (wie in Fig. 1 bei f) und wohl als Lagergänge bezeichnet werden, weil sie in ihrer äußern Erscheinungsweise eine große Ahnlichkeit mit Lagern besitzen und leicht mit letztern verwechselt werden können; tritt jedoch der Fall ein, daß ein der Schichtung des Nebengesteins paralleler Gang einen andern oder mehrere durchschneidet (edurchsetzto), wie es f gegenüber den eigentlichen Gängen bewirkt, so ist damit seine Gangnatur, d. h. seine Entstehung als Spaltenausfüllung, insofern offenbar erwiesen, als ein echtes Lager, welschemetvielleicht an andern Stellen gleicht, niemals einen Gang zu durchsetzen im Stande ist, indem ihm eben die durchgreifende Lagerung abgeht. Auch kommt es vor, daß ein solcher Lagergang, nachdem er eine Strecke weit parallel zwischen den Schichten ich einhergezogen hat, plötzlich in bezeichnender Weise eine Richtung ändert und die Schichten durchquert. Kontaktgänge heißen diejenigen Spaltenausfüllungen, welche sich auf der Grenze zwischen zwei verschiedenartigen Gesteinen, z. B. bei i in Fig. 1, finden, ein Fall, welcher gar nicht selten ist, wahrkachr weil auf solchen Grenzflächen besonders eicht Spalten rissen, welche nachher zu Gängen ausgefüllt wurden. Den Durchschnitt des Erz⸗ —. mit der Gebirgsoberfläche nennt man das usgehende, das Ausstreichen, Ausbeißen, seine beiden Seiten, also die den vormaligen Spaltenwänden zunächst gelegenen Gangteile, die Salbänder. Es gibt E., welche nicht zu Tage ausgehen, indem entweder die ursprüngliche Spalte im Geein nicht bis zur Oberfläche reichte oder neuere blagerungen das den Gang enthaltende Gebirge bedeckt haben. Die Mächtigkeit (Dicke) der E. ist sehr wechselnd, nach Maßgabe der alten Spalte: manche erreichen nur die Stärke eines Papierbogens „B. die goldführenden Tellurgänge von Offenanya), manche sind 15 m, 30 m und mehr machtig. Selbstverständlich hat auch ein und derselbe Gang zufolge seiner Spaltennatur nichtallenthalben eine konstante Mächtigkeit, bald «verdrückt er sichv, bald athut er sich wieder aufo. Auch in der Länge nach dem Streichen (der horizontalen Erstreckung) walten große Verschiedenheiten ob, einige bedeutende Gänge sind in einer Ausdehnung von mehr als 15 km im ununterbrochenen Verlauf bekannt. Oft geschieht es, daß mehrere oder viele CE. ziemlich parallel nebeneinander verlaufen, sowohl in ihrer Längsrichtung als in ihrer Neigung (in ihrem Streichen und Fallen), und diese nennt man alsdann einen Gangzug. Wenn dagegen eine größere Anzahl von Gängen in einer Gegend sich nach verchiedenen Richtungen durchschneiden (wie bei k in ig. 1), so bezeichnet man den Kompler derselben als Netzgänge, auch als einen Gangstock, oder bei schmaler Ausbildung der Gänge als einen Trümerstock (z. B. die den Granit durchschwärmenden Zinnerzgänge von Geyer und Altenberg im Erzebirge). Wo irgend zwei Gänge sich in ihrem Verauf einfach durchschneiden, da bilden sie ein sog. Gangkreuz (wie z. B. mehrfach in Fig. 6 und bei K in Fig. 1), und zwar bei fast rechtwinkeligem Durch-Burch ein sog. Winkelkreuz, bei ziemlich spitzem urchschnitt ein Scharkreuz. Derartige Gangkreuze pflegen oft reichlichere oder bessere Erze zu enthalten als die einzelnen Gänge in ihrem getrennten Verlauf. Geht der eine Erzgang einfach mit seinem Körper durch den andern hindurch, so wird dies eine Durchsetzung genannt, und zwar ist in solchem Falle allemal der durchsetzende Gang jünger als der durchsetzte, weil der letztere schon als solcher existiert haben muß, bevor diejenige Spalte durch ihn indurchriß, welche dann mit dem Material des durchsetzenden Ganges erfüllt wurde (3. B. Fig. 9, wo der Schwerspatgang b durch den mit Blende und Bleiglanz massig erfüllten ältern Gang a hindurchsetzt). Sehr häufig aber ist mit einer solchen den, d. 9. die zugleich eine sog. Verwerfung verbunden, d. h. die beiden isolierten Teile des durchsetzten Ganges haben eine gegenseitige Verrückung oder Verschiebung längs der durchsetzenden Spalte erfahren, sodaß diesseit und jenseit der letztern die Stücke nicht mehr aufeinander passen (6. B. mehrfach in Fig. 6); auch hier ist natürlicherweise der verworfene Gang stets der ältere. Fig. 5 stellt einen eigentümlichen Fall von Verwerfung dar, bei dem es auf den ersten Blick den Anschein gewinnen kann, als ob gegen alle Wahrscheinlichkeit der jüngere Gang b, welcher einen ältern a sehr deutlich durchsetzt hat, dennoch von dem ältern a 0 ar zweimal verworfen sei, was nach der streng mathem. Theorie der Verwerfungen durchaus unmöglich ist. Dieser Widerspruch löst sich indessen sehr einfach durch die Voraussetzung, daß an den Wänden (Salbändern) des ältern Doppelganges a, nachdem er bereits von b durchsetzt war, nochmals Spalten aufgerissen sind, welche mit einer Verschiebung der Massen verbunden waren, ohne ausgefüllt zu werden, d. ohne wirkliche Gänge zu bilden, wie dies sehr häufig geschehen sein pflegt. Solche Spalten heißen Verwerfungsklüfte. Aber nicht alle E., welche in ihren Richtungen aufeinanderstoßen, brauchen sich zu durchsetzen, bisweilen sind ihre Massen, zum Zeugnis einer fast gleichzeitigen Ausfüllung, an den Kreuzungspunkten innig miteinander verwachsen, bisweilen schleppen oder scharen sie sich, d. h. der eine oder beide Gänge ändern ihre Richtung und laufen eine Strecke weit parallel miteinander fort. Wenn ein Gang sich in zwei zerspaltet, «gabelto oder azerschlägto, wie o in Fig. 1 oder b in Fig. 9, so wird die kleinere Abgrenzung derselben als Seitentrum bezeichnet. Die Masse des Erzganges besteht nun einerseits aus metallischen Mineralien (Erzen), daneben aus nichtmetallischen Mineralsubstanzen (der sog. Gangart, z. B. Quarz, Kalkspat, Schwerspat), und beide pflegen hier weit mannigfaltiger zu sein, als es bei den Erzlagern der Fall. Das quantitative Verhältnis beider Teile bedingt den Gegensatz von reichen und armen E. Finden sich die Erze entweder für sich oder auch nur in größerer Frequenz als begrenzte Massen in der Gangart, so bedient man sich für dieses Vorkommen der Ausdrücke reiche und edle Mittel im Gegensatz zu tauben oder leeren Mitteln, den Gangpartien, welche ganz oder fast anz aus Gangart bestehen. Gänge, welche ledigich mit Erzen ausgefüllt sind, werden wohl nur bei Eisenerzen (Eisenspat, Brauneisen) angetroffen. In den andern Fällen bilden die Erzmittel größere oder kleinere irreguläre Massen Mester in den Gangarten, oder sie erscheinen darin bloß eingewachsen und eingesprengt in kleinen rundlichen oder eckigen Partikeln, auch finden sich Erze eingesprengt in Erzen, z. B. Kupferkies in Bleiglanz. Eine interessante Zusammensetzung vieler C., unter andern des Erzgebirges und Harzes, ist die lagenförmige oder bandartige. Parallel den Begrenzungsflächen (Salbändern) des Ganges zeigen sich dünne Lagen von sehr verschiedenen Erz-und Gangarten, welche den Gang erfüllen und mit Schichtenbildungen verglichen werden können. Die lagenweise Anordnung besitzt oft eine große Regelmäßigkeit, und zwar in der Art, daß dieselben Bänder oder Schichten in einer gleichen Reihenfolge vom Hangenden zum Liegenden und vom Liegenden zum Hangenden auftreten und so dieselben Lagen zweimal im Gange vorkommen, jedoch mit Ausnahme der mittelsten Lage, die gewissermaßen für sich allein besteht; die korrespondierenden Absätze sind gleichzeitig entstanden. Fig. 3 liefert dafür ein Beispiel, in welchem die von a bis a geöffnete Spalte nach und nach von den Wandungen her durch 10 verschiedene Mineralschichten ausgefüllt wurde, die durch Buchstaben a bis 1 in ihrer chronol. Reihenfolge bezeichnet sind. Zuerst bildete sich an beiden Spaltenwänden die aus Zinkblende bestehende Lage a aus, darüber die Quarzlage b, dann eine Flußspatlage c und so fort bis 1, welches die mittelste aus Kalkspat bestehende Doppellage ist. Da diese beiderseitig angefangene Schicht den noch übrigen Spaltenraum nicht allenthalben völlig erfüllte, so blieben teilweise flache Hohlräume übrig, in welche der Kalkspat auskrystallisierte und so mittlere Drusenräume bildete. Auch die symmetrische Anordnung der Lagen ist Ine weilen unterbrochen oder gestört, indem einzelne derselben nur einseitig auftreten oder in einer falschen Stellung eingeschoben erscheinen; diese letztere Abweichung von der normalen Symmetrie kann meist dadurch erklärt werden, daß nach der ersten Ausfüllung der Spalte in dem soweit fertigen Gange aufs neue Spalten aufgerissen sind, welche der anfänglichen mehr oder weniger parallel verlaufen und erst später von Mineralsubstanzen erfüllt wurden. Auf diese Weise scheint sich z. B. der in Fig. 2 dargestellte Fall am ein10316. deuten zu lassen. ig. 8 zeigt den Durchschnitt eines sog. Doppelganges, welcher durch Ausfüllung zweier parallel neben⸗ und nacheinander aufgerissener Spalten zu erklären ist. In der durch a und b bezeichneten Spalte ist zuerst eine krystallinische Quarzlage (a) an beiden Wänden abgelagert worden und dann wurde der mittlere Raum (b) durch eine Breccie ausgefüllt, deren aus Blende und Bleiglanz bestehende Bruchstücke durch Quarz verbunden sind, welcher die einzelnen Stücke radial umstrahlt. Die Spalte zwischen a und o scheint dann später aufgerissen und durch ganz andere Materialien ausgefüllt worden zu sein. Man darf sich einen Erzgang nicht stets als eine ganz kompakte geschlossene Masse vorstellen; er ist im Gegenteil oftmals durchzogen von unregelmäßig gestalteten Höhlungen, den sog. Drusenräumen, auf deren Innenwand allerhand Krystallisationen zum Absatz gelangt sind. So stieß man im J. 1822 im Mariagang zu Joachimsthal in Böhmen auf eine große und ausgezeichnete Druse im innersten Gangraume, welche sich in Länge und Tiefe auf mehrere Klafter ausdehnte und mit schönen Rotgültigerzkrystallen, mit gediegenem Arsen, mit Kalkspat und Braunspat austapeziert war, das reine Silbererz oft 4—6 Zoll dick. Riesige Hohlräume, von deren Decke armdicke Stalaktiten von Brauneisenstein wie gewaltige Ciszapfen herabhängen, enthalten die Gänge des Hollerter Zuges bei Kirchen im Siegener Lande, mitunter von solchem Umfange, daß eine Anzahl von Personen darin Raum findet. Während der Spaltenausfüllung hineingefallene Bruchstücke des Nebengesteins sind ziemlich häufige Erscheinungen in den E.; die platten Fragmente des schieferigen Nebengesteins liegen dabei meist parallel dem Streichen und Fallen des Ganges in dessen Masse, oft mächtige Keile und Scheidewände bildend. Die fremden Gesteinsbruchstücke von eckiger oder mehr abgerundeter Gestalt sind zuweilen von konzentrischen, zugleich radialkrystallinischen Erz- und Gangarten umhüllt, förmlich lagenweise umkrustet und dann breccienartig miteinander verbunden (Sphärentextur, Kokardenerze, Ringerze, z. B. bei bin ig. 8). Fig. 4 stellt eine etwas unregelmäßig zerspaltene und von C.durchzogene Marmorfelswand des Monte-Calvi bei Campiglia marittima in Toscana dar, in welcher sich die kiesigen Erze und Gangarten (unter andern Augit) auch konzentrisch-schalig gruppiert haben, sodaß im Querbruch kreisähnliche Lagen von ungleicher Farbe und Beschaffenheit erscheinen. Fig. 6 liefert einen idealisierten Querschnitt der sehr verwickelten Gesteins- und Gangverhältnisse eines Zinnerzgebietes in Cornwall. Hier besteht die Gegend vorwiegend aus dem von den dortigen Bergleuten Killas genannten Thonschiefer (K); dieser ist zunächst lokal unterbrochen und durchsetzt von mächtigen Granitmassen (6), welche hier und da auch kleine gangförmige Ausläufer in den Thonschiefer hinein entsenden. Diese beiden Gesteine sind nun aber wieder mehrfach gangförmig durchsetzt von einer Art Quarzporphyr (P), welchen die cornischen Bergleute Elvan zu nennen pflegen. Noch später sind dann zahlreiche Spalten aufgerissen, in welchen sich Zinnerze und zum Teil auch Kupfererze zugleich mit verschiedenen andern Mineralsubstanzen ablagerten. Diese C. sind auf der Abbildung durch schwarze Linien dargestellt und es ist aus den Beziehungen dieser Linien zueinander sofort erkennbar, daß diese Spalten in verschiedenen Zeiten nacheinander aufgerissen und ausgefüllt worden sein müssen, denn sie kreuzen sich nicht nur vielfach, sondern durchsetzen und verwerfen sich auch ziemlich häufig, so namentlich bei v und e. Die kleine Partie bei 8 deutet ein Zinnseifenlager an, welches hier offenbar durch teilweise mechan. Zerstörung, Ab⸗ und Anschwemmung aus den Zinnerzgängen entstanden ist. Die verschiedenartigsten Erfahrungen liegen über die wichtige Frage vor, in welcher Tiefe (oder, wie der Bergmann sagt, Teufe) die C. ihre reichsten Anbrüche haben, und es ist überhaupt äußerst zweifelhaft, ob darüber irgend eine feste gemeinsame Regel existiert. Wenn es sich auch in vielen Gegenden herausgestellt hat, daß die Gänge in ihren obern Regionen reichere Anbrüche geliefert haben als tiefer unten (z. B. bei den Quecksilbergängen der bayr. Rheinpfalz, bei den goldhaltigen Quarzgängen am Rathausberg und dem Rauriser Tauern), so gibt es doch auch sehr viele Beispiele vom Gegenteil (unter andern Przibram in Böhmen, einige Gänge von Freiberg), und man hat die Meinung, daß edle Erzmittel in großer Tiefe nicht zu erwarten seien, gerade da aufgegeben, wo sie einst ihren Ursprung fand, im Sächsischen Erzgebirge. Während also der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 340Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6