FeedEsmarch (Johs. Friedr. Aug.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Esmarch (Johs. Friedr. Aug.), ausgezeichneter deutscher Chirurg, geb. 9. Jan. 1823 zu Tönning in der Landschaft Eiderstedt, Sohn eines Arztes, besuchte die Gymnasien zu Rendsburg und Flensburg und studierte dann seit 1843 zu Kiel und Göttingen Medizin. Nachdem er zu Kiel seit 1846 am chirurgischen Hospital als Assistent Langenbecks gewirkt, beteiligte er sich erst als Offizier, dann als Unterarzt im Turnerkorps am schlesw.⸗holstein. Kriege von 1848 und ward 9. April mit dem größten Teile desselben gefangen. Später arett im Würgt war er einige Zeit Oberarzt beim Lazarett im Bürgerverein zu Flensburg, wo er bereits Gelegenheit fand, reichliche militärchirurgische Erfahrungen zu sammeln. Bei dem Eintritt des Waffenstillstandes kehrte E. in seine frühere Stellung nach Kiel zurück. Die beiden folgenden Feldzüge machte er als Adjutant Stromeyers mit und avancierte bis zum Oberarzt (S. Aug. 1850). I8 ue hatte sich E. während des Waffenstillstandes im Herbst 1849 zu Kiel habilitiert; seine erste Vorlesung handelte über Schußwunden. Im März 1851 trat E. eine größere wissenschaftliche Reise an, die ihn nach Prag, Wien, Paris und Brüssel führte und ein ganzes Jahr in Anspruch nahm. Nach der Rückkehr ward er von der dän. Regierung zwar als Privatdocent suspendiert, doch erhielt er schon nach einem Semester die Erlaubnis zur Fortsetzung seiner akademischen Thätigkeit zurück. Im März 1854 wurde ihm nach Stromeyers Weggang die Direktion der chirurgischen Klinik übertragen, aber erst im Okt. 1857 ernannte ihn die dän. Regierung zum ord. Professor und Direktor des Hospitals zu Kiel. Die Ferien benutzte C. zu wissenschaftlichen Reisen im In⸗ und Auslande, auf denen er namentlich dem Hospitalwesen seine Aufmerksamkeit zuwandte. Während des schlesw.⸗holstein. Kriegs von 1864 machte er sich in hohem Grade um die Lazarette in Flensburg, Sundewitt und Kiel verdient. Im Juli 1866 ward E. nach Berlin berufen, um als Mitglied in die Berleüuung der Hirurgichen 2 einzutreten und die berleitung der chirurgischen Thätigkeit in den dortigen Lazaretten zu übernehmen. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs war E. in der Genesung von einer schweren Krankheit begriffen und vermochte daher nicht, sich an dem Feldzuge selbst zu beteiligen. Im Juli 1870 zum Generalarzt und konsultierenden Chirurgen der Armee ernannt, wirkte er zunächst in Kiel bei der Organisation der freiwilligen Hilfe innerhalb des schlesw.⸗ holstein. Provinzialvereins und des kieler Lokalvereins; auch widmete er den ähnlichen Bestrebungen in Hamburg seine Beihilfe. Am 3. Aug. 1870 ward er nach Berlin berufen, um die General-Lazarettdirektion bei der Einrichtung des großen Barackenlazaretts auf dem Tempelhofer Felde zu unterstützen. Erst im April 1871 konnte er seiner Thätigkeit als konsultierender Chirurg entsagen, um auf einige Zeit im Süden Erholung zu suchen und dann in seine frühere Stellung nach Kiel zurückzukehren. In erster Ehe war E. mit einer Tochter Stromeyers; in zweiter Che ist er seit 28. Febr. 1872 mit Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (geb. 2. Aug. 1833) vermählt. E. hat sich wesentliche Verdienste um das Lazarettwesen, die Kriegschirurgie und besonders die kriegschirurgische Technik erworben, auch ein sehr brauchbares Verfahren, um Gliedmaßen künstlich blutleer zu machen und somit ohne Blutverlust zu operieren, angegeben und sich neuerdings um die Einführung der Samariterschulen (s. d.) in Deutschland verdient esektionen nach Schußwundend (Kiel 1851), Beiträge zur praktischen Chirurgies (Heft 1 u. 2, Kiel 1853—60), «über chronische Gelenkentzündungen⸗ (Kiel 1866; 2. Aufl. 1867), „Verbandplatz und Feldlazarette (Berl. 1868; 2. Aufl. 1871), aliber den mypf der Humanität gegen die Schrecken des Kriegso (Kiel 1869), „Der erste Verband auf dem Schlachtfelder (Kiel 1869; 2. Aufl. 1870; mehrfach übersetzt), clüber Vorbereitung von Reservelaza1872), (Die Krankheiten des Mastdarms und Afters» (Erlangen 1873), «über künstliche Blutleere bei Operationen (Lpz. 1873), „Die erste Hilfe bei Verletzungen» (Hannov. 1875), Handbuch der kriegschirurgischen Techniks (Hannov. 1877, Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen. Ein Leitfaden für Samariterschulenr (Lpz. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 358Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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