Essex, eine der reichsten Grafschaften im Osten Englands, südlich durch die Themse und ihre Mündung von Kent, westlich durch die Lea von Middleser und Hertford, nördlich durch den Stour von Suffolk getrennt, im NW. außerdem vom County Cambridge und östlich von der Nordsee begrenzt, wird vom Roding und mehrern andern kleinen Themsezuflüssen, sowie vom Crouch, Chelmer und Colne reichlich bewässert, welche in tief eingeschnittene und gute Häfen bildende Nordseebuchten münden. Die Landschaft ist flach, an den Küsten teils sandig, teils, wie auch die Inseln Canvey, Foulneß und Mersea, aus Marschen bestehend, nur im Innern von Bodenanschwellungen unterbrochen, die im höchsten Punkte, dem Langdonhügel,‚ 177 m erreichen, äußerst fruchtbar und umfaßt 4270 qkm, wovon etwa 364230 ha auf Wiesen und Weiden kommen. Die Grafschaft zählt (1881) 575930 E., welche ausgezeichneten Weizen-, Gerste⸗, Kartoffel-, Hopfen⸗,Raps-⸗ und Gemüsebau, hauptsächlich aber Wiesenkultur, Viehzucht, Butter⸗(von Epping die beste in England) und Käsebereitung treiben, auch sich mit Woll- und Baumwollmanufaktur, Strohflechterei und Seidenfabrikation, Schiffbau und Reederei, Fischerei und Austernfang beschäftigen. Letzterer findet besonders bei Colchester, Tollesbury, Maldon, Burnham, Leigh und Brightling statt. Die Grafschaft wählt vier Abgeordnete in das Parlament, die Städte Colchester, Maldon und Harwich je zwei, und ist in 19 Hundreds und eine königl. Freiheit geteilt. Früher war Colchester (s. d.) die Hauptstadt, jetzt ist dies die Marktstadt Chelmsford (s. d.). Das alte angelsächs. Königreich E. oder Ostsachsen (Eastseaxe, Estsaxonia), um 527 von Erkenwin gegründet, umfaßte auch Hertford und Middlesex und hatte zur Hauptstadt Lundenwyk (Lundene), d. i. London. Es ward später mit Kent vereinigt, dann mit diesem von Mercia abhängig und 823 durch Egbert von Wesser unterworfen. Mit Middlesex und dem südl. Teile von Hertford ist E. seit Anfang des 12. Jahrh. Sprengel des Bistums London. Vgl. Walford, „Tourists guide to E.v (Lond. 1882).