Essex, ein alter engl. Adelstitel, der von dem 12. bis zum 16. 1e, Fih nacheinander von den Familien Mandeville, Fitzpiers, Bohun und Bourchier geführt ward. Heinrich VIII. verlieh ihn an seinen Günstling Thomas Cromwell (. d.). Nach dessen Hinrichtung 1540 wurde William Parr, Bruder der sechsten und letzten Gemahlin Heinrichs VIII., zum Grafen von E. und später zum Marquis von Northampton erhoben, starb aber 1566 ohne Nachkommenschaft. Einige Jahre darauf ward dieser Titel an die Familie Devereux übertragen, die ihren Ursprung von Robert, Sohn Walthers, Herrn von Evreux in der Normandie, einem Feldherrn Wilhelms des Eroberers, ableitet. Von ihm stammte Sir William Devereux, Sheriff der Grafschaft Hereford in den J. 1371 und 1376, dessen Urenkel Walter Devereux, Lord Ferrers von Chartley, ein Anhänger Richards III., in der Schlacht von Bosworth 1485 fiel. — Sein Sohn John vermählte sich mit der Schwester und Erbin Henry Bourchiers, Grafen von Ewe (Eu in der Normandie) und CE. Aus dieser Ehe entsprang Walter, der von Heinrich VIII. 1540 zum Viscount Hereford ernannt wurde. Er starb 27. Sept. 1558. Sein Enkel Walter ward, nachdem er den Aufstand der Grafen von Northumberland und Westmoreland unterdrückt, in Rücksicht auf seine Abkunft von den Bourchiers 1572 zum Ritter des Hosenbandordens und Grafen von E. erhoben und ging dann als Gouverneur von Ulster nach Irland, wo er aber, durch den Einfluß Leicesters in seinen Plänen gehemmt und bei der Königin verdächtigt, vor Kummer oder nach andern an Gift 22. Sept. 1576 zu Dublin starb. — Sein Sohn und Erbe war Robert Devereur, zweiter Graf von Essex (s. d.), der unglückliche Günstling der Königin Elisabeth. — Dessen einziger Sohn, Robert, geb. 1592, ward von Jakob J. in den Titel und die Güter des Vaters wieder eingesetzt und mit der berüchtigten Frances Howard, Tochter des Grafen von Suffolk, vermählt, die sich von ihm scheiden ließ, um den Günstling des Königs, Carr (s. d.), zu heiraten. Er diente 1620 im Heere des Kurfürsten von der Pfalz, kommandierte 1625 als Vizeadmiral des Königs gegen die Spanier, diente Karl IJ., der ihn zum Oberkammerherrn ernannte, 1632 in Irland, 1635 auf der Flotte im holländ.⸗span. Kriege, schloß sich aber 1642 der parlamentarischen Partei an, die ihm den Oberbefehl über ihre Truppen anvertraute. In dieser Stellung kämpfte er mit abwechselndem, zuletzt abnehmendem Glück. Bald nach seinem Rücktritt, der die Independenten an die Spitze der Regierung und der Armee brachte, starb er, 14. Sept. 1646. Da auch seine zweite, gleichfalls geschiedene Ehe kinderlos geblieben, so erlosch mit ihm der Titel eines Grafen von E. Die Peerage Hereford ging jedoch auf die Nachkommen Edward Devereur', jüngsten Sohnes des ersten Viscount, über, von welchem Robert Devereux, geb. 3. Jan. 1843, abstammt, der seinem gleichnamigen Vater 1855 als 16. Viscount Hereford folgte. Vgl. Walter Bourchier Devereux, Lives of the Earls of E.d (2 Bde., Lond. 1852). Die heutigen Grafen von E. sind die Nachkommen Sir William Capels, Alderman von London und Lordmayor 1503, der durch seine großen Reichtümer die Habsucht Heinrichs VIII. und seiner Günstlinge rege machte und von ihnen in den Tower geworfen wurde, wo er 1515 starb. Dessen Sohn, Sir Giles Capel, focht als tapferer Krieger bei den Belagerungen von Terouenne und Tournay und in der Sporenschlacht, und war der Urgroßvater von Arthur Capel, welcher, 1641 zum Lord Capel von Hadham erhoben, sich in dem Bürgerkriege, den er durch sein Votum gegen Strafford s. d.) mit entzündet hatte, als eifriger Royalist s auszeichnete und bald nach Karl I. 9. März 1649 hingerichtet wurde. — Dessen Sohn Arthur erhielt 20. April 1661 den Titel eines Grafen von C., war 1672—77 Lordlieutenant von Irland und dann erster Lord der Schatzkammer. Mit Lord t Russell (s. d.) des Rye-House-Complots angeklagt, ward er als Gefangener nach dem Tower gebracht, ö wo man ihn 13. Juli 1683 mit durchgeschnittener Kehle auffand. Er war der Urältervater von Arthur Algernon Capel, geb. 28. Jan. 1803, der seinem Oheim George 23. April 1839 als sechster Graf von E. folgte und im Oberhause zur konfervativen Partei gehört.