Esther ist der Name einer jüd. Jungfrau, nach welcher eins der hagiographischen Bücher des Alten Testaments Megillath Esther, d. i. die Rolle (das Buch) Esther genannt wird. E. (vielleicht altpers. etär, „Sterno), auch Hadassah (hebr. Myrte) genannt, war nach dem genannten Buche eine Tochter des Abihail, des Benjaminiten, und von ihrem in Susa lebenden Vetter Mardochai an Kindesstatt aufgenommen worden. Nach der Verstoßung der Vasthi (altpers. Vahisti, die Prächtige), die im dritten * seiner Regierung stattgefunden hatte, wählte Ahasveros, König von Persien und Medien, im siebenten Jahre die E. zu einer seiner Gemahlinnen. Bald nachher erhebt der König den Haman zu seinem ersten Minister: weil Mardochai sich nicht vor ihm gebeugt, läßt der Günstling den König ein Edikt unterzeichnen, nach welchem an einem durch das Los bezeichneten Tage, den 14. Adar des 12. Jahres, alle Juden des ganzen Reichs umgebracht werden sollen. E., trotzend dem 0 Ven das jeden mit dem Tode bedroht, der sich dem Könige ohne Erlaubnis naht, wird von diesem in Gnaden angenommen, entlarvt den Verleumder bei einem Gastmahle und läßt den Haman an einen Galgen hängen, den er selbst — Mardochai errichtet. Mardochai, der schon früher eine Verschwörung gegen das Leben des Königs vereitelt hatte, wird zu den höchsten Ehren erhoben: das Ausrottungsedikt wird zurückenommen, und die Juden rächen sich an ihren einden durch ein furchtbares Blutbad. Zum Andenken an diese wunderbare Errettung feiern die Purin an dem 14. und 15. Adar das Fest der Lose oder Purim (von einem altpers. Worte pur, Los). Schon im Altertum war man über die Persönlichkeit des Königs nicht einig: Nosylt 10 und nach ihm Prideaux und Petavius, hielt ihn für Artaxerxes I., Eusebius für Artaxerxes II. Als Artaxerxes überhaupt nahmen ihn die chaldäischen Ubertragungen und Paraphrasen (Targumim), die fonchzent Ausschmückungen in den Text einschoben; solche enthält gleichfalls die Septuaginta, die unter Artarerxes Namen Edikte, Briefe und Gebete interpoliert. Scaliger erkannte zuerst richtig in Artarerxes den Xerxes, wie die neuere altpers. Keilschriftforschung des l hat. Hiermit stimmt auch die Chronologie des Buches selbst überein, denn zwischen der Verbannung Vasthis bei dem Bankett des dritten Jahres, dessen auch Herodot erwähnt, und der Erhebung Ers im siebenten fällt die griech. Expedition; auch residierte Rerres vorzugsweise in Susa. Das Buch Esther ist wohl dasjenige des hebr. Kanon, welches seit jeher zu den größten Kon-Cgenhei Anlaß gegeben hat; es hat auch viele Eigenheiten, so namentlich diejenige, daß es das einzige Buch der Bibel ist, in welchem der Name Gottes nicht erwähnt wird. Auch hat man in demselben eine pseudographische Tendenzschrift erblickt, einige halten es für eine un e (Grätz), andere für eine antimakkabäische oder sog. hellenistische Streitschrift, noch andere verlegten das Buch in die Römerzeit. Gegen diese Modernisierung spricht aber der Umstand, daß unter den 48 Eigennamen und Ausdrücken, die sich im Buche Esther finden, nicht ein einziger aufzuweisen ist der nicht altpersisch wäre; ihr widerstreitet au die Treue, mit der die Sitten des Achämeniden-Mir geschildert sind. Auch der Umstand, daß die akkabäer den Nicanor am 13. Adar besiegten, spricht nicht für die Annahme, daß das Purimfest zum Andenken an diesen Sieg eingesetzt sei, namentlich da in dem 2. Buche der Makkabäer des Mardochäusfestes Erwähnung geschieht. Es ist wegen des Stils nicht unmöglich, daß das Bu aus einem altpers. Original übersetzt ist, und si auf eine Begebenheit Din ber die sich 474 v. Chr. zugetragen und späterhin ½ übertrieben und ausgeschmückt wurde. Von Verleumdungen Vuch die Juden unter Xerxes spricht schon das uch Esra (4, 6). Luther beurteilte das Buch verächtlich, namentlich wegen des Schweigens über Gott und Gebet; Semler und Eichhorn erhoben sich mit heute nicht mehr stichhaltigen Gründen gegen seine Geschichtlichkeit; für diese traten Männer ein wie Vatable, Lee, Heeren, Baumgarten (De fide libri Estherain), Hövernick, Keil, Stähelin u. a. über den spezifisch altpers. Charakter der Namen vgl. Oppert, «Commentaire historique et philologique de livre d'Esther d'après la lecture des inscriptions perseso (Par. 1864). Den Charakter einer hellenistisch-antimakkabäischen Tendenzschrift at mit mehr Scharfsinn als Glück versucht J. S. loch, «Hellenistische Bestandteile im biblischen Schrifttumo (Wien 1882).