Etamin, Estamin, Stamin, Tamis oder Damis (vom 1⁰ étamine, das zugleich Flaggentuch und Beutel- oder Siebtuch bedeutet, aus dem lat. stamen (das griech. τπννμαν, Kette, Zettel oder Aufzug eines Gewebes, dann auch Faden und Gewebe überhaupt und speziell Inful), ein dünnes, glattes, stark gepreßtes, sehr glänzendes wollenes Kleiderfutterzeug in allen Farben. Früher stellte man es auch aus Seide, sowie aus mit Wolle gemischter Seide her, und es war sehr beliebt zu Priestergewändern, Manns⸗ und Frauenkleidern, Hals- und Leibbinden, Gürteln u. s. w.; gegenwärtig fertigt man es nur noch aus reiner Wolle an. Nur eine kleine Anzahl der entsprechenden wollenen Stoffe hat den Namen E. behalten, mit welchem man früher eine Klasse glatter Gewebe bezeichnete, denen eine ziemlich gezwirnte Kette und ein etwas gewundener Einschlag eigentümlich, deren Fabrikation sehr alten Ursprungs und noch gegenwärtig so wichtig wie ehemals ist, während die Namenbezeichnungen mehrerer Sorten geändert worden sind. Lange Zeit hindurch wurde der in Rede stehende Artikel in mehrern Manufakturbezirken Frankreichs, Englands, der Niederlande und Deutschlands fabriziert, jetzt geschieht das nur noch in Rheims und Nogent-le-Rotrou. In Deutschland findet er nur noch in einigen Gegenden Absatz, da alle glänzenden wollenen Futterstoffe durch die neuern Sergen, Kamelotts u. s. w. verdrängt worden sind.