FeedEttmüller (Ernst Mor. Ludw.)
ReligionBrockhaus 1882

Ettmüller (Ernst Mor. Ludw.), namhafter Germanist, geb. 5. Okt. 1802 zu Gersdorf bei Löbau in der sächs. Oberlausitz, wo sein Vater Prediger war, erhielt seine erste Bildung im elterlichen Hause, besuchte dann seit 1816 das Gymnasium zu Zittau und studierte 1823 — 26 zu Leipzig erst Medizin, dann aber deutsche Sprachwissenschaft und Geschichte. Nachdem er Hen l eine Zeit lang teils auf Reisen, teils bei seinen Eltern verlebt, begab er sich 1828 nach Jena, wo er an den damaligen Bestrebungen der Studierenden lebhaften Anteil nahm. Hier habilitierte er sich auch 1830 und hielt Vorlesungen über mittelhochdeutsche Dichter. Im J. 1833 folgte er einem Rufe als Professor der deutschen Sprache und Litteratur an das Gymnasium zu Zürich, wo er daneben auch bis 1843 noch an der Hochschule thätig war; 1863 trat er ganz an diese über, seine Stelle am Gymnasium Er starb 15. April 1877 in Unterstraß bei Zürich. Ers litterarische Thätigkeit erstreckt sich namentlich auf die Herausgabe hdenbanller er und älterer niederdeutscher Sprachdenkmäler. Zu erstern ge⸗ (Fr. die Ausgaben von Sant Oswaldes Leben Zür. 1835), Ortnides mervart unde tôto Gur. 1838), Hadloubes Lieder und Sprüchen (Zür 1840), „Heinrichs von Meissen des Fraulobes Leiche, Sprüche, Streitgedichte und Liedero (Quedlinb. 1843), Frowen Helchen Süne Fu: 1846), Heinrich von Veldeckes (Lpz. 1852) u. s. w In den «Gudrunliedern» (Zür. 1841) versuchte E., die von Lachmann bei der Kritik des Nibelungenliedes angewendete Methode auch auf das Epos von Gudrun zu übertragen. Von niederdeutschen Dichtungen gab er den Theophiluso (Quedlinb. 1849), Dat spil van der upstandinger (Quedlinb. 1850) und „Wizläwes IV., des Fürsten von Rügen, Lieder und Sprüche (Quedlinb. 1852) heraus. Schätzenswert ist sein Lexicon Anglosaxonicumv (Quedlinb. 1851), welchem eine angelsächs. Chrestomathie (Engla and Seaxna scôpas and böceraso, Quedlinb. 1850) voranging. Auf dem Gebiete der uu der Barb Litteratur hatte sich E. schon früher in der Bearbeitung der Völuspay (Lpz. 1831), so- wie der Übersetzung der «Lieder der Edda von den Nibelungeno (Zür. 1837) versucht. Später (Zür. 1861) veröffentlichte er ein altnordisches Lesebuch nebst Grammatik und Wörterbuch. Seine Übersetzung der Eddalieder ist, sowie die des cBeowulfo Forn 1840), in allitterierender Form gehalten, eine sorm, welche E. auch in zwei selbständigen Gedichten, «Deutsche Stammköniges (Zür. 1844) und „Das Der heil Goarn Zahnweh, oder Karl d. Gr. und der heil. Goar» (Zür. 1852), wieder zu beleben sich bemühte. In einem andern Gedicht, «Kaiser Karl d. Gr. und das fränk. Jungfrauenheero (2. Aufl., Zür. 1847), suchte er Romantisches in humoristi-Werl Gewande darzustellen. In dem litterarhistor. erke Herbstabende und Winternächte. Gespräche über deutsche Dichtungen und Dichter» (3 Bde., Stuttg. 1865—67) behandelt er die deutsche Litteratur in zwangloser, mehr novellistischer Form.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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