FeedEttingshausen (Konstantin, Freiherr von)
AllerleiBrockhaus 1882

Ettingshausen (Konstantin, Freiherr von), ausgezeichneter Palaontolog und Botaniker, Sohn des vorigen, geb. 16. Juni 1826 zu Wien, erhielt seine Gymnasialbildung erst zu Kremsmünster, hierauf Wien und widmete sich dann auf der Universität Iener Vaterstadt mediz. Studien. Durch Endlichers Einfluß wandte er sich bald ausschließlich der Botanik und auf Haidingers Veranlassung besonders dem Studium der fossilen Pflanzenreste zu. Im J. 1850 berief ihn Haidinger an die Geologische Reichsanstalt, wo ihm die Aufgabe zuteil ward, die Lagerstätten fossiler Pflanzen in Osterreich zu untersuchen und den gewonnenen Pflanzenschatz zu bearbeiten. Während vier Jahren besuchte E. alle damals bekannten wichtigern Fundstätten der vorweltlichen Flora und veröffentlichte in den Abhandlungen der Geologischen Reichsanstaltv, sowie in den Denklaadene und den ⸗Sitzungsberichteno der wiener kademie eine Reihe größerer Arbeiten, von denen ervorzuheben sind: Die Tertiärfloren der österr. onarchier (1851), Die tertiäre Flora von Häringo (1852), „Die Steinkohlenflora von Radnitzv (1854), „Die fossile Flora von Biline (1866) und „Die fossile Flora von Sagory (1872). Neben die⸗ * phytopaläontolog. Forschungen unterzog E. das lattskelett einer genauern Untersuchung, welche durch den in der k. k. Staatsdruckerei zu Wien zu roßer Vollkommenheit gebrachten Naturselbstdruck sebr gefördert wurde. E. wurde 1854 zum Pro0 der Botanik und mediz. Naturgeschichte an die osephsakademie in Wien berufen. Später widmete er sich mit besonderer Vorliebe der Untersuchung der fossilen Flora Steiermarks und ließ sich deshalb nach Aufhebung der Josephsakademie 1870 an die Universität Gratz versetzen. Eine von ihm erdachte Methode, die petrefaktenhaltigen Geswreu ohne Anwendung des Hammers durch Frostprengung zu spalten, wobei sich dieselben dort öffnen müssen, wo die Einschlüsse liegen, lieferte ihm ein so reiches Material der Untersuchung, daß er die Abstammung vieler Arten entdecken und in seiner Schrift „Beiträge zur Erforschung der Phylogenie der Pflanzenarteno (7 Hefte, Wien 1877—80) zur Descendenztheorie thatsächliche Belege bringen konnte. In den J. 187880 wurde er vom Britischen Museum in London zur Untersuchung der reichen daselbst aufbewahrten Sammlungen fossiler Pflanzen berufen, wozu ihm das österr. Unterrichtsministerium Urlaub erteilte, und im J. 1881 erhielt er von der Geologischen Gesellschaft in London einen Ehrenpreis für seine Leistungen im Fache der Phyto-Paläontologie. Von den selbständigen Werken E.s sind anzuführen: Photographisches Album der Flora Österreichss (Wien 1864, mit 173 photogr. Tafeln), «Die Blattskelette der Dikotyledonen v (Wien 1861, mit 95 Tafeln in Naturselbstdruch), „Die Farnkräuter der Jetztwelto (Wien 1865, mit 180 Tafeln in Naturselbstdruck), Physiographie der Medizinalpflanzen (Wien 1862) und im Verein mit Pokorny Thysiotypia Plautarum Austriacarum. Die Gefäßpflanzen Osterreichs in Naturselbstdrucko (2Bde. Text, 10 Bde. Kupfertafeln, Wien 1856—73). Ettlingen, gewerbreiche Stadt und Hauptort eines Amisbezirks im bad. Kreise Karlsruhe, Landgerichtsbezirk Karlsruhe, 7 km südlich von letzterer Stadt, am Eingang des romantischen iand der Alb, auf drei Seiten von hier aus Buntsandstein mit angelagertem Mergel bestehenden nordwestl. Ausläufern des Schwarzwaldes umgeben, an der links zum Rhein gehenden Alb, in 122 m Höhe über dem Meere und an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn gelegen, ist noch zum Teil mit alten Mauern umgeben, Sitz eines Amtsgerichts, eines Bezirksamts, dreier Tehraraphte, ein hat ein Postamt zweiter Klasse mit Te Varder⸗ ein kath. Schullehrerseminar, eine höhere Bürger⸗ und Töchterschule, Gewerbeschule, sowie eine königl. Unteroffizierschule im Schloß), einen Vorschuß- und Sparverein und zählt (1880) 5608 E., darunter 4415 Katholiken, 1125 Evangelische und 55 Juden. Die merkwürdigsten Gebäude sind: das alte fürstl. Schloß mit großem Garten auf dem Grunde eines röm. Kastells, das 1689 von den Franzosen niedergebrannt, im Anfange des 18. Jahrh. neu gebaut wurde, die im Brande von 1689 zum Teil erhaltene und gleichzeitig mit dem Schlosse wieder ausgebaute Pfarrkirche, die prot. Kirche, das Rathaus und das neuerbaute prachtvolle Knabenschulhaus, vor welchem ein schönes Kriegerdenkmal steht. Die Bevölkerung betreibt Krapp⸗, Feld⸗„ Tabaks⸗, Obst⸗ und Weinbau, verbunden mit Viehzucht, und unterhält zwei Maschinenpapierfabriken, eine Aktien-Baumwollspinnerei und Weberei mit etwa 1200 Arbeitern und 30000 Spindeln, Samtfabrik, Bleich⸗ und Appreturfabrik, eine Pergamentpapierfabrik, eine Färberei, fünf Ol⸗ und vier Sägemühlen, eine Schleifmühle, zwei Essigfabriken und vier Kunstmühlen. Iuteref und Viehmärkte werden hier abgehalten. nteressante röm. Altertümer werden in und um E. Bon 122 doch wird der Ort erst 1111 erwähnt. Von 1227 bis 1234 war E. eine Reichsstadt, worauf Kaiser Cie win II. sie dem Markgrafen von Baden schenkte. Sie wurde 1644 von den Weimaranern unter Taupadel erobert. Im Spanischen Erbfolgekriege ward von E. bis ge Rheinufer die Ettlinger Linie gezogen, welche im Kriege wegen Polen 1734 der franz. Marschall Berwickforcierte. Bei CE. besiegte 9. und 10. Juli 1796 Moreau den Erzherzog Karl.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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