FeedEuböa
ErdkundeBrockhaus 1882

Euböa (grch. Euboia, jetzt Evvia gesprochen), die größte Insel des Königreichs Griechenland, im Agäischen Meere, vom südl. Thessalien im N. durch den Kanal von Trikeri, von den Landschaften Lokris, Böotien und Attika im W. durch einen schmalen Meeresarm getrennt, dessen engste, nicht mehr als 80 mbreite Stelle, der durch seine unregelmäßigen Strömungen bekannte Euripos (etzt Egripo, mit welchem Namen auch die Insel selbst im Volksmunde bezeichnet wird und aus welchem durch Korruption der ital. Name Negroponte entstanden ist), seit 410 v. Chr. überbrückt ist, hat, der Festlandsküste von Mittelgriechenland parallel in südöstl. Richtung hingestreckt, eine Länge von 160 km bei einer durchschnittlichen Breite von 22 (nur stellenweise 52) Em, und für sich allein ein Areal von 3665 qkm. Die Insel ist fast durchweg gebirgig. In der Streichungslinie des thessal. Außengebirges (Ossa und Pelion) und der östl. Reihe der Cykladen (Andros, Tenos, Mykonos) ist sie von einer Gebirgskette durchzogen, die mehrfach, besonders gegen SO., in steilen Felswänden gegen das Meer abfällt und in der sich drei Gebirgsstöcke unterscheiden lassen, nach welchen die Insel selbst in Nord⸗, Mittel⸗ und Süd-E. sich teilt. Im N. erhebt sich das Galzadesgebirge mit seinem östl. Rebengebirge, dem Keron-Oros (bei den Alten Telethrion) 980 m, weiter südlich der Kandili (bei den Alten Makistos) bis zu 1200 m. In der mittlern Gruppe steigt der Delphis (bei den Alten Dirphys) 1745 m und in der südlichen der Ocha (jetzt St. Eliasberg) 1404 m hoch empor. In der mittlern bildet Thonschiefer, in den beiden andern Glimmerschiefer die höchsten Spitzen, während das Gebirge im ganzen als Kalksteingebirge erscheint. Dazwischen finden sich ausgedehnte Schichten von Marmor, wie namentlich der blaugraue Marmor des Ochagebirges bei Karystos bei den Alten berühmt war; bei Kumi, an der Ostküste des mittlern Teils, ein Braunkohlenflöz; im N. bei Adepsos heilkräftige heiße, schwefelhaltige Quellen. Vortreffliche Weiden und dichte Waldungen, namentlich von Weißtannen, bedecken die Seiten der Gebirge des nördlichern Teils der santer in der Nähe findet man ausgedehnte Katanienwaldungen, während die Berge im S. fast 995 kahl sind. Das Klima ist sehr gesund, der oden in den Thälern gut bewässert und überaus fruchtbar. Die Hauptprodukte sind Baumwolle, Ol, Wein, Weizen, Obst und Citronen, Seide und Honig. Die Bewohner der Insel waren in der ältesten Zeit im N. die thessal. Hestiäer, in der Mitte die Abanten und Kureten, im S. die Dryoper; dann wurde sie, besonders in der Mitte und im N., von Attika aus ionisiert und die Bevölkerung durchaus zum ion. Stamme gerechnet. Ursprünglich von Königen beherrscht, nahm sie frühzeitig republikanische Verfassung an. Die einzelnen Städte wurden selbständig und gelangten zum Teil zu bedeutender Blüte, wie namentlich die beiden in der Mitte der Insel, Chalkis und Eretria. Durch Perikles wurde 446 v. Chr. die ganze Insel den Athenern wirksam unterworfen. In der letzten Zeit des Peloponnesischen Kriegs schloß sie sich seit 411 den Spartiaten und Bödtern an und kam später durch Philipp in die Gewalt der Macedonier, die besonders die Festung Chalkis als wichtige Zwingburg gegen das mittlere Griechenland benutzten. Nach dem Sturze der macedon. Herrschaft durch die Römer wurde sie erst der Provinz Macedonien, seit 27 v. Chr. der Provinz Achaja verbunden. Später ein Bestandteil des Byzantinischen Reichs (seit dem 7. Jahrh. zum Thema Hellas gehörig), wurde sie bei dessen Zertrümmerung seit 1205 durch lombard. Große (die sog. Terzieri oder Dreiherren) beherrscht und zerfiel damals in die drei Baronien Oreos, Negroponte und Carystus; indessen schon seit 1211 gewann die Republik Venedig hier ein beherrschendes Ansehen. Allmählich immer weiter vorschreitend, erlangten die Venetianer endlich 1390 thatsächlich den unmittelbaren Besitz der ganzen Insel, welche in der venetianischen Zeit stets unter dem Namen Negroponte erscheint. Sie blieb in ihrer Hand, bis sie 1470 von den Osmanen erobert wurde, unter deren Herrschaft sie bis zum Ende des griech. Befreiungskriegs verblieb. Seit der Begründung des Königreichs Hellas bildet sie mit den Inseln Skyros, Skiathos, Skopelos und Halonesos einen besondern Kreis (Nomos) von 4199 qkm, der 1879 eine Bevölkerung von 95 136 Seelen zählte. Derselbe zerfällt in vier Bezirke (Eparchien): Chalkis, Xerochori, Karystia und Skopelos. Die Hauptstadt des Kreises und Sitz des Kreisdirektors (Nomarchen) ist die an der Stelle der gleichnamigen alten Stadt am Euripos gelegene Stadt Chalkis. Vgl. Baumeister, Topogr. Skizze der Insel Euboiap (Lübeck 1864); Bursian, Geographie von Griechenlando (Bd. 2, Lpz. 1873). ö ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 409Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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