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ErdkundeBrockhaus 1882

Messenien, die südwestlichste Landschaft des Peloponnes, wird im O. durch das Gebirge Taygeton von Lakonien, im N. durch die südwestl. Verzweigungen des Lykäon (die jetzt Tetrasi und St. Elias genannten Bergzüge) und die tief eingeschnittene Schlucht, in welcher die Neda fließt, von Arkadien und Elis getrennt, im W. und im S. vom Jonischen Meere bespült, das von S. her tief in das Land eindringt und so den Messenischen Meerbusen (jetzt gewöhnlich Golf von Koron genannt) bildet. In der Mitte der Landschaft erhebt sich steil der Berg Ithome (jetzt Vurkano), seit den ältesten Zeiten der religiöse Mittelpunkt des Landes, an den gegen W. ein breites Bergland sich anschließt, Agaleon genannt (jetzt Kontobunia), das terrassenförmig nach der Küste abfällt. Ein ähnliches Gebirge, von den Alten Mathia oder Emathia, jetzt Lykodimo genannt, tritt südlich davon ins Meer vor und bildet so eine besondere Halbinsel, die gegen S. im Kap Akritas (jetzt Gallo) endet; vor demselben liegt die kleine Insel Theganusa (jetzt Venetiko), westlich von dieser zwei größere, die Bnussä der Alten, jetzt Cabrera und Sapienza genannt. Auch vor der Westküste liegen zwei kleine Inseln: Sphakteria, welche wie eine natürliche Barre den Eingang des Hafens von Pylos (jetzt Navarin) schützt, und weiter gegen Norden Prote (jetzt Prodano). Im Innern der Landschaft zieht sich zwischen den westl. Abhängen des Taygeton und den den westl. Teil des Landes einnehmenden Gebirgen vom südl. Fuße der Grenzgebirge Arkadiens bis zum Nordgestade des Messenischen Meerbusens eine vom Pamisos und seinen Nebenflüssen bewässerte, äußerst fruchtbare Ebene hin, deren nördl. Teil, bis zum östl. Fuße des Ithome, nach einer alten Ortschaft die Ebene von Stenyklaros, der südl. Makaria (edie gesegneter) genannt wurde. Getreide, Wein und Südfrüchte sind die Hauptprodukte der Ebene wie überhaupt der ganzen Landschaft. Diese wurde in den ältesten Zeiten von Lelegern und Achäern bewohnt und bildete zum Teil ein Staatsgebiet mit der Hauptstadt Pylos, als dessen Herrscher in der Homerischen Dichtung Nestor (s. d.) erscheint. Infolge des Eindringens der Dorier in den Peloponnes wurde M. einer der neuern Hauptstaaten der Herakliden; aber die dor. Eroberer verloren allmählich ihren kriegerischen Charakter und wurden zu friedlichen Ackerbauern, die sich eng an ihre nördl. Nachbarn, die Bewohner des südl. Arkadien, anschlossen, während sie mit ihren östl. Nachbarn, den ebenfalls dor. Spartanern, öfters Grenzstreitigkeiten und ähnliche Zwistigkeiten hatten. Diese gaben endlich Veranlassung zu den sog. Messenischen Kriegen, deren Einzelheiten allerdings vielfach in das Gewand der Sage gehüllt, auch bereits frühzeitig Gegenstand dichterischer Behandlung und Ausschmückung geworden sind. Der erste derselben, ungefähr in die J. 735716 v. Chr. gehörig, endete mit der libergabe der Bergfestung Ithome, in welche die Messenier nach zwei unentschiedenen Schlachten sich zurückgezogen und sich 14 J. lang verteidigt hatten, an die Spartaner, welche infolge dessen die Landschaft in Besitz nahmen und die Bevölkerung zu Heloten herabdrückten. Diese harte Fremdherrschaft veranlaßte nun 645 v. Chr. den zweiten Krieg, dessen Hauptheld auf seiten der Messenier Aristomenes, auf seiten der Spartaner der Dichter Tyrtäos ist. Der Kampf bewegte sich diesmal zuletzt um die hart an der Grenze Arkadiens gelegene Bergfestung Eira und endete 631 v. Chr. mit der Eroberung derselben durch die Spartaner. Von den Messeniern wanderte ein Teil nach Sicilien aus, während die Zurückgebliebenen wieder zu Heloten gemacht wurden. So war M. aus der Reihe der selbständigen griech. Staaten gestrichen und blieb, da auch ein späterer Versuch der eingeborenen Bevölkerung, ihre Unabhängigkeit wiederzugewinnen (der sog. dritte Messenische Krieg, 464 455 v. Chr., der wieder um Ithome sich drehte), unglücklich ausfiel, eine Provinz Spartas bis zur Demütigung dieses Staats durch die Thebaner unter der Führung des Epaminondas. Dieser stellte im J. 369 M. als selbständigen Staat her und gab ihm durch die Gründung der Stadt Messene am Fuße des Ithome einen neuen Mittelpunkt und festern Halt. Doch gelangte die neue Schöpfung zu keiner selbständigen polit. Bedeutung und spielte namentlich in den letzten Kämpfen vor dem Untergang der griech. Selbständigkeit, in den Kriegen des Achäischen Bundes und Macedoniens, eine weder glänzende, noch irgendwie ehrenvolle Rolle. Gegenwärtig ist M. eine Nomarchie (Kreis) des Königreichs Griechenland mit 3341 qkm Areal und (1879) 136081 E., die teils von Getreide⸗, Wein⸗ (resp. Korinthen-⸗) und Obstbau, teils von Schiffahrt leben. Der Hauptort der Landschaft ist jetzt das an der Stelle des alten Pharä, an der Mündung des von den westl. Abhängen des Taygeton kommenden Flüßchens Nedon in den Golf von Koron gelegene Städtchen Kalamata (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 648Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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