Euhemeérus (grch. Euemeros), wahrscheinlich aus Messene im Peloponnes, nach gewöhnlicher, aber unbewiesener Annahme ein Philosoph der cyrenaischen Schule und Schüler des Atheisten Theodoros, lebte am Hofe des macedon. Königs Kassander und unternahm es, die griech. Göttersagen in eine pragmatisierende Geschichte menschlicher Könige, Helden und Abenteurer zu verwandeln. Wenn ihm darin auch schon manche in einzelnen Umdeutungen vorausgegangen waren, so hat CE. doch zuerst die gesamte Mythologie dieser radikalen rationalistischen Umgestaltung unterworfen. Um seinem Werke leichtern und raschern Eingang zu verschaffen, schrieb er dazu eine Einleitung, in welcher er in der Weise der damaligen phantastischen Reisebeschreibungen (s. Erotiker) von einer Reise in das Indische Meer erzählte. Dort wollte er auf einer mit idealen Zügen geschilderten Insel auf einer goldenen Säule eine Inschrift gefunden semer auf der angeblich der wesentliche Inhalt seiner Göttergeschichte verzeichnet stand. Er wollte zeigen, daß die von den Griechen als Götter verehrten Wesen ausgezeichnete Menschen gewesen seien. Diese Art, die alten Mythen zu erklären (Euhemerismus), fand, da sie in der Richtung der Zeit lag, vielen Beifall, und sein Werk, dem er von jener Inschrift den Namen ILepa Vννανονννν, die Heilige Urkunder, gab, war, wie es scheint, sehr verbreitet, da spätere Schriftsteller, wie Diodor, dasselbe vielfach benutzten. Besonders thaten dies ebenfalls die behenwier⸗ um damit den alten Götterglauben zu bekämpfen. Die Fragmente dieses Werks sind gesammelt von Wesseling in seiner Ausgabe des Diodor von Sicilien üme 2, Amsterd. 1747). Vgl. Krahner, Grundinien zur Geschichte des Verfalls der röm. Staatsreligione (Halle 1837); Ganß, Quaestiones Euhe-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. mereaes (Kempen 1860); Sieroka, »De Euhemeros (Königsb. 1869) und Block, Euhémère, son livre et sa doctrines (Mons 1876). Von der poetischen Bearbeitung des Werks von E. in lat. Sprache durch Ennius (s. d.) sind namentlich durch Lactantius (s. d.) Reste in den Fragmenten einer spätern prosaischen üÜberarbeitung erhalten.