Epimenides, im 6. Jahrh. v. Chr. auf der znsel Kreta wohl in Phästos geboren und in Knossos hohnend, wird in den Sagen und Märchen, mit enen sein Leben von den Griechen früh ausgechmückt worden ist, als ein Vertrauter der Götter ind als Seher geschildert. Daß E. nicht etwa als in Mann auftrat, der in ruhmrediger Weise sich ein Bissen beilegte, das er nicht besaß, ergibt sich aus em Zeugnis des Aristoteles, wonach er nicht vorussagte, was kommen — eutete, das dunkel jeblieben war. Es wird derichtet, daß er kosnogonische Lehren aufzjestellt hat. Weit bedeutsamer war seine Thätigkeit als Ratjeber in religiösen Anzelegenheiten. Als die (thener einst, von der Best heimgesucht, nach dem Ausspruche des Drakels den Zorn der Hötter zu sühnen suchen, den sie sich durch die seit Niederwerfung des Kylonischen Auftandes auf ihnen latende Blutschuld zuzezogen hatten, berieen sie (596 v. Chr.) auf Solons Rat den durch seine Weisheit und To Frömmigkeit berühm⸗ 9 ten E. zu sich, der die Stadt mit religiösen Gebräuhen entsühnte und manche heilsame Einrichtungen traf. Bei seinem Fortgange nahm er zum Lohne nichts als einen Zweig von dem der Athene (Minerva) geweihten Slbaume. Von ihm ging auch die Sage, daß er als Jüngling in einer Höhle von einem Schlafe überfallen worden sei, der 57 Jahre gedauert. Diese Sage liegt Goethes Dichtung Des E. Erwachend, zur Feier der Befreiung Deutschlands durch die Besiegung Napoleons, zum Grunde. C starb in seinem Vaterlande in hohem Alter. Vgl. Heinrich, «E. aus Kretay (Lpz. 1801) und Schulteß, De Epimenide Creter (Bonn 1877). 8