FeedEulenberg (Hermann)
HeilkundeBrockhaus 1882

Eulenberg (Hermann), namhafter Mediziner, geb. 20. Juli 1814 zu Mülheim a. Rh., erhielt seinen Schulunterricht zu Mülheim, Neuwied und Dortmund, studierte von 1832 bis 1834 zu Bonn Medizin und siedelte dann nach Berlin über, wo er ö unter Schwanns Leitung seine Dissertation De tela elasticap als erste Ausgarbeiten che Arbeit über das elastische Gewebe ausarbeitete und veröffent. lichte. Nach einer längern Reise durch Deutschland, Holland, Frankreich und England ließ er sich als praktischer Arzt in Lennep nieder, wurde aber 1846 als Kreisphysikus nach Bonn versetzt und habilitierte sich daselbst als Privatdocent für gerichtliche Medizin und Arzneimittellehre. Im J. 1850 wurde er Medizinalrat des Medizinalkollegiums und Kreisphysikus zu Koblenz, begründete hier mit Erlenmeyer in Bendorf das 4Korrespondenzblatt der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und gerichtliche Medizino und beschäftigte sich eingehend mit der endemischen Verbreitung des Kropfes und Kretinismus in dem Kreise Koblenz, worüber er mit Marfels „Beiträge zur pathol. Anatomie des Kretinismuso (Wetzlar 1857) veröffentlichte. Im J. 1860 wurde E. als Regierungs⸗ und Medizinalrat nach Köln versetzt und bearbeitete hier seine Lehre von den schädlichen und giftigen Gasen (Braunschw. 1865). Im J. 1870 als Geh. Medizinalrat und vortragender Rat in das Kultusministerium berufen, wurde er 1871 Mitglied der wissenschaftlichen Deputation und 1874 Geh. Obermedizinalrat. Außer zahlreichen in Fachzeitschriften veröffentlichten Abhandlungen aus den Gebieten der gerichtlichen Medizin und Sanitätspolizei veröffentlichte E.: Das Medizinalwesen in Preußeno (Berl. 1874); ein Handbuch der Gewerbehygienes (Berl. 1876), und im Verein mit 2 männern ein „Handbuch des öffentlichen Gesundheitswesenso (2 Bde., Berl. 1881—82); auch redigiert er die von Caspar begründete Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen », in welchem er wiederholt Gutachten der wissenschaft. lichen Deputation veröffentlichte. „Eulenburg, preuß. Grafenfamilie, die namentlich in den Provinzen Preußen und Brandenburg großen Grundbesitz hat und ihren Ursprung von den dynastischen Burggrafen von Wettin ableitet, von denen ein Zweig um 1170 Schloß, Stadt und i Eilenburg erwarb. Während sich eine inie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. in Böhmen seßhaft machte, aber schon 1538 im Mannsstamme erlosch, fand die erste Ansiedelung des Geschlechts im deutschen Ordenslande Preußen erst voru +. 30 Anfang des 15. Jahrh., dauernd aber nach der Beendigung des Bundeskriegs (1454 —66) statt, in welchem mehrere aus dem Hause Sonnenwalde stammende wiete 2d an der Spitze 9 wen 6 Kriegsscharen sich viele Verdienste um den rden erworben hatten. Die dien Stammlinie, sowie die erloschene böhm. und die blühende preuß. Linie haben mehrere im Kriege und Frieden ausgezeichnete Männer hervorgebracht. end zu E. war 1411 Statthalter und Hauptmann der Mark Brandenburg für König Sigismund und demnächst für Friedrich I. von Hohenzollern; Botho zu E. 1430 Burggraf von Elbogen; Botho zu E. auf Sonnenwalde 1450 — 53 und 1467 — 69 Landvogt und Verweser der Niederlausitz und trug als Abgesandter 1468 dem Iüunge Friedrich von Brandenburg die böhm. Königskrone an; Wilhelm IJ. zu E. 1469 Unterkämmerer des Königreichs Böhmen; Wilhelm II. zu E. 1519 Landvogt der Oberlausitz und Hauptmann des Leitmeritzischen Kreises. Wie in Böhmen zu den Baronen, so gehörte auch im Ordenslande und später im Herzogtum Preußen die Familie, welche dort mit Wend zu E., dem Sohne des Landvogts der Lausitz Botho zu E. auf Sonnenwalde, 1468 auf Gallingen u. s. w. seßhaft geworden war, dauernd dem Herrenstande an. Zu erwähnen sind hier: der Oberburggraf und Landhofmeister Gottfried zu E. auf Gallingen (1656); Brandt Kasimir zu E. auf Prassen, General, Gesandter des Großen Kurfürsten am moskowitischen Hofe (1656); sborf a Heinrich zu E. auf Gallingen und Tolksdorf a. Orlau, Oberappellationsgerichts-Vizepräsident, auch Rektor der Universität zu Frankfurt a. O. (1670); Gottfried zu E. auf Prassen und Gallingen, Geh. Etats⸗ und Kriegsminister und Obermarschall (1728). Des letztern Enkel, Ernst Christoph, n ud wis zu E., Herr der prassischen, gallingischen und wickenschen Güter, wurde von König Friedrich Wilhelm II. 19. Sept. 1786 mit seiner ganzen Descendenz in den preuß. Grafenstand erhoben und ist der Stammvater aller jetzt lebenden E. Von seinen fünf Söhnen begründeten Botho Wilhelm auf Leuneburg-Prassen, Wenzel Heinrich auf Wicken Alexander Ernst auf Gallingen und Friedri Leopold auf Perkuiken die noch jetzt blühenden vier Zweige des gräfl. Hauses zu E. Die Häupter derselben sind zur Zeit: 1) f Prasse geb. 12. Jan. 1838, Majoratsherr auf Prassen-Leuneburg; 2) Botho von Eulenburg (s. d.), geb. 31. Juli 1831, preuß. Staatsminister a. D. und Oberpräsident von Hessen-Nassau; 3) Arthur, geb. 14. Jan. 1853, Besitzer der oril 1820, Lehn-Ramm 4) Philipp, geb. 24. April 1820, preuß. ammerherr und Stiftshauptmann von Zehdenick, Mitglied des Herrenhauses. Außerdem sind Botho Heinrich und Friedrich Albrecht, Graf zu Eulenburg (s. d.) hervorzuheben. Botho Heinrich, geb. 27. Dez. 1804, war während des Waffenstillstandes in dem Kriege der Schleswig-Holsteiner mit Dänemark (Aug. 1849 bis Juli 1850) Mitglied der Landesverwaltung in Schleswig, 1855—58 erster Präsident des preuß. Abgeordnetenhauses, bis 1875 Landtagsmarschall in Preußen, seit 1864 Mitglied des Herrenhauses und seit 1867 auch Mitglied des Norddeutschen, resp. Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Schlochau— Flatow, 1850—75 Präsident der Regierung zu Marienwerder und seit 1875 Direktor der preuß. Staatsschuldenverwaltung. Er starb 17. April 1879. Von seinen vier Söhnen ist der älteste der bereits erwähnte Botho, der zweite, August (geb. 22. Okt. 1838), ist Ober-Ceremonienmeister, der dritte, Karl (geb. 2. Juli 1843), Rittmeister im 2. Garde-Ulanenregiment, der vierte, Wen d (geb. 19. Mai 1845), war Kammergerichtsassessor und starb 5. Dez. 1875 als Verlobter der Komtesse Marie von Bismarck, der einzigen Tochter des Fürsten Bismarck. Vgl. von Mülverstedt, «Urkundensammlung zur Geschichte und Genealogie der Grafen zu CE. (2 Bde., Magdeb. 1877—79).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 419Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6