Cohnheim (Jul. Friedr.), namhafter Patholog, eb. 20. Juli 1839 zu Demmin in Pommern, bei zuerst die höhere Bürgerschule in seiner Vatertadt, absolvierte dann das Gymnasium 90 Prenzlau und studierte seit 1856 in Berlin, Würzburg, Greifswald und Prag Medizin. Von 1862 bis 1863 fungierte er als praktischer Arzt zu Berlin, wurde unter Virchow 1864 Assistent am Pathologischen Institut des berliner Chariteekrankenhauses und 1868 als ord. Professor für allgemeine Pathologie und pathol. Anatomie nach Kiel berufen. Michaelis 1872 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Breslau über, folgte aber Ostern 1878 einem Rufe als Professor der allgemeinen Pathologie und Direktor des Pathologischen Instituts nach Leipzig. C.s wissenschaftliche Arbeiten bewegen sich im wesentlichen auf den Gebieten der normalen und pathol. Anatomie und Histologie, insbesondere der experimentellen Pathologie. Sein Hauptverdienst besteht in dem experimentellen Nachweis, daß bei jeder Entzündung (s. d.) der größte Teil der Eiterkörperchen aus den durch die Blutgefäßwandungen ausgetretenen weißen Blutkörperchen besteht, nicht, wie man bis dahin annahm, durch Zellteilung aus den Bindegewebskörperchen hervorgeht, daß sonach ohne Blutgefäße keine Entzündung denkbar ist, eine Entdeckung, welche für die gesamte Medizin eine außerordentliche Bedeutung gewonnen hat. Außer zahlreichen, zumeist in Virchows «Archiv für pathol. Anatomier veröffentlichten Journalartikeln schrieb C.: «Untersuchungen über die embolischen Prozessey (Berl. 1872), Neue Untersuchungen über die Entzündungo (Berl. 1873), Die Tuberkulose vom Standpunkte der Infektionslehrey (2. Aufl., Lpz. 1881), Worlesungen über allgemeine Pathologies (2 Bde., Berl. 1877—80; 2. Aufl. 1882).