Exploration (lat.), d. i. Ausforschung, bedeutet im mediz. Sinne die kunstgemäße Untersuchung, welche der Arzt mit dem Kranken zur gründlichen Beurteilung eines vorliegenden Krankheitsfalls vornimmt, im rendensen zu den weit weniger Sicherheit gewährenden eigenen Angaben des Kranken, der Anamnese (s. d.). Die E. ist dasjenige Geschäft, welches dem Arzte zuerst obliegt, wenn ein Kranker sich ihm anvertraut, und in vielen Huatn leicht und nach kurzer Zeit vollkommen beendigt, in andern nicht seltenen mit unendlichen Schwierigkeiten und Verzögerungen verbunden, die in der Natur des übels, im Zustande oder Charakter des Kranken und in dessen äußern Verhältnissen liegen können. Der wichtigste Teil der E. ist die sog. physikalische CE. Dieselbe geschieht durch unmittelbare Anwendung des Gefühls, Gesichts, Gehörs, Geruchs und selbst Geschmacks oder solcher Instrumente, die das Gefühl, Gesicht und Gehör unterstützen, z. B. der Sonde, der Spiegel, des Stethoskops und Plessimeters, der Bandmaße, Zirkel, chem. Reagentien, des Mikroskops u. dgl. In der Regel untersucht der Arzt bei der E. eines Kranken die verschiedenen Systeme und Organe des Körpers in einer bestimmten Reihenfolge, indem er sich zunächst von dem Aussehen, der Haltung und dem ganzen Ernährungszustand des Kranken, von der Farbe, dem Hantergnen und der sonstigen Beschaffenheit seiner Haut überzeugt und seine Körpertemperatur, wenn nötig mit dem Thermometer, prüft. Dann erst untersucht er die einzelnen Körperteile, und zwar gewöhnlich zuerst denjenigen, der entweder allein erkrankt ist oder dessen Erkrankung zunächst in das Auge fällt: Kopf mit seinen Höhlen, Hals, Brust, Bauch oder Extremitäten, woran sich dann die physik., chem. oder mikroskopische Untersuchung der Übsonderungen und Exkrete anschließt. Hat der Arzt alle diese Punkte möglichst genau und allseitig erörtert, so ist er bei dem gegenwärtigen Standpunkt der Wissenschaft in den meisten Krankheitsfällen befähigt, sich ein annähernd richtiges Bild von dem jeweiligen anatom. und physiol. Zustande aller Organe und damit des gesamten Organismus des [Kranken zu machen. Weit weniger Sicherheit als diese objektive Untersuchung gewährt die ärztliche Befragung des Kranken und seiner Angehörigen und das Studium seiner funktionellen Symptome. Die E. ist beendigt, wenn ihre Ergebnisse den Arzt berechtigen, einen sichern diagnostischen Schluß auf sie zu gründen. Doch gilt dieser natürlich nur für den gegenwärtigen Augenblick, und es muß im Verlauf einer Krankheit die E. immer wiederholt werden, um die etwaigen Veränderungen, die von selbst oder durch die Heilmittel eintreten, beständig im Auge zu behalten. (S. Auskultation, Diagnose, Perkussion.)