Diagnöse (grch.) bedeutet im all emeinen die Erkenntnis eines Gegenstandes dur Unterscheidung von andern ihm ähnlichen, daher die Sammlung der charakteristischen Merkmale einer Sache und die daraus hervorgehende Bestimmung der Gattung und Art, zu welcher dieselbe gehört. So stellt man in der Naturkunde die D. über ein Tier, eine Pflanze, ein Mineral, d. h. man faßt die allemeinen und die eigentümlichen Merkmale eines solchen Naturprodukts Alnlichkeit um durch die sich daraus ergebenden Ihnlichkeiten und Verschiedenheiten in Bezug auf egenstände derselben Art in den Stand gesetzt zu werden, die Klasse, Familie, Gattung und Art des zu untersuchenden zu bestimmen. iele wichtige Hauptwerke in der Naturgeschichte (3. B. Linnés oder Sprengels Systema vegetabiliumeo) bestehen fast nur aus einer Sammlung der D., d. h. der in Worte gefaßten Unterschiede der Naturwesen. Von besonderer Wichtigkeit ist die D. in der Heilkunde, wo sie dazu dient, eine Krankheit von andern ähnlichen Krankheiten zu unterscheiden und auf diese Unterscheidung das richtige Heilverfahren zu gründen. Sie folgt hier aus den objektiven Dhnsil. Zeicht (. d.), besonders aus den sogenannten physik. Zeichen (Auskultation, Perkussion, Thermometrie u. s. w.), aus der chem. und mikroskopischen Untersuchung der Sekrete und Säfte des Körpers, aus dem Verlauf des Übels, den vorausgegangenen Umständen, der Körperkonstitution u. s. w., und beruht auf dem durch Erfahrung sowohl als durch Schlüsse wahrscheinlich gemachten Zusammenhange zwischen diesen Umständen. Die Kunst, eine D. zu stellen und so die Krankheiten richtig zu erkennen, heißt Diagnostik; sofern sie sich zur Erkennung der Krankheiten gewisser physik. Unterlalis⸗ Smittel bedient, wird sie auch als phy sikalische Diagnostik bezeichnet. ö d. h. sie begnügt sich mit der Hervorhebung der hervorragendsten Symptome (3. B. Fieber, Husten. Schmerz, Wassersucht), ohne auf die Ursache die er Zustände weiter einzugehen, oder eine anaomische, welche die jenen Erscheinungen zu runde liegenden anatom. Veränderungen der Orzane zu erforschen sucht. Im allgemeinen hat die ymptomatische D. bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft nur noch in denjenigen Fällen eine Berechtigung, in welchen die anatomischen Stöungen der Krankheitszustände unbekannt sind, wie . B. bei Diabetes. Um zu einem diagnostischen Urteil zu gelangen, tehen dem Arzte drei Wege zu Gebote, welche freilich von ungleichem Werthe und ungleicher Sicherheit sind. Der erste Weg ist die Diagnostik in Distanz, die Erkennung der Krankheiten auf den ersten Blick. Nicht selten kann der erfahrene und geübte Arzt schon aus dem ersten Gesamteindruck eines Kranken, aus seiner Gesichtsfarbe, aus dem Ausdruck seiner Mienen, aus seiner Haltung und seiner Art zu atmen, zu sprechen und sich zu bewegen, treffende und wertvolle Schlüsse auf die Art und Entwickelung seiner Krankheit machen. Der zweite Weg, eine D. zu stellen, is die Diagnostik aus der Anamnese, d. h. aus den Mitteilungen, die der Kranke selbst über seinen Zustand macht. Da jedoch diese Schilderungen gewöhnlich nur Gesüble und subjektive Empfindungen der verschiedensten Art betreffen, so brorb sie den Arzt nur selten zu einem sichern und begründeten Urteil über die vorliegende Krankheit. Der dritte und bei weitem zuverlässigste diagnostische Weg, auf den sich ein gewissenhafter Arzt nur allein verläßt, ist die objektive Untersuchung, bei der man sich mit Hilfe aller Sinne und aller durch die moderne Medizin angegebenen Untersuchungsmittel von den Abweichungen zu überzeugen sucht, welche der erkrankte Organismus darbietet. Differentialdiagnose nennt man die Unterscheidung derjenigen rankheiten voneinander welchen gewisse e ähnliche Symptome gemeinsam sind. Oft ist es sehr schwierig, ja zuweilen, besonders im Anfange der Krankheiten, unmöglich, die richtige D. zu stellen, wo dann der Arzt darauf angewiesen ist, nur nach vorliegenden Krankheitsäußerungen zu handeln, um nicht durch eine voreilig gestellte D. zu einem unangemessenen Verfahren verleitet zu werden.