Eylau oder Eilau, Name zweier Städte in den preuß. Provinzen Ost- und Westpreußen. Deutsch-Eylau in Westpreußen, im Kreise Rosenberg des Regierungsbezirks Marienwerder, Knotenpunkt der Linie Thorn-Insterburg der Preußischen Staatsbahn (Station 2 Km vom Ort) und der Bahn Marienburg-Mlawka, 24 km im SoO. von Rosenberg, mit (1880) 4126 C. (darunter 3433 Cvangelische, 524 Katholiken und 162 Juden) und Flachs- und Leinwandmärkten, liegt an der Südspitze des Geserichsees, am Ausfluß der Eilenz aus demselben, in waldiger, anmutiger Gegend, in 105 m Höhe über dem Meere, und ist Knotenpunkt des Oberländischen Kanals oder der sog. Schiefen Cbenen, welche die Gewässer der preußischen Seenplatte mit dem über 100m tiefer liegenden Drausensee und vermittelst desselben mit Elbing verbinden undzu den merkwürdigsten Wasserbauten der neuern Zeit Wmrende E. ist Sitz eines Amtsgerichts, hat ein Warendepot der 32 Mittelseh einen Vorschuß- und Kreditverein, eine Mittelschule, ist Garnison der 4. Escadron ostpreuß. Ulanenregiments Nr. 8 und Sitz eines Landwehrbezirkskommandos (1. Bataillon 7. ostpreuß. Landwehrregiments Nr. 44) und hat Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen, franz. Mühlensteinen, Dezimalwagen und Dachpappe, zwei Dampfschneidemühlen, eine Essigfabrik, zwei Bierbrauereien, eine Käserei, Schifffahrt und Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, Holz, Spiritus und Fischen. Preußisch-Eylau, Hauptstadt eines Kreises (1231,70 Okm mit 1880] 56 446 C. [54 577 CEvangelische, 1110 Katholiken, 183 Juden, 576 Sektierer, mithin 46 E. auf 1 qkm) im ostpreuß. Regierungsbezirk Königsberg, liegt 38 Km im SSO. von Königsberg am Pasmar und an der Ostpreußischen Südbahn (Königsberg-Grajewo), in 88 m Höhe über dem Meere, zählt (1880) 3629 E. (darunter 3515 Evangelische, 36 Katholiken und 77 Juden), ist Sitz des Landratsamts, eines Amtsgerichts (Landgerichtsbezirk Bartenstein), hat ein Postamt zweiter Klasse mit Telegraphie, ein Schullehrerseminar, einen Spar⸗ und Vorschußverein, ferner eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Tuchfabrik, Möbeltischlereien und in der Umgebung eine Bierbrauerei und eine Glashütte. Der Grundstein zu einem Provinzialsiechenhaus wurde 28. Juni 1882 gelegt. Denkwürdig ist die Stadt durch die nach ihr benannte Schlacht bei Eylau am 8. Febr. 1807. Die russ. Armee unter Bennigsen hatte am 7. auf den Höhen nördlich von E. Stellung genommen zur Schlacht. Am Nachmittage des 7. drängte Napoleon die russ. Vortruppen nach der Stadt. Davoust hatte gleichzeitig die königsberger Straße erreicht, während Ney bei Orschen stand. Das preuß. Korps unter Lestocg war noch 15 km von E. entfernt. Soult bildete den linken Flügel des franz. Heers vor der während der Nacht zum 8. Febr. russischerseits geräumten Stadt E., rechts daneben stand Augereau, neben diesem die Division Saint-Hilaire, hinter beiden die Reservekavallerie unter dem Großherzog von Berg (Prinz Murat); +½ der Kirchhofshöhe hielten die Garden unter essieres als Reserve. Das franz. Heer zählte 80 000 Mann. Die Russen, 58000 Mann stark, lehnten ihren rechten Flügel unter Tutschkow an Schmoditten; ihre Mitte unter Sacken stand beiderseits der Domnauer Straße; ihr linker Flügel unter Ostermann-Tolstoy reichte bis an die Kreegeberge, an deren Fuß Serpallen liegt, welches besetzt war; zahlreiche Reserven unter Doctorow und Fürst Galizin standen hinter der Mitte. Napoleons Schlachtplan war folgender: Davoust sollte den Rücken und die linke Flanke der Russen und Saint-Hilaire deren linken Flügel angreifen, während Augereau und die Reservekavallerie durch ein Vorgehen gegen die Mitte jenen Angriff nen solen und alles gegen den rechten Flügel werfen sollten, wo Napoleon auf ein Einschreiten Neys rechnete, um eine Vernichtungsschlacht zu liefern. Doch die durch die Witterungsverhältnisse verspätete Ankunft Davousts, das Ausbleiben Neys und das Eintreffen des preuß. Korps Lestocq ließen es zu keiner taktischen Entscheidung kommen. Der franz. Angriff der Kolonnen von Soult, Saint-Hilaire und Augereau wurde durch das Feuer der russ. Artillerie abgeschlagen, worauf russ. Infanterie und die Reservekavallerie unter Galizin in der Richtung auf E. verfolgten, aber durch die franz. Reservekavallerie unter Murat aufgehalten wurden. Um Mittag erschien Davoust in der linken Flanke der Russen und nahm, von Saint-Hilaire unterstützt, Serpallen; beide drangen gegen die Kreegeberge vor, welche nach tapferm Widerstande erobert und mit 30 Geschützen besetzt wurden. Der russ. linke Flügel war geworfen. Davoust umfaßte denselben, croberte Auklappen, rechts davon das Birkenwäldchen und das Dorf Kutschitten, wodurch er die Verbindung der Russen mit Königsberg gefährdete. Es war gegen 3 Uhr: da erschien Lestocg mit dem preuß. Korps und rettete die Russen. 9 hatte ihn * dem Marsche zur Vereinigung mit Bennigsen so lebhaft angegriffen, daß nur ein Teil seines Korps, 5500 Mann, das Schlachtfeld erreichen konnte; der Rest wurde nach Kreuzburg abgedrängt. Lestocg nahm Kutschitten wieder, worauf der linke russ. Fangel Auklappen besetzte; die Kreegeberge konnten jedoch nicht genommen werden. Auch das Birkenwäldchen verteidigten die Franzosen aufs hartnäckigste, und als die Dunkelheit der Schlacht ein Ende machte, waren sie nicht vollständig aus demselben vertrieben. Auf dem andern Flügel war nur die Kanonade fortgesetzt worden. Ney war den nach Kreuzburg ausweichenden Preußen gefolgt und bät zu spät seine falsche Richtung erkannt; noch pät abends griff er, vergeblich, bei Schmoditten an. Die blutige Schlacht war unentschieden geblieben; beide Teile schrieben sich den Sieg zu. Der Verlust betrug auf jeder Seite gegen 18000 Mann. Am 16. Febr. verließ Napoleon E. und bezog hinter der Passarge Winterquartiere; die Russen aber folgten langsam wieder nach. Ein am 20. Nov. 1856 enthülltes Denkmal, ein got. Turmbau auf einer Anhöhe unweit der Stadt, erinnert an die Schlacht.