Marienwerder, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Westpreußen, sowie eines Kreises, liegt 70 km südlich von Danzig und 5 km östlich von der Weichsel malerisch und hoch an der Liebe und Kleinen Nogat, Station der Linie Thorn-Marienburg der Preußischen Staatseisenbahnen, ist Sitz der Regierung, eines Landratamts, Oberlandes⸗ und Amtsgerichts, sowie einer Reichsbanknebenstelle, hat ein Gymnasium, ein Realprogymnasium, eine Unteroffizierschule, eine höhere Bürgerschule, ein Institut für erblindete Soldaten und Soldatenwitwen und zählt (1880) 8238 meist prot. E., mit den als Vorstädte zu betrachtenden Dörfern Marienau, Marienfelde und Schäferei 12436 E. Handel und Industrie sind nicht bedeutend, doch bestehen eine Eisengießerei und Maschinenfabrik; die Umgegend treibt viel Obstbau. Das 1233 von den Deutschen Rittern gegründete, neuerdings restaurierte Schloß, früher Sitz der pomesanischen Bischöfe und des Domkapitels, jetzt des Landgerichts, hat einen langen, schmalen, auf hohen Bogen ruhenden Anbau, der jetzt als Kriminalgefängnis dient. Die 1384 vollendete, neuerdings restaurierte Domkirche hat einen 55 mehohen Turm, Glasmalereien, Mosaikarbeiten und Grabdenkmäler dreier deutscher Hochmeister und der pomesanischen Bischöfe, ist aber durch die Auffrischung alter, geschmackloser Fresken verunziert. Zwischen der Stadt und der Weichsel zieht sich die an hin, die jetzt durch großartige Wasserbauten vor den verheerenden Überschwemmungen geschützt ist. Der Regierungsbezirk Marienwerder zählt (1880) auf 17547 qkm 836717 E., worunter 393286 Evangelische, 422 034 Katholiken und 19980 Juden, und zerfällt in 14 Kreise: Deutschkrone, Flatow, Graudenz, Konitz, Kulm, Löbau, M., Rosenberg, Schlochau, Schwetz, Strasburg, Stuhm, Thorn und Tuchel. Der Kreis Marienwerder zählt (1880) auf 951 qkm 66404 meist prot. E.