Eupen (frz. Néau), Kreis⸗ und Fabrikstadt im Regierungsbezirk Aachen der preuß. Rheinprovinz, in einem schönen Thal am Zusammenfluß der Hill und Vesdre (Weser), in 256 mHöhe über dem Meere, am Fuße des Hohen Venns, dicht an der belg. Grenze, 15 km im SSW. von Aachen, an der Linie Herbesthal-E. (mit Sekundärbetrieb) der Preußischen Staatsbahn, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts, eines Katasterkontrolleurs, des Kreisphysikus, des Kreiswundarztes, des Kreistierarztes, des Kreisschulinspektors, einer Reichsbanknebenstelle, einer Oberförsterei, eines Nebenzollamts, einer Steuerkasse, eines Landwehrbezirkskommandos (2. Bataillon 1. rhein. Landwehrregiments Nr. 25), einer Bürgermeisterei, eines Gemeinde-Eichungsamts, einer Handelskammer und eines landwirtschaftlichen Lokalvereins, hat ein Postamt erster Klasse mit Telegraphie, sechs kath. und eine evang. Kirche, ein Kloster der Franziskanerinnen und eins der Rekollektinnen, ein Realprogymnasium, drei höhere Tochterschulen, eine Gewerbeschule, ein Waisenhaus, eine Versorgungsanstalt, ein Krankenhaus und eine Privatirrenanstalt und zählt (1880) 15033 E. (14496 Katholiken, 492 Evangelische, 8 Juden, 37 Andersgläubige) welche blühende Fabriken, namentlich in Tuch, Buckskin, Kasimir, Dampf⸗ und andern Maschinen unterhalten. Außerdem sind bemerkenswert die Streicharnspinnereien, Eisengießereien, Färbereien, Walereien, Handschuh-und Trikotfabriken, Seifensiedereien, Lichtefabriken, Leimsiedereien, Gerbereien, Lederfabriken, Dampf- und Wassermahlmühlen, eine Gasfabrik, eine Salmiakgeistfabrik, eine Farbholzmahlmühle, Kalk⸗ und Ziegelbrennereien, eine Wagenbauanstalt und mehrere Brauereien. Auch Kratzen, Filz, Riemen und Holzeement werden hier fabriziert. Die Erzeugnisse der hiesigen Tuch⸗ und Wollindustrie haben einen starken Absatz nach der Levante, Amerika und Schweden. Die Viehzucht, Butter⸗ und Käsebereitung ist sehr bedeutend. Die Viehmärkte haben in letzterer Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen. E. ist durch den „Haasbergo in zwei Teile geteilt, in die eigentliche Stadt, mit den Wohnungen der Fabrikanten und Handeltreibenden, und den HHaaso, mit den Fabriken und Arbeiterwohnungen. E., welches seine Industrie vorzugsweise vertriebenen franz. Protestanten verdankt, gehörte bis 1794 zum Herzogtum Limburg und stand unter österr. Herrschaft, wurde im Luneéviller Frieden (1801) auch völkerrechtlich an Frankreich abgetreten und kam 1815 an Preußen. Vgl. Rutsch, «E. und Umgegendo (Cupen 1879). — Der Kreis Eupen zählt auf 175,8 akm (1880) 25888 CE. (25 159 Katholiken, 678 Cvangelische, 10 Juden, 41 Andersgläubige), mithin 146 E. auf 1km. Der Bodenbenutzung nach sind 44/ Proz. des Areals Holzungen, 26,3 Wiesen, 19,4 Weiden und nur 5,1 Proz. Acker⸗ und Gartenland.