FeedFadenglas
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Fadenglas, auch Filigran⸗, Petinet-⸗, Spitzen⸗ oder retikuliertes Glas (frz. verre flligrané, verre réticulé; engl. filigree glass, reticulated glass), nennt man durchsichtige, ungefärbte Gläser, welche aus einer größern oder kleinern Anzahl farbiger oder undurchsichtig weißer, zu einer Masse verschmolzener Fädchen bestehend, durch die Anordnung derselben reizvolle, meist netzartige Zeichnungen bilden, weshalb sie auch 9. 4 Gläser genannt werden. (S. unter Glas. rohre (s. d.), welche das Zielen oder Visieren nach einer bestimmten Richtung ermöglicht und aus zwei sich unter einem rechten inkel schneidenden feinen Täden besteht. Das F. bezeichnet mittels seines Durchschnittspunktes einen bestimmten Punkt des Gesichtsfeldes, d. i. des mit dem Fernrohre auf einmal übersehenen Raums. Die Gerade, welche den Kreuzungspunkt des F. mit dem optischen Mittelpunkt des Objektivs verbindet, heißt Abseh⸗ oder Visierlinie; sie fällt mit der optischen Achse des Fernrohrs zusammen. Der Träger des F. ist ein Ring, welcher in das konvexe Okular des Fernrohrs derart eingeschoben wird, daß seine Ebene gegen die Längenachse des Rohrs senkrecht steht. Das F. muß sich so verschieben lassen, daß man es nebst dem vom Objektiv erzeugten Bild am deutlichsten tsehen könne, woraus folgt, daß beide in einerlei Ebene in die passendste Sehweite durch Regulierung gebracht werden müssen. Braucht man mehr als „eine Visierlinie, so wird das F. durch Fadennetze roder Fadenmikrometer (s. Mikrometer) ersetzt, bei welchen ein oder mehrere lotrechte feine äden mehrere wagerechte Fäden unter rechten Wineln kreuzen. Da die Fadenbilder durch das Okular sehr vergrößert erscheinen, so müssen die Fäden möglichst fein gewählt werden. Man bedient 2 daher meist der Spinnenfäden, hier und da au höchst feiner Platin-oder Golddrähte. Wegen der größern Haltbarkeit wurden 57• öfter von bedeutender Seite (Bahn, Tobias, Mayer, Fraunhofer) die Fadenkreuze und Netze ersetzt durch dünne Glasplättchen, auf welchen die Kreuze und Netze sehr fein und genau eingerissen sind. In neuerer versehen Breithaupt u. Sohn Gassel) ihre für Beobachtungen bestimmten Fernrohre mit s olchen auf Glas radierten Kreuzen und Netzen. Weil die 75 in der Nacht nicht mehr gesehen werden können, so eleuchtet man sie diesfalls mittels einer seitlichen Lampe, jedoch nicht zu stark, damit die zu beobachtenden Sterne oder entfernten irdischen Lichter noch wahrnehmbar bleiben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 519Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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