Fählmann (Friedr. Rob.), Sprachforscher, geb. 1. Jan. 1800 auf dem Landgute Ultern in Estland als der Sohn armer estnischer Eltern, wurde auf Kosten des Gutsherrn von ayküll-Hagewied erzogen und studierte von w1818 bis 1827 in Dorpat Medizin, beschäftigte sich aber vielfach nebenbei mit der Sprach⸗ und Sagenkunde seines Volks. Im J. 1842 zum Lektor der estnischen Sprache in Dorpat erwählt, entwickelte F. eine für die — Sprach- und Sagenkunde bedeutende Thätigkeit. Seine Arbeiten finden sich meist in den ersten Bänden der „Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesellschafte seit 1840 abgedruckt. Sein Hauptverdienst liegt in der Sammlung des großen Nationalepos der Esten, der Kaleviader oder Kalewepoegy (Sohn Kalefs), welches epische Heldengedicht nach seinem frühen in Dorpat am 9.721. April 1850 erfolgten Tode Fr. Kreutzwald weiter sammelte und von 1857 bis 1861 in Dorpat herausgab. Vgl. Kreutzwald, (Robert F.» (Dorpat 1852). ahn, s. Fen. ahndung bedeutet das Streben, einen Verbrecher, namentlich einen entlaufenen, zu entdecken, wieder einzufangen. Es gehört dies in den Geschäftskreis der polizeilichen Organe. ahne nennt man ein durch Farbe oder Bild gezeichnetes Stück Zeug an einer Stange. Als Heerzeichen waren im frühen Altertum Sinnbilder, meist Tierbilder in Gebrauch. Doch führten schon die ssa neben der mit einem Drachen gezierten Reichsstandarte zahlreiche bunte F. und Fähnchen, entweder einzelnen Anführern des Fußvolks anvertraut oder an den Kriegswagen befestigt. Bei den Hebräern hatten je drei Stämme die gleiche F. Bei den Griechen und Römern wurde sodann die F. Murius 0 jeder taktischen Abteilung. Erst durch Marius soll als gemeinsames Feldzeichen für das röm. Heer der Adler eingeführt worden sein, der dann das eigentliche signum legionis blieb. Er war von Metall. Auch für die Gliederung der Kohorten wurden verschiedene Zeichen angenommen, signa und vexilla: jene hemeimilich tandarten mit Metallbildern, diese gemeiniglich kleine viereckige F., die an einer Querstange hingen, von weißer, roter oder purpurner ½, namentlich für die Reiterei. In Flammenform hießen sie flammulae. Häufig wurden die vexilla mit den signa verbunden. Nach dem Siege Konstantins des Großen über Maxentius erhielt die Kriegsfahne (Labarum) das Monogramm Christi (E), auch wohl das griech. Kreuz allein. Aus diesen römischen F. entstand die Kirchenfahne, wie sie noch gegenwärtig bei den Prozessionen der kath. Kirche im Gebrauch ist. Sie ist der Form nach ganz dieselbe; nur befindet sich oben statt der Lanzenspitze ein Kreuz und auf dem Fahnentuch sind gemeiniglich bildliche Darstellungen aus der Heiligen Schrift, dem Leben der Heiligen u. s. w. angebracht. Die erste Fahne der Türken entstand angeblich dadurch, daß der Feldherr des Propheten, Boreida, seinen aufgelösten Turban an einer Stange befestigte. Mohammeds Feldzeichen, Okab oder Adler genannt, war ein kamelhärenes Stück Zeug; sonst hatten seine F. die schwarze oder weiße Farbe; eine derselben wird unter dem Namen Sandschaki Scherif noch heute unter den Reichskleinodien in Stambul aufbewahrt. Nur in höchster Gefahr wird sie vor dem Heere entfaltet. Auch die Germanen und Slawen hatten schon sehr früh ihre Feldzeichen. Bei den Truppen ward im 9. Jahrh. die Art von F. eingeführt, wie wir sie noch jetzt kennen, und die mit einer ihrer Seiten ganz an der Fahnenstange befestigt sind. Im Mittelalter war die Form und der Kntsz der F., die man Banner oder Paniere nannte, sehr verschieden. Jedes Land, jeder Fürst, die einzelnen Herren⸗ und Rittergeschlechter, die Städte, die Bündnisse, Gilden u. . w. hatten ihre eigenen F., auf denen die Wappen gemalt oder gestickt waren, und eine Auszeichnung war es, dieselben zu tragen. Meist waren sie viereckig, doch gab es auch zackige F., so die Oriflamme (s. d.) Frankreichs, die in fünf Zipfel ausging, und die F. Wilhelms des Eroberers, welche ihm der Papst geschenkt. ö Von der F. wurde auch der Kriegshaufe, der dazu gehörte, F. oder Fähnlein genannt; bei der Reiterei hieß die F. (Reiterfahne) Kornette. Seit der regelmäßigern Formation der Heere hatte jede Kompagnie (dem frühern Fähnlein entsprechend) eine F., jetzt nur das Bataillon oder das Kavallerieregiment (hier Standarte). Napoleon I. führte für die F. der franz. Armee an Stelle der Spitzen vergoldete Adler ein, welche nach der Restauration weichen mußten, aber 10. Mai 1852 von Ludwig Napoleon als Präsident den Truppen wieder verliehen, indes von der Republik 1870 abermals abgeschafft wurden. Bei den Kriegern aller Völker wurde die F. von jeher als Heiligtum betrachtet, für dessen Verteidigung und Erhaltung jeder Krieger freudig das Leben einsetzte; dem Feinde abgenommene F. wurden als Trophäen angesehen, denen man einen Ehrenplatz in Kirchen, Zeughäusern u. s. w. gab. Um weichende Truppen in das Gefecht zurückzuführen, setzten zuweilen die Feldherren sich selbst an die Spitze und ergriffen die F., 58 Schwerin bei Prag, Augereau bei Arcole, Erzherzog Karl bei Aspern. Bei den Landsknechten im 15. und 16. Jahrh. galt das Umdrehen der F. als ein Zeichen der Empörung. Auch bei Exekutionen stießen die Fähnriche die F. verkehrt ins Erdreich, bis die Ehre des Haufens an dem Verbrecher gerächt war. Der verlorene Haufe hieß auch die Blutfahne, die leichte Reiterschar, welche dem Heere den Weg bahnte, Rennfahne. Das Aufstecken einer weißen F. deutet an, daß ein fester Platz zur UÜberabe geneigt ist. Wenn diese ehrenvoll, so zieht die esatzung mit fliegender F. aus, sonst mit aufewickelter. Bei den Türken und andern orient. ölkern zeigt eine rote F. (auch Blutfahne) den festen Entschluß zum Widerstande auf Tod und Leben an. Eine gelbe F. (Pestfahne) dient zum Zeichen, daß die Pest oder eine andere epidemische Krankheit, eine schwarze F., daß ein Lazarett an einem Orte oder in einem Gebäude vorhanden ist. Da an den Verlust der F. vor dem Feinde sich der Begriff von Schande knüpft, so wird diese bei einigen Armeen nicht mit ins Gefecht genommen. Als dem höchsten Ehrenzeichen werden der F. auch die höchsten militärischen Honneurs gemacht, und sie erhält da, wo sie aufbewahrt wird, eine Schildwache. Früher diente die F. auch noch zur Rehabilitation eines ehrlos erklärt gewesenen Soldaten, indem sie über seinem Haupte geschwenkt und sein Name dadurch wieder ehrlich gemacht wurde. Schmetterlingsblüten dasjenige Blütenblatt, welches meist breit fahnenartig ausgebildet ist und nach elWee (S. Schmetterlingsblüte und Tafel: Blüte und Blütenstand, di 14.) ahne (Anton), Forscher auf dem Gebiete der rhein.⸗westfäl. Genealogie und Geschichte, geb. 28. Febr. 1805 u Münster in Westfalen, studierte in Bonn und Berlin Jurisprudenz, wurde 1829 Auskultator in Münster, 1833 Friedensrichter zu Bensberg, welche Stellung er jedoch w1842 aufgab, um sich ganz seinen genealog.⸗histor. Arbeiten zu widmen. Er machte fur diese zahlreiche Reisen in Deutschland und im Auslande, beteiligte sich lebhaft an dem künstlerischen und öffentlichen Leben der Rheinprovinz und bane 12. Jan. 1883 auf seiner Villa Fahnenberg bei Düsseldorf. Die schriftstellerische Thätigkeit von F. ist eine staunenswerte; nahezu 100 Bände von ihm sind im Druck erschienen. Sie beziehen sich fast alle auf lokale Geschichte, Genealogie und Heraldik und sind im wesentlichen Sammlungen von genealog. Verzeichnissen, Stammtafeln und Urkunden. Eine eingehende Beschäftigung mit den alten kölnischen Schreinsurkunden (Sypothekenbüchern) gab den Anlaß zu dem ersten großen genealog. Werke: (Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter» (2 Tle., Köln 1848). Dann folgte „«Geschichte der westfäl. Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Übersiedelung nach Preußen, Kurland und Livland; mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien » (Köln 1858), weiter Monographien über einzelne Adelsfamilien, wie Geschichte der Herren und Freiherren von Hövel (3 Bde. in 4 Abteil., Köln 1856—60), «Die Dynasten, Freiherren und jetzigen Grafen von Bocholtz (4 Bde. in 5 Abteil., Köln 1857—63), (Geschichte der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheide (2 Bde. in 3 Abteil., Köln 1858—66). An diese genealog. Studien knüpften sich Forschungen aus der kölnischen und westfäl. Geschichte, über Livland u. s. w. Dahin gehört z. B. »Die Grafschaft und freie Reichsstadt Dortmundo (4 Bde. in 5 Abteil., Köln 1851—59). Soevif des Propheten, s. Sandschakcherif.