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TierreichBrockhaus 1882

Falke (Falco) gehört zur Gruppe der falkenartigen Raubvögel, der Unterabteilung der Tagraubvögel. Zu den falkenartigen Raubvögeln gehören im weitern Sinne auch die Adler, Habichte, Sperber, Bussarde und die übrigen Raubvögel, die nicht zu den Geiern oder Eulen gehören, im engern Sinne aber nur das Genus Falco der Systeme. Die F. haben einen runden, durchaus befiederten Kopf und Hals, um die Augen einen nackten, gelblichen Kreis, einen kurzen, scharfen, hakenförmigen Schnabel, an dessen Oberkiefer sich ein ausgeschnittener dreieckiger Zahn befindet, der in einen entsprechenden Ausschnitt des Unterkiefers paßt, runde Nasenlöcher und lange, schmale, spitze Flügel, die immer bis wenigstens an die Hälfte des Schwanzes reichen, bei einigen Arten denselben überragen; die zweite Schwinge ist die längste, diese und die dritte in der Nähe der Spitze schmal abgesetzt. Die F. sind über die ganze Erde verbreitet und gleichen sich in der Lebenswee, zum Teil auch in der Färbun unter den verschiedensten Himmelsstrichen. Nach Geschlecht und Alter zeigen sie aber sehr bedeutende Verschiedenheiten, wodurch in systematischer Beziehung lange Zeit große Verwirrung im Aufstellen und Klassieren neuer Arten entstand. Die Weibchen der F. sind in der Regel größer als die Männchen. Die F. sind kühne, grausame, stets kampfbereite Vögel, die sich hauptsächlich von lebendiger Beute nähren; sie stoßen dieselbe oder schlagen sie, wenn sie sitzt oder läuft. Diese Art des Bemächtigens der Beute veranlaßte die Einteilung der F. in Kedler und enicht edler. Zu den Edelfalken gehören: der isländische F. oder große Blaufuß (E. candicans), der edelste aller Jagdfalken, der Geer- oder Geierfalke (F. hyerofalco), der Sackerfalke (F. sacer), der Feldeggfalke (F. Feldeggi), der Wanderfalke oder kleine Blaufuß (F. peregrinus), der Lerchenstößer oder Lerchenfalke (F. subbuteo), der Zwergfalke oder Merlin (F. aesalon). Zu den «nicht edlen Falkeno werden gezählt: der Turmfalke (F. tinnunculus), der Rötelfalke (E. cenchris), der Rotfußfalke (F. rufipes). Die F. nähren sich von lebendig gefangenen Tieren; mehrere Arten richten in den Wildbahnen unter den Feldhühnern, Wachteln, Drosseln, jungen Hasen, sowie auch unter dem Hausgeflügel großen Schaden an; andere dagegen besonders die nicht edlen, sind der Agrikultur dur Vertilgung von Mäusen, Heuschrecken, Raupen und andern schädlichen Insekten nützlich. (S. Abbil⸗ * auf Tafel: Raubvögel.) ehrere Falkenarten, insbesondere der Jagd- und der Wanderfalke, wurden zu der einst so beliebten und hoch gehaltenen Reiherbaize (s. Baize) oder Falknerei benutzt. Um die F. zu diesem Zwecke abzurichten, werden sie, wenn nicht jung eingefangen und gezähmt, durch Hunger und Entziehen des Schlafs zahm gemacht, an das Tragen der Haube, das Sitzen auf der Faust und zum Zurückkehren zum Jäger auf dessen Lockung hin abgerichtet. Wenn der F. völlig cabgetragend und berichtigto ist, wie es in der Falknersprache heißt, so wird er behufs der Jagd mit der Haube versehen, auf der Faust des Falkners entweder bal oder mittels eines dünnen Lederriemens festgehalten in das Revier getragen und beim Erblicken eines Jagdobjekts, von Fessel und Haube befreit, in die Höhe geworfen. Nach sehr kurzer Orientierung stürzt sich der F. auf die Beute, packt sie und soll sie dem Jäger zutragen, ohne sie vorher zu kröpfen. Am spannendsten ist die Jagd auf Reiher, bei der häufig sich sehr wertvolle F. am Schnabel der geschickt sich verteidigenden Reiher spießten. Die Falknerei stammt aus dem Orient und wurde vorzüglich nach den Kreuzzügen in Europa allgemein verbreitet. Kaiser Friedrich II. übte selbst auf seinen Feldzügen die Falknerei aus und hinterließ eine eigene Schrift über dieses Jagdvergnügen, die von seinem Sohne Manfred mit Anmerkungen begleitet wurde (Reliqua librorum Freéderici II Imperatoris de arte venandi cum avibus cum Manfredi Regis additionibus; ex membranis vetustis nunc primum editav, Augsb. 1596, von Prätorius; mit zwei andern Schriften über die Falknerei auch von J. G. Schneider, 2 Bde., Opz. 1788, Bei den sog. Habichtslehnen im 14. Jahrh. wurde dem Vasallen die Pflicht auferlegt, sich jährlich bei seinem Lehnsherrn namentlich mit einem abgerichteten Habicht, wie damals häufig der F. enannt wurde, einzustellen. Unter König Franz J. feiente die Falknerei in Frankreich ihre Glanzperiode. Die Falknereianstalten standen damals unter dem Befehle eines Oberfalkenmeisters, der 15 Edelleute und 50 Falkenmeister unter sich hatte, über 300 Baizvögel gebot und das Recht hatte, im ganzen Königreiche nach Belieben zu jagen. Durch die veränderten Kultur⸗ und Bodenverhältnisse, durch die Erfindung des Schrotes im 17. Jahrh. und die stets fortschreitende Verbesserung der Feuerwaffen geriet das ritterliche, aber sehr kostspielige Vergnügen der Falknerei rapid in Verfall und wird gegenwärtig in Europa nur noch ganz ausnahmsweise und vereinzelt betrieben. alke, Falkaune, Falkonett (frz. faucon, ital. falcone), eine schon im Mittelalter gebräuchliche Bezeichnung für gewisse Wurfmaschinen, wurde im 15. Jal rh. auf leichte Feldschlangen übertragen; s 1 Ja findet sie sich allgemeiner. (S. Feldange.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 540Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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