Falke (Jak.), hervorragender deutscher Kultur- und Kunsthistoriker, geb. 21. Juni 1825 zu Ratzeburg, erhielt seine Gymnasialbildung auf der dortigen Domschule und widmete sich dann seit 1845 zu Erlangen und Göttingen philol., daneben aber auch histor. Studien. Nachdem er 1850 einige Zeit als Lehrer am prot. Gymnasium zu Hildesheim gewirkt, folgte er einem Rufe als Erzieher in das Haus des Prinzen Wilhelm von Solms-Braunfels zu Düsseldorf, in welcher Stellung er bis 1853 verblieb. Seine wissenschaftlichen Studien hatten unterdessen mehr und mehr die Richtung auf die Geschichte der Kultur und namentlich auch der Kunst genommen, wozu ihm sein Aufenthalt in Düsseldorf, sowie 1854 in Wien die günstigste Gelegenheit bot. Im Mai 1855 übersiedelte F. von Wien nach Nürnberg, um hier als Konservator der Kunstsammlungen am Germanischen Museum einzutreten. Im Spätsommer 1858 kehrte er jedoch nach Wien als Bibliothekar des Fürsten Liechtenstein zurück. Zur Bibliothek übernahm er auch die Direktion der Liechtensteinschen Bildergalerie. Im März 1865 ward ihm daselbst auch die Stelle eines ersten Kustos am k. k. Museum für Kunst und Industrie übertragen und 1872 wurde er zum Vizedirektor desselben ernannt. Seinen Ruf als Kulturhistoriker begründete F. mit dem Werke Die deutsche Trachten⸗ und Modenwelto (2 Bde., Lpz. 1858), in dem er die Geschichte des Kostüms in lebendigem Zusammenhange mit dem Geiste und Wandel der Zeiten darzustellen suchte. Schon vorher hatte er sich an der Herausgabe von Eyes (Kunst und Leben der Vorzeito (3 Bde., Nürnb. 1855—59) und „Galerie der Meisterwerke altdeutscher Holzschneidekunsto (Nürnb. 1857—61), sowie an der von seinem Bruder Johannes Falke (s. d.) begonnenen 4Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichtes beteiligt. Von seinen kulturgeschichtlichen Arbeiten sind 1.5 besonders hervorzuheben: Zur Kostümgeschichte des Mittelalterso (Wien 1861) und Die ritterliche Gesellschaft im Zeitalter des Frauenkultuso (Berl. 1863). Seit seiner Stellung am k. k. Museum hat sich F. vorzugsweise mit der Kunstindustrie beschäftigt und ist in dieser Richtung sowohl litterarisch wie praktisch thätig gewesen. Seine „Geschichte des modernen Geschmacks» (Lpz. 1866) ist ein geistvolles Werk. Ferner erschienen von ihm: „Die Kunstindustrie der Gegenwart. Studien auf der pariser Ausstellung im J. 1867 (Lpz. 1868), (Die Kunst im Hauser 65. Aufl., Wien 1883), Die Kunstindustrie auf der wiener Weltausstellunge (Wien 1873), «Geschichte des fürstl. Hauses Liechtenstein» (3 Bde., Wien 1868—82), das Prachtwerk «Hellas und Rom» (Stuttg. 1881) und die Kostümgeschichte der Kulturvölkero (Stuttg. 1882).