Fayüm, Fayyum, ägypt. Prorinz, einige Tagereisen oberhalb Kairo, oasenartig von der Libyschen Wüste umschlossen und nur durch ein schmales, einen niedrigen e durchschneidendes Thal mit dem Nilthale verbunden. Diese eigentümliche Depression der Wüste, deren Ausdehnung ungefähr 45 Km von N. nach S. und 60 von O. nach W. beträgt und deren tiefster Punkt an 30 m unter dem zunächst gelegenen Nilufer bei Benisuef liegt, war ursprünglich völlig unfruchtbar und wasserlos bis auf einen sehr salzigen See, der von seiner Gestalt den Namen des Birket-el-Kerun (des gehörnten) hat und sich im westl. tiefsten Teile der Oase befindet. Jetzt ist F. die fruchtbarste Provinz von ganz Agypten, in welcher außer den gewöhnlichen Nutzpflanzen des Landes weithin berühmte Rosen (ur 5, Awril von Rosenöl und Rosenwasser benutzt), Aprikosen, Feigen, Wein, Oliven (ährlich 20000 Kg ausgeführt), Datteln, Reis und andere Früchte in großer Menge und Vortrefflichkeit gedeihen und gebaut werden. Diese Umwandlung wurde durch eine großartige Unternehmung der Pharaonen der zwölften manethonischen Dynastie im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung erreicht, indem man an 220 Em südlich von Benisuef bei Darut-el-scherif einen Kanal, den Bahr-Jussuf (Josephskanal), vom Nil nach Westen abzweigte und längs der Libyschen Wüste bis zu der künstlich noch vertieften offnung des F. führte, sodaß sein Wasser in die Oase einströmen konnte. Indem man nun den östlichen höchsten Teil der Landschaft, in welchen sich der Bahr-Jussuf zunächst ergießt, von dem hintern, immer tiefer abfallenden Terrain durch mächtige, an 45 kKm lange Dämme abschied, bildete man den großen künstlichen See Phiom lein aus dem Altägyptischen stammendes kopt. Wort, welches Meer bedeutet, im Altägyptischen Meri genannt, d. i. Uberschwemmungswasser, ein daraus gebildeter See, woraus die Griechen später einen Mörissee ls. d.] machten). Das Wasser dieses Sees wurde dann, durch Schleusen reguliert, in der Zeit des niedrigen Nils zur Bewässerung teils des F. selbst, teils der nahe gelegenen Gegenden des Nilthals durch das Zurückströmen der überflüssigen Wassermasse benutzt. Später wurden die Dämme durchbrochen, der See floß in die tiefere Stelle der Oase ab und bildete den jetzigen Birketel-Kerun, während das Becken des alten künstlichen Sees austrocknete und jetzt, soweit er künstlich bewässert werden kann, als Ackerboden benutzt wird. Von diesem See erhielt die ganze Provinz den kopt. Namen Phiom, woraus die Araber F. gemacht haben. Am östl. Rande des Mörissees, da wo der Kanal in denselben mündete, lag das berühmte Labyrinth (s. d.), und von hier quer über den See hinüber gelangte man zu der Hauptstadt der Provinz, welche früher Krokodilopolis, später Arsinoe hieß und dem arsinoitischen Nomos, der das F. begriff, seinen Namen gab. Auf ihren Trümmern aufgebaut liegt das heutige Medinet-el-Faxyüm mit 12 000 E., der ansehnliche Hauptort der Provinz, mit Kairo durch eine Eisenbahn verbunden. Die Provinz F. zählt (1877) 1738 65⁵ C.