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TechnikBrockhaus 1882

Fein ist in Beziehung auf Gold⸗ und Silbermischungen der technische Ausdruck für rein. Da Gold und Silber nur mit einem Zusatz unedler Metalle verarbeitet werden, so unterscheidet man bei den aus ihnen hergestellten Münzen, Barren, Geräten und Schmucksachen mit Beziehung auf den Stoffwert den Anteil an Edelmetall und an Zusatz oder Legierung. Der erstere wird die Feinheit oder der Feingehalt genannt und in den meisten Ländern jetzt in Tausendteilen ausgedrückt. Ein Gold⸗ oder Silberfabrikat ist z. B. 750 Tausendteile Feino, wenn die Gewichtsmenge des in ihm enthaltenen Edelmetalls 58½ oder drei Viertel des Ganzen beträgt. Während die Feinheit sonach ein Relatives, ein Bruchverhältnis ist, bedeutet Feingewicht die absolute Menge des in einem einzelnen Edelmetallgegenstande enthaltenen Goldes oder Silbers; so ist z. B. das Feingewicht des deutschen 20-Markstücks oder der amtlich sog. Doppelkrone 7,16ss g. Die Feinheit der Münzen wird und wurde insbesondere früher auch deren Korn genannt; einige wandten jedoch diese Bezeichnung für das Feingewicht an (was mit der kentornern aute Abwägung der Münzen mit Gerstenkörnern zusammenhängt), und es empfiehlt sich daher, von ihrem Gebrauche ganz abzusehen. Früherhin nannte man die Feinheit beim Golde auch wohl Karatigkeit, beim Silber Lötigkeit, weil sie einen Bruch bildete, dem man, insbesondere in Deutschland, als Nenner beim Golde die Zahl 24, beim Silber die Zahl 16 gab; die Vierundzwanzigstel (hier Karat genannt) wurden weiter in Zwölftel (Grän), die Sechzehntel aber (hier Lot genannt) weiter in Achtzehntel (Grän) geteilt, sodaß die Grän beim Golde und beim Silber gleiche Verhältnisteile, und zwar ½86, waren. Die eben erklärte Bezeichnungsart der Feinheit nannte man das Probiergewicht; was bei den Münzen die Feinheit beißt, wird nämlich bei den übrigen Gold⸗ und Silberwaren die Probe genannt. Dem Feingewicht gegenüber steht das Rauh⸗ oder Bruttogewicht, bei den Münzen gewöhnlich Schrot genannt. Schrot und Korno sind bekanntlich zugleich ideelle Ausdrücke für sittlichen Gehalt, für persönliche Charakterwürdigkeit geworden (dein Mann von gutem Schrot und Korno), sowie für Echtheit, Güte abstrakter Dinge (Sprache u. s. w.); in jenem Sinne findet sich auch wohl Korno allein gebraucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 642Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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