FeedFeldpost ist die Einrichtung
GeschichteBrockhaus 1882

Feldpost ist die Einrichtung, durch welche die Postverbindung einer Armee im Felde einerseits mit ihrer Operationsbasis, d. i. mit der Heimat, andererseits nach und von den einzelnen Truppenkörpern hergestellt und bis zum Eintritt des Friedens unterhalten wird. Das Bedürfnis derartiger Einrichtungen war schon früh vorhanden, doch hatte man im Altertum keine der neuern Zeit eigentümliche Organisation der F. Am besten ausgebildet war die von Cyrus errichtete Botschaftenbeförderung für Kriegszwecke (das Angareion); schnelle Reiter (Angaroi) durcheilten von Station zu Station die pers. Provinzen und brachten Nachrichten von Cyrus' Siegen nach Susa, der pers. Hauptstadt. Die Lacedämonier benutzten zu geheimen Botschaften an die Kriegsephoren den Riemenstab (ντανν)/ den schnelle Läufer (emerodromen) nach dem lacedämon. Hauptquartier überbrachten (Gellius, Noctes Atticaes). Eines solchen Läufers erwähnt Cornelius Nepos (im Miltiades): des Phidippus, welcher die 1240 Stadien von Athen nach Sparta in zwei Tagen zurücklegte. Decius Brutus (44 v. Chr.) verständigte sich durch Brieftaubenbotschaften mit den Belagerten in Mutina: Cäsars Sieg bei Pharsalus wurde durch Stafetten (per dispositos equites) nach Messana gemeldet; bekannt sind ferner Cäsars Schlachtberichte aus Gallien an den röm. Senat, sowie an Oppius und Balbus Cornelius, woraus die röm. Zeitungen, acta diurna, entstanden. Aus Augustus' Kurieren (juvenes per militares vias disposuito, nach Sueton) entwickelte sich die röm. Staatspost. Im Mittelalter zerfielen diese Einrichtungen, bis nächst Karl d. Gr. zuerst die Deutschen Ordensritter (1290) in Preußen, sodann Ludwig XI. von Frankreich (1464) und Eduard IV. von England (1481) eine Art Feldpostkuriere verwendeten. Im Türkenkriege, bei der Belagerung von Ofen, wurden Tauben zur Beförderung von Kriegsbotschaften benutzt; doch erlangten alle derartigen Behelfe der F. keine genügende Entwickelung. Erst nach Einrichtung regelmäßiger Posten, durch Kaiser Maximilian I. und Roger von Taxis, waren die Grundlagen gewonnen, um auch in Kriegswirren Posteinrichtungen für die außerhalb des Heimatlandes sich bewegenden Truppen herzustellen. Daß schon im Dreißigjährigen Kriege Feld-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. dud Pon verwendet wurden, beweist die 51 daß Postillone die Meldung des Friedensschlusses von Münster an die deutschen Fürsten beförderten. Außer der Thurn und Taxis'schen Reichspost gelangte namentlich das kurbrandenb. Postwesen, durch Vorsorge des Großen Kurfürsten aus kleinen Anfängen emporgehoben, schnell zur Blüte, und Brandenburg-Preußen war auch der erste Staat, welcher die F. von Grund aus organisierte. In dem vorpommerschen Kriege von 1716 findet sich zuerst die Einrichtung eines preuß. Feldpostamts. Dies hatte die Aufgabe, der preuß. Armee in Feindesland zu folgen und die Postverbindung für letztere mit der Heimat durch reitende Postillone zu unterhalten. In den zahlreichen Kriegen, welche Preußen führte, namentlich im Siebenjährigen Kriege, wurden diese Keime weiter ausgebildet und erhielten durch engen Anschluß an die militärischen Kommunilationseinrichtungen, in denen namentlich Friedrich d. Gr. Meister war, eine feste Grundlage, auf der im wesentlichen noch jetzt die Organisation der deutschen F. beruht. Bei den Armeen der Napoleonischen Kriege befanden sich ebenfalls Feldpostämter (bei der preuß. Armee 1813/14 z. B. 3 Feldpostamter mit 27 Sekretären, 4Briefträgern und 79 Postillonen); doch konnte die Beforderung von Nachrichten nur sehr langsam erfolgen (beispielsweise Paris—Berlin 12 Tage). Die mächtige Entfaltung der modernen Verkehrsmittel, Eisenbahnen und Telegraphen, hat im Feldpostwesen unermeßliche Umwälzungen hervorgebracht. Schon der Deutsche Krieg von 1866 stellte größere Anforderungen an die F. Der Charakter der neuern Kriegführung zwang sie zu wesentlich erhöhten Leistungen. Während dieses kurzen Feldzugs wurden täglich etwa 30000 Briefe nach und von der Armee durch die preußische F. versendet. Die in diesem Kriege gesammelten Erfahrungen wurden bei der durch die Dienstordnung für die Feldpostanstalten vom 16. Aug. 1867 eingeführten neuen Organisation entsprechend verwertet. Die wichtigste Bestimmung der letztern war die, daß außer den Feldpostämtern für jedes Armeekorps und den Feldpostexpeditionen für jede Division besondere Ctappen-Postdirektionen errichtet wurden, welche unter der General-Etappeninspektion der betreffenden Armee standen und besonders die Aufgabe hatten, die Postverbindungen für die vorrückenden Armeen durch Errichtung von Feldpostrelais im Rücken oder in der Flanke herzustellen und nach dem wechselnden Bedürfnisse zu unterhalten. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 gab bald Gelegenheit, die neuen Feldposteinrichtungen praktisch zu erproben. Von dem Generalpostamte in Berlin waren schon im Frieden umfassende Vorbereitungen getroffen, um in der planmäßigen Frist von 14 Tagen die F. mobil zu machen. Schon am neunten Tage standen die Feldpostanstalten zum Abmarsch bereit, und zwar: ein

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 657Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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