Feldpostexpedition für die 25. großherzogl.⸗hess. Division, endlich drei Etappenpostdirektionen. Mit den alsbald neu hinzutretenden Feldpostexpeditionen für die Kavalleriedivisionen und die Reservedivisionen belief sich die Stärke der mobilen norddeutschen F. auf 77 Feldpostanstalten mit 292 Beamten, 202 Unterbeamten, 294 Postillonen, 869 Pferden und 188 Sugtiergen. Der taktische Aufmarsch der deutschen Heere gegen Frankreich erfolgte Anfang Aug. 1870. Die Frontaufstellung erstreckte sich von Sierk und Saarlouis südlich bis Kehl; auf diese Horizontale stießen vertikal die Zuführungs⸗ (Eisenbahn-)Linien aus Deutschland; dieselben setzten sich nach Maßgabe des Vorrückens der Armeen als Etappenstraßen nach Frankreich fort. Auf diesen Straßen wurden Feldpostkurse errichtet, die sich bis ins Centrum der einzelnen Truppenkörper vorschoben. Die Sicherung dieser Verbindungslinien wurde durch Errichtung von stabilen Hurtichenung (Feldpostrelais)erzielt, denen die Fortschaffung der aus der Heimat eintreffenden Postzüge auf dem Landwege oblag. Bei der Schnelligkeit, mit welcher die deutschen Armeen vorrückten, wurden die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der F., deren Aufgabe durch den Zusammensturz des ganzen Friedenspostdienstes an der franz. Grenze erheblich erschwert war, von Tag zu Tag erhöht. Die gewaltigen, seit September über ein Gebiet von etwa 170000 qkm ausgedehnten Operationen der deutschen Heere erforderten großartige Anstrengungen der F., um den Ansprüchen der Truppen wie der Heimat zu genügen. Starke Trains von 200 Pferden mit 60 Postillonen und zahlreichen Fahrzeugen wurden an bedrohte Punkte gesandt, und als das große Hauptquartier des Königs von Preußen Ferrieres erreicht hatte, ging Generalpostdirektor Stephan selbst bis in die unmittelbare Nähe von Paris und richtete für das Hauptquartier eine Kurierpost auf der Route Imperiale von Pont-à-Mousson über Bar-le-Duc, Vitry, Chälons, Epernay, Chäteau-Thierry, Meaux und Lagny bis Ferrieres ein, welche einen Kurs von 345 km in 30 Stunden durcheilte und unter Benutzung der Eisenbahn bis Pont-à-Mousson(Remilly) den Weg nach Berlin (1200 km) bis auf 70, später 24 Stunden abkürzte. Überaus schwierig war es, für General Werder bei seinen Kämpfen mit Bourbaki die Postverbindung (über Epinal, Vesoul, Gray), sowie für General von Manteuffel bei dessen kühnem Zuge nach Auxerre und Nyon aufrecht zu erhalten. Dennoch wurden auf allen Etappenstraßen der deutschen Heere in einer Ausdehnung von 5100 km, inmitten einer feindlichen Bevölkerung, oft unter drohender Gefahr, regelmäßige, meist tägliche Posttransporte in Gang gesetzt; und der geringste deutsche Soldat, mochte er auf dem Marsche, auf Vorposten oder in einem entlegenen Dorfe Frankreichs sich befinden, empfing wie der Höchstkommandierende täglich Korrespondenz und Zeitungen: eine in der That stauneuswerte Leistung. Von den sechs Postsammelstellen in der Heimat wurden (im Jan. 1871) täglich im Durchschnitt 204 338 Briefe und 6135 Geldbriefe nach dem Felde abgesandt. Zur Paketbeförderung hatte das Generalpostamt in Berlin große Packereidepöts auf franz. Boden errichtet. Die gesamte obere Leitung der F. erfolgte bei dem Generalpostamte in Berlin. Die Anordnungen erstreckten sich auf das Personal, die Betriebsmittel, die Leitung der Sendungen und den Gang der Feldposttransporte für das weite Gebiet von Memel bis Le Mans, Orléans und Dijon. Ein besonderes Feldpostdepartement bearbeitete Tag und Nacht die täglichen Telegramme und Rapporte der F. (mehr als 50000) und gab die Feldpostübersicht sowie die Feldpostordres aus, von denen 184 Nummern in je 5700 Abdrücken versandt wurden. Das Ergebnis der in Bezug auf die F. im Kriege 1870/71 vorgenommenen amtlichen statistischen Ermittelungen stellt sich in folgenden Zahlen Fdar: 411 Feldpostanstalten, Relais, Landespostanstalten in Frankreich, sowie in Elsaß-Lothringen, 2140 Beamte und Unterbeamte, 89659000 durch die F. bis 31. März 1871 beförderte Briefe nach und oon der Armee, 2354310 Zeitungsexemplare, 43023460 Thlr. in Militärdienstsachen, 16 842460 Thlr. in Privatangelegenheiten, 125 916 Pakete in Dienstsachen, 1853686 Pakete in Privatangelegenheiten. Die in Bezug auf das Feldpostwesen in diesem Kriege gewonnenen Erfahrungen 5. bereits für eine Neugestaltung der deutschen nutzbar gemacht worden. In den neu organisierten modernen Armeen darf es an einer F. niemals fehlen, weil dieselbe das unbedingt erforderliche Mittel der Nachrichtenbeförderung zwischen der Feldarmee und dem Hinterlande bildet. Bei Beginn des Feldzugs der brit. Armee nach Agypten (1882) aus Anlaß der Revolte Arabi Paschas wurde auf Grund eines Erlasses der Königin Victoria ein Feldpostkorps errichtet, welches, zum ersten mal in der Geschichte der brit. Post, nach deutschem Vorgang die Aufgabe hatte, den Postverkehr der mobilen brit. Truppen nach der Heimat und umgekehrt zu vermitteln. Das Korps bestand aus Postbeamten, welche dem Freiwilligenregiment Nr. 24 (Middlesex) angehörten; sie wurden auf eine Dienstzeit von 6 Jahren angeworben, und zwar für 3 Jahre in der Linie, 3Jahre als Reserve. Das Korps zählte 100 Mann mit 3 Offizieren, wovon 43 Mann und 2 Offiziere ins Feld rückten, und wurde mit allen Erfordernissen für den Feldpostbetrieb, namentlich Zelten, Fächereinrichtungen u. s. w. ausgestattet. Die Briefe an die Truppen mußten mit dem Vermerk Expeditionary Force, Egypto versehen sein und gelangten dreimal wöchentlich zur Beförderung auf den Kriegsschauplatz. Die Briefe von der Armee wurden unfrankirt abgesandt; für Sendungen aus dem Felde von Mannschaften wurde 1 Penny für den Brief, für Offiziersendungen das einfache Briefporto für Briefe nach Agypten vom Adressaten in England erhoben. Auch hier hat die F. ihre Aufgabe vollkommen erfüllt.