Ferrandina, Stadt in der ital. Provinz Potenza, Bezirk Matera, am Monte-Funicchio und an der Linie Eboli-Metaponto der Calabrischen Eisenbahn, zählt (1881) 7545 E., welche guten Wein bauen. Compartimento Emilia gehörig, zählt au 2626,% km (1881) 230807 E., mithin 88 auf 1 qkm. Im Bereiche des Po-Delta gelegen, ist das Land flach, größtenteils von Sümpfen und Seen erfüllt, von zahlreichen Kanälen und Flüssen durchzogen, darum ungesund, aber fruchtbar. Seit 1471 war das Gebiet der Provinz ein selbständiges Herzogtum, welches das Haus Este (s. d.) vom Papst zu Lehn trug. Als der kinderlose Herzog Alfons II. seinen Vetter Cäsar zum Nachfolger ernannte, schlug Papst Clemens VIII. 1598 F. als eröffnetes Lehn zum Kirchenstaate. Nachdem es 1797 mit der Cisalpinischen Republik, später mit dem Königreich Italien vereinigt worden war, kam es 1814 an den Papst zurück, außer einer Strecke im Norden des Po, welche dem Wiener Kongreß zufolge samt dem Besatzungsrecht in den Städten 5. und Comacchio (edans les places de Ferrarep) an Ssterreich kam. Infolge der Ereignisse von 1859 kam das Land an das neue Königreich Italien. Die Hauptstadt Ferrara (lat. Ferraria), Sitz eines Kardinal-Erzbischofs, in einer Sumpfebene links am Po di Volano und an der Linie Padua-F.⸗ Bologna der Oberitalienischen Eisenbahnen gelegen, 120 km im SSW. von Venedig . 2, m über dem Meere, fast Im unter dem Wasserspiegel des Po, mit festen Mauern, Bastionen und an der Westseite mit einer starken Citadelle versehen, hat breite, aber verödete Straßen, über 30 Kirchen und viele große und schöne, doch verfallende Paläste. An den Ort knüpfen sich reiche Erinnerungen aus der Zeit, wo 8 eine sehr blühende Handelsstadt war und an dem ofe der Herzöge von Este die gefeiertsten Dichter und Künstler lebten. Damals zählte die Stadt 100000, dagegen 1881 nur 75553 E. (Gemeinde), darunter 2000Juden. Unter den öffentlichen Plätzen ist die Piazza-Ariostea bemerkenswert, mit dem Standbilde des Ariosto auf hoher korinth. Säule, von Francesco Vidoni. Das ehemalige herzogl. Schloß, später Wohnsitz des päpftl. Legaten, ein schwerfälliger, mit vier eckigen Türmen versehener Bau, wird jetzt für die Verwaltungen und das Telegraphenbüreau benutzt und hat Fresken von Dossi. Zwischen Schloß und Dom befindet sich das Denk—⸗ mal des am 21. Sept. 1452 in F. geborenen Girolamo Savonarola, von Galetti, 1875 errichtet. Die Kathedrale San-Paolo, von 1135 Dauf und aber im Innern in neuerm Stile ausgebaut und wegen der 100 Jahre später errichteten großartigen altgot. (lombard.), mit Reliefs und vier Löwen geschmückten Vorderseite merkwürdig, ist ein großes, jedoch nicht ansprechendes Gebäude. An der südl. Ecke des Doms erhebt sich ein stattlicher, vier mächtige Stockwerke hoher Campanile, unter Herzog Ercole II. (1534—58) errichtet. Der Palazzo della Ragione, ein got. Backsteinbau von 1315 bis 1326, 1831—35 restauriert, ist gegenwärtig Sitz des Gerichts. Die Kirche San-Francesco, 1494 erbaut, ist ganz mit Kuppeln überwölbt, dreischiffig mit beiderseitigen Kapellenreihen, hat Fresken von Garofalo, Grabmäler der Familie Este und ein sechzehnfaches Echo unter der zweiten Kuppel des Mittelschiffs. Der Palazzo Schifanoja, jetzt Taubstummeninstitut, einst ein Lustschloß der Este, 1391 von Alberto d'Este beonnen, 1469 von Borso vollendet, enthält schöne Fresken von Cosimo Tura, Lorenzo Costa u. a., 1840 unter der Tünche entdeckt. In der Kirche San-Giorgio, vor der Porta-Romana, bis 1135 Kathedrale, eröffnete Papst Eugen IV. 1438 ein Konzil. S. Ferrara-Florenzer Konzil.) Die schöne ädtische Gemäldesammlung des Ateneo civico, meist a.Walasto d Kirchen entnommen, befindet sich im Palazzo dei Diamanti, einem stattlichen Frührenaissancebau, von Biagio Rossetti 1567 vollendet; namentlich die Maler Garofalo und Dosso Dossi sind hier gut vertreten. Das einfache Haus Ariostos, welches der Dichter selbst erbaute, ist seit 1811 durch Vermittelung des Grafen Cicognara Eigentum der Stadt. In der Casa degli Ariosti, bei der Kirche Sta.⸗Maria di Bocche, lebte der Dichter bis zu seines Vaters Tode. Das Haus des Dichters Guarini gehört noch dessen Familie an. Im St.⸗Annenhospital befindet sich die Zelle, in welcher Tasso über sieben Jahre (1579—86) auf Befehl Alfons' II. gefangen gehalten worden sein soll. An des Dichters Liebe zu Eleonore von Este erinnert die vor der Stadt gelegene Villa Belriguardo. Die schöne Kartause (die Kirche San-Cristoforo, ein 1498 —1553 aufgeführter Renaissancebau) dient jetzt als Campo santo. Die von Kaiser Friedrich II., oder doch jedenfalls vor 1264 gestiftete, 1402 erweiterte, zur Zeit der franz. Herrschaft eingegangene und 1824 erneuerte Universität (Studio pubblico), eigentlich nur eine Schule für Medizin, Mathematik und Rechtswissenschaft, hat einen botan. Garten, ein physik. Kabinett, ein anatom. Theater und eine reiche Sammlung von Münzen, griech. und lat. Inschriften, einige röm. und altchristl. Sarkophage, sowie eine ausgezeichnete Bibliothek von 100000 Bänden und 1100 Handschriften, darunter 52 Ausgaben des Ariosto, mehrere Autographien der Werke dieses Dichters (Orlando furiosor), sowie Tassos und Guarinis (Pastor fidoo), alte Drucke und Chor-Jahch mit kostbaren Miniaturen des 13. bis 16. Jahrh. In einem der Bibliotheksäle befindet sich das Grabdenkmal Ariostos, 6. Juni 1801 aus San-Benedetto hierher versetzt. Ferner besitzt F. ein theol. Seminar, eine Ingenieurschule, mehrere andere Unterrichtsinstitute, eine Accademia Ariostea, verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten und zwei Theater.