Modena, früher ein souveränes ital. Herzogtum, das die fruchtbare Ebene, welche der Panaro bewässert, umfaßte und einen Flächenraum von 6057 akm mit einer Bevölkerung von mehr als 604000 Seelen (Ende 1857) besaß. Gegenwärtig bildet es einen Bestandteil des Königreichs Italien und zerfällt in die Provinzen M. (2501,5 akm mit [Ende 1881] 289247 C.), Massa-Carrara und Reggio. Durch den fruchtbaren Boden begünstigt, befinden sich Ackerbau, Wein-und Olivenkultur, Vieh- und Seidenzucht in Blüte. Der Bergbau ist namentlich auf Marmor sehr bedeutend, die gewerbliche Industrie dagegen nur von geringem Belang. Seit dem 6. Jahrh. gehörte M. den Longobarden, dann zu Toscana und nachher nebst Ferrara den Torellis, welchen seit 1290 die Familie Este (s. d.) in der Herrschaft folgte. Clemens VIII. zog 1582 das Herzogtum Ferrara als eröffnetes Lehn ein, und zu M. gehörten nun nur noch das Herzogtum Reggio und das Fürstentum Capri. Der Herzog Franz. I. erwarb 1633 das Fürstentum Correggio, Franz II. 1710 das Herzogtum Mirandola, 1737 das Herzogtum Novellara und 1741 durch Heirat das Herzogtum Massa-Carrara. Der letzte Herzog von M. aus dem Hause Cste war Hercules III. (gest. 1803), welcher beim Einrücken der Franzosen in Italien 1796 die Flucht ergriff und, im Frieden zu Campo Formio seines Landes beraubt, im Lunéviller Frieden mit dem Breisgau entschädigt wurde, den er an den mit seiner einzigen Tochter und Erbin, Maria Beatrix, verheirateten Erzherzog von Osterreich, Karl Anton Joseph Ferdinand, überließ. Letzterer, der sich nun Herzog von Modena-Breisgau nannte, verlor den Breisgau durch den Preßburger Frieden 1805 und starb 1806. Sein Sohn, der Herzog Franz IV. (s. d.), gelangte erst 1814 wieder in den Besitz der großväterlichen Staaten, wo gleichzeitig auch seine Mutter die Regierung des Herzogtums Massa⸗-Carrara, dem der Kongreß zu Wien die kaiserl. Lehen in der Lunigiana hinzufügte, von neuem antrat. Dieses Herzogtum fiel bei dem Tode der Mutter (14. Nov. 1829) dem Sohne zu und nach dem Tode der Kaiserin Marie Luise, Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla, wurden 1847 einige Gebietsteile von Tosgana und von Parma dem Herzogtum M. einverleibt. Die polit. Reaktion, welche sofort nach der Rückkehr Franz' IV. in dessen Erbstaaten eintrat, machte denselben äußerst unpopulär, und ein 3. Febr. 1831 ausgebrochener Aufstand konnte nur durch die österr. Waffen besiegt werden. Nachdem Franz IV. 21. Jan. 1846 gestorben, folgte ihm sein Sohn Franz V., der dem Regierungssystem des Vaters treu blieb. Bei der wachsenden Unzufriedenheit der Modenesen fühlte sich der Herzog in seinem Lande nicht mehr sicher und rief Osterreichs Hilfe an, worauf M. und Reggio von österr. Truppen besetzt wurden. Tumultuarische Auftritte in den Städten M.s Ende 1847 hatten eine Verstärkung der österr. Hilfstruppen und den Abschluß eines Schutz- und Trutzbündnisses zwischen M. (nebst Parma) und Osterreich im Febr. 1848 zur Folge. Die Aufregung legte sich gleichwohl nicht, und im März 1848 sah sich der Herzog genötigt, das Land zu verlassen. Es wurde eine provisorische Regierung ernannt, welche 29. Mai den Anschluß an Sardinien proklamierte. Allein die Niederlagen des Königs Karl Albert brachten die Revolutionspartei in M. vom Ruder, und bereits 10. Aug. hielt der Herzog Franz V. wieder seinen Einzug in die Hauptstadt. Es begann nun unter dem Einfluß der österr. Militärherrschaft ein Willkürregiment, welches eine Versöhnung der Gemüter unmöglich machte. Beim Ausbruch des Kriegs von 1859 stieg, wie in ganz Mittelitalien, so auch in M. die Aufregung von Tag zu Tag. Der Herzog verließ nach der Schlacht von Magenta sein Land und suchte mit dem größten Teil seiner Truppen (etwa 4000 Mann) Schutz in Österreich. Eine modenesische Nationalversammlung erklärte bereits 19. Aug. die Absetzung der Dynastie, und das Land schloß sich hierauf dem sog. Gouvernement Emilia an, dessen Bestandteile, nach vorausgegangener Volksabstimmung, durch Dekret vom 18. März 1860 mit den Staaten des Königs Victor Emanuel vereinigt wurden. (S. Italien.) Mit dem Tode Mnn V. erlosch 20. Nov. 1875 das Herzogshaus M. im Mannsstamm. Vgl. Muratori, Delle antichità Estensi ed Italianes (2 Bde., Mod. 1717—40); Tiraboschi, «Memorie storiche Modenesi col codice diplomatico (9 Bde., Mod. 1811); Roncaglia, «Statistica generale degli stati Estensis (2 Bde., Mod. 1849—50); Scharfenberg, «Geschichte des Herzogtums M. und des Herzogtums Ferraras (Mainz 1859); (Documenti risguardanti il governo degli Austro-Estensi in M., dal 1814 al 18595 (3 Bde., Mod. 1860); Bianchi, «Cronaca modeneses (Parma, bis 1876, 10 Bde.).