Ferrara-Florenzer Konzil (1438—45) ist berühmt wegen der hier abgeschlossenen Union zwischen der röm. und griech. Kirche. Die Abneigung zwischen dem abenländ. und morgenländ. Katholizismus war im Laufe der Zeit nicht geringer geworden, aber der griech. Kaiser Johannes VI. Paläologos ward von den Türken so hart bedrängt, daß die Hilfe des Abendlandes ihm um keinen Preis zu teuer erkauft schien. Papst Eugen IV. ergriff die Gelegenheit mit Freuden, um gegenüber den Ansprüchen des Baseler Konzils (s. d.) das Ansehen des päpstl. Stuhles zu heben. Nachdem die päpstl. Partei des Baseler Konzils 7. März 1437 Basel verlassen hatte, verlegte Papst Eugen IV. dasselbe Ende 1437 nach Ferrara, wo es 8. Jan. 1438 eröffnet wurde. Anfang März rrn die Griechen ein, der Kaiser und der Patriarch von Konstantinopel mit einem Gefolge von etwa 700 Personen. Am 9. April 1438 wurde die Versammlung feierlich als Unionssynode eröffnet. Ohne Erfolg zogen sich die Verhandlungen über das Filioques (d. h. ob der Heilige Geist, wie die Griechen lehrten, nur vom Vater ausgehe, oder, wie die Römer lehrten, von Vater und Sohn) das ganze Jahr hindurch, und noch war nichts entschieden, als der Papst aus Geldnot das Konzil im Febr. 1439 nach Florenz verlegte. Hier gaben die Griechen nach langen uns dagsden 2 das (Filioques zu, verwahrten sich nur dagegen, es ins Symbol aufzunehmen. Nachdem 10. Juni 1439 der Patriarch von Konstantinopel zu Florenz gestorben war, hatten die Verhandlungen raschern Erfolg. Der Gebrauch von gesäuertem oder ungesäuertem Brot beim Abendmahl wurde für gleichgültig erklärt, die röm. Lehre vom Fegfeuer wurde anerkannt und über den Primat des Papstes eine so zweideutige Formel aufgestellt, daß beide Parteien sich dabei beruhigten. So erfolgte 6. Juli 1439 in der Hauptkirche zu Florenz der feierliche Abschluß der Union. Im Morgenlande fand dieselbe wenig Beifall. Der gelehrte Theolog Markus Eugenicus, Erzbischof von Ephesus, verweigerte der Unionsurkunde seine Unterschrift; sämtliche orient. Patriarchen, mit Ausnahme desjenigen von Konstantinopel, sprachen 1443 den Bann über alle unierten Griechen aus; nach der Einnahme Konstantinopels durch die Türken wurde schon aus polit. Gründen ein Gegner der Union zur Würde des Patriarchen erhoben und 1472 auf einer Synode die Union von Florenz feierlich und förmlich widerrufen. Das Konzil schloß noch Unionen mit den Armeniern (12. Nov. 1439), den Jakobiten (4. Febr. 1442) u. a. Im J. 1443 wurde es nach Rom verlegt und hielt hier 7. Aug. 1445 seine letzte feierliche Sitzung. Vgl. Frommann, „Kritische Beiträge zur Florentiner 3e Deitrage gunge (Halle 1872); derselbe, «Kritische Beiträge zur Geschichte der Florentiner Kircheneinigungo (in Jahrbücher für deutsche Theologied, 1877); Hefele, „Konziliengeschichtes (Bd. 7, Tüb. 1874).