FeedFerrari (Gaudenzio)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Ferrari (Gaudenzio), Maler der mailänd. Schule, geb. zu Valduggia im Mailändischen 1484, gest. 1549, hat wahrscheinlich seine Lehrjahre in der ältern mailänd. Schule vor Leonardos Einwirkun auf dieselbe (also vor 1482) zugebracht und sich dann in den Schulen des Pietro Perugino und Rafael vervollkommnet. Er vereinigte diese verschiedenartigen Richtungen in sich und verband damit einen ihm eigentümlichen realistischen Zug, welcher seinen Bildern eine gewisse Heiterkeit gibt, die durch Lebendigkeit und reiche Fülle der Darstellung unterstützt wird. In der Farbe ist er tief und klar, aber nicht immer harmonisch, in der Zeichnung korrekt und Verkürzungen liebend. F. erinnert lebhaft an seine Vorbilder, an welche er oft nahe heranreicht; doch erreicht er nicht immer deren Würde in seinen heiligen Konceptionen. Er war einer der fruchtbarsten Maler seiner Zeit und hat namentlich eine Menge von Fresken ausgeführt, welche im Kolorit kaum den Luinischen nachstehen. Die meisten seiner Werke finden sich in der Lombardei. So enthält die Brera in Mailand neben vielem andern auch die Marter der heil. Katharina, welche ihn auf seinem Höhepunkte zeigt. Sein umfangreichstes Werk sind die den Opfertod Christi darstellenden Fresken in 40 Kapellen zu Varallo in Piemont. In Vercelli enthält das Refektorium von San-Paolo ein Abendmahl, welches den Einfluß von Leonardos Darstellung zeigt. In der Kirche zu Saronno schmückte er die Kuppel mit einer Engelsglorie; die Brera besitzt ferner die früher in Santa-Maria della Pace gewesenen Fresken mit Darstellungen aus der Geschichte der Heiligen 1 von größter Meisterschaft. Von seinen Nachfolgern ist A. Solario der bedeutendste. Niaang (Giuseppe), ital. Philosoph, geb. 181² in Mailand, studierte in Pavia, wurde dann Mitarbeiter verschiedener polit. Journale und intimer Freund des Philosophen Romagnosi. Ruf erlangte er durch seine Ausgabe von Vicos sämtlichen Werken (6 Bde., Mail. 1836—37), denen er einen Band über Vicos Geist beifügte. Im J. 1839 ging F. nach Frankreich und veröffentlichte dort in demselben Jahre seinen Vico et IItalie »‚ ein Résumé seiner Arbeiten über Vico. Im J. 1840 erhielt er eine Professur der Litteratur an der Universität in Rochefort; doch mußte er dieselbe seiner sozialistischen Tendenzen halber schon 1841 wieder aufgeben. In demselben Jahre schrieb er De P'erreuro und „De religiosis Campanellae opinionibusv. Inzwischen hatte F. einen Ruf an die Universität Straßburg erhalten. Dort denunzierten ihn die Ultramontanen, indem sie eine Stelle des Platon für eine solche aus F.s Werken ausgaben, wegen kommunistischer Lehren, weshalb er von Villemain, 18 Tage nachdem er seine Lehrthätigkeit begonnen, abgesetzt ward. Zu seiner Rechtfertigung gab F. Idées sur la politique de Platon et de Aristotés (Par. 1842) heraus. Im J. 1847 erschien eins seiner bedeutendsten Werke: Essai sur le principe et les limites de la philosophie de Ihistoirev. Nach der Februarrevolution von 1848 setzte ihn Carnot wieder in sein Amt ein, doch ging er noch in demselben Jahre von Straßburg nach Bourges, wo er bald von neuem suspendiert ward. nfolge der Vorgänge von 1859 kehrte F. nach Italien zurück, wo er nacheinander Professor in Turin und Mailand und sodann ins piemont. Parlament gewählt wurde, in welchem er das Föderativsystem vertrat und Cavours Annexionspolitik mit Energie bekämpfte. Seitdem war er ununterbrochen Deputierter. Er starb 1. Juli 1876 in Rom. F. schrieb teils französisch, theils italienisch und gab unter andern noch folgende Werke heraus: Machiavel, juge des révolutions de notre tempsy (Par. 1849), Les philosophes salariésd (Par. 1849), „La federazione repubblicana (Par. 18510, La filosofia della rivoluzione (Par. 1851; 2. Aufl., 2 Bde., 1873), (L'Italia dopo il colpo di Statoß (Par. 1852), (Histoire des 1évolutions d'Italie, ou Guelfes et Gibelinso (2Bde., Tur. 1856 —58), L'annéxion des Deux-Sicileso (Tur. 1860), „Ilistoire de la raison d'Etate (Par. 1860), La Chine et I'Europe, leur histoire et leur traditions comparées (Par. 1867), «Corso di lezioni sopra principali scrittori politici d'Italiad (Mail. 1862 —63 u. öfter), «Storia delle rivoluzioni d'Italiap (3 Bde., Mail. 1871—73), Teoria dei periodi politiciv (Mail. 1874). Vgl. Mazzoleni, „Giuseppe F.v (Mail. 1876). verrari (Lodovico), ital. Mathematiker, geb. 2. Febr. 1522 zu Bologna, gest. im Okt. 1565, war Schüler Cardanos und fand die Lösung der Gleichungen vierten Grades. Gedruckt sind von ihm nur einige Streitschriften gegen Tartaglia.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 704Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6