Festungen, welche nur eine Umwallung haben, müssen so gebaut sein, daß der Angreifer nur mittels der förmlichen Belagerung sich derselben bemächtigen kann. Auf besonders bedrohten Fronten sind einzelne vorgeschobene Werke nicht ausgeschlossen. Sperrforts müssen so stark sein, daß der Angreifer nur mittels Belagerungsgeschützen sich in Besit derselben setzen kann. Lmo der 6r Grabenflankierung, gedeckte Aufstellung der eschütze, gesicherte Unterbringung der Besatzung sind Bedin-Rämnar Die Anwendung von Panzertürmen ist häufig angezeigt. Über Anlage eines Contreminensystems bei Festungswerken s. unter Mine, über F. an den Küsten s. unter Küstenbefestigung. Geschichtliches über Festungsbau. Mit den ersten festen Ansiedelungen bilden sich auch die Anfänge der Ortsbefestigung aus, bestehend in einer Umschließung von Pfahlwerk, Erd- oder Steinwall. Später tritt die Mauer an ihre Stelle, deren Krone als Aufstellung für die Verteidiger dient. Besondern Wert legt man auf die Befestigung der Hauptstädte; so finden wir in Asien Babylon mit einer Ringmauer von 8 Meilen Umfang, 250 Fuß stark, 40 Fuß hoch, mit 100 Thoren, umgeben; 250 Türme erheben sich um 50 Fuß über die Krone der Mauer. In Griechenland findet man unter dem Namen der Cyklopenbauten noch heute die Reste der Mauern, welche die Pelasger aus immensen Steinblöcken aufführten. In der histor. Zeit sind die Plätze mit Mauern von 10 Fuß Stärke und 20 — 30 Fuß Höhe umgeben, welche mit schwachen Zinnenmauern gekrönt waren. In Abständen von Pfeilschußweite waren die Mauern von Türmen überragt, de Nn erst in der spätern Zeit zur Flankierung über die Mauer vorsprangen. Den Hauptwert legte man auf das Dominieren der Türme. Ein Graben vor der Mauer kam selten vor. Vor den Thoren und Ausfallpforten lagen Vorwerke, aus Palissaden oder niedrigen Mauern bestehend. Die Römer umschließen ihre Städte entweder mit einer freistehenden Ringmauer, oder sie legen behufs größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber den Breschwerkzeugen eine Erdanschüttung hinter dieselbe; auch bedienen sie sich zweier Mauern, deren Zwischenraum mit kleinen Steinen und Mörtel ausgefüllt wird. Türme zur Seitenbestreichung sind zwar oft, aber nicht immer vorhanden. Die Thore sind überwölbt und liegen entweder in einem Turm oder sie werden durch zwei Seitentürme flankiert. Ein Thorhof (propugnaculum) mit Pforte und Fallgatter wird zur Sicherung vor das Thor geschoben. ö Im Mittelalter sind die Ringmauern der Städte in der Regel 10—16 m hoch, etwa 2 mstark, oben mit Zinnen und Wehrgang versehen. Letzterer kommt auch auf halber Höhe vor und bedingt dann Scharten in der Mauer für Bogen und Armbrust. Sehr häufigen Gebrauch machte man von Erkerbauten, deren Fußboden Offnungen, Maschikulis genannt, hatte, um durch dieselben den Fuß der Mauer von oben her bestreichen zu können. In späterer Zeit ließ man die Zinnen über die vordere Mauerflucht hinausragen und schuf so zusammenhängende Umgänge, mit Maschikulis versehen. Häufig liegt eine niedrige Außenmauer in kurzem Abstande vor der hohen Hauptmauer; der als Sammelplatz dienende Zwischenraum heißt Zwinger. Die Türme, von der Ringmauer abgeschlossen, sind viereckig oder rund, 12—20 m ehoch, oben mit Zinnen, tiefer unten mit Scharten versehen. (S. Fig. 1 und 2 der Tafel.) Die Thore sind selbständige Werke innerhalb der Umfassung; vor dem Thor liegt ein Vorwerk, die Barbigän, später Bollwerk genannt. Der Graben, anfangs schmal und seicht, wird später vergrößert. Als Kern der Befestigung dient der Donjon (s. d.). Infolge der Anwendung der Pulvergeschütze (13— 1400) wird es dem Angreifer möglich, die ungedeckten Festungsmauern aus der Ferne zu zerstören. Die schmalen Mauerkronen und die engen Türme bieten keinen genügenden Aufstellungsraum für die Geschütze des Verteidigers. Man legt nun entweder vor oder hinter die Mauer einen Erdwall mit Brust6670 und Wallgang, der die gehörige Breite zur Geschützaufstellung hat. Die Mauer dient im ersten Falle als Generalabschnitt, im zweiten gibt sie dem Wall die Sturmfreiheit. Bei Neuanlagen stellt man die Mauer, welche vorwärts des Walls liegt, auf die Sohle eines breiten und tiefen Grabens, wodurch ihre untere Hälfte dem direkten Schusse des Angreifers entzogen wird. Die Türme werden geräumiger gebaut; es entsteht an ihrer Stelle die vorn halbrunde, hinten viereckige Bastei, welche so weit in den Graben vorspringt, daß sie diesen flankieren kann. (S. Fig. 3 der Tafel.) Mit dem Ausgange des 15. Jahrh. entwickelt sich in Italien ein Befestigungssystem, welches eine Fortbildung der bisherigen Anordnungen und die Anfänge der bastionierten Befestigung darstellt und als altital. Manier (s. Fig. 4 der Tafel) bezeichnet wird. Die Fronten der Umfassung haben eine sehr bedeutende Länge; an den Endpunkten derselben liegen flache, kleine Bastione, deren Flanken rechtwinkelig zur Courtine stehen und den Graben vor dieser bestreichen. Durch die Form der Bastione wird eine bessere Aufstellung und Wirkung der Geschütze ermöglicht, als es bei den Basteien der Fall war, welche nach außen excentrisches Feuer ergaben. Bei sehr langen Fronten werden flache Mittelbastione angelegt. Die Flanken sind des bessern Schutzes ihrer Geschütze halber zurückgezogen; unter den offenen Erdflanken liegen kasemattierte Geschützstände. Die den Flanken Deckung gewährenden Ansätze der Bastione heißen Bollwerksohren oder Orillons. Vor der Front liegt ein breiter, tiefer Graben und jenseit desselben ein schmaler gedeckter Weg, dessen Brustwehr durch das Glacis gebildet wird. Das Mauerwerk der Escarpe reicht bis ur äußern Brustwehrkrete. Bei der neuital. Befestaungsweise (s. Fig. 5 der Tafel), welche um 1550 aus der ältern sich entwickelt, sind die Fronten kürzer, die Bastione vergrößert und weiter vorspringend, sodaß sie jetzt zur Hauptstellung und demgemäß auch zu Angriffspunkten für den Belagerer werden, welcher bisher seinen Angriff auf die Courtinen als Hauptposition des Verteidigers erichtet hatte. Die den Flanken zunächst liegenden eile der Courtinen bestreichen als Nebenflanken den Graben vor den Bastionsfacen. Vor der Courtine liegt das Ravelin, der gedeckte Weg hat Waffenplätze, seine Brustwehr folgt der Richtung der Bastions⸗ und Ravelinfacen. Die ital. Kriegsbaumeister standen auch auswärts in Ansehen; viel Plätze außerhalb Italiens sind von ihnen und nach ihren Grundsätzen gebaut. In den Niederlanden entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. eine Befestigungsweise (s. Fig. 6 der Tafel), deren Charakter durch die Bodenbeschaffenheit des Landes und den Drang der Umstände, unter welchen die von Spanien abgefallenen Staaten ihren F. ausführen mußten, bestimmt wird. Wassergräben, Erdwälle ohne Mauerbekleidung, hoher und niederer Wall voreinander liegend, zuchen Außenwerke kennzeichnen den niederlänischen F., welcher in Freitag (s. d.) 1630 seinen Schriftsteller Mamier or hat. Der Grundriß ist dem der neuital. Manier entsprechend. ö In Frankreich entstand durch Pagan und Vauban (s. d.) im Laufe des 17. Jahrh., aus der neuitalienischen hervorgehend, die altfranz. Manier (s. Fig. 7, und 10 der Tafel), welche sich durch vergrößerte und weiter vorspringende Bastione und Raveline, kurze Courtinen, eine veränderte Stellung der Flanken (senkrecht oder n senkrecht zur Defenslinie), Verwerfung der Mauerhohlbauten kennzeichnet. Vauban gab seinen beiden ersten Manieren dadurch selbst einen Stoß, daß er den Parallelenangriff ausbildete und den Rikoschettschuß erfand, weshalb er später die Schwächen der beiden ersten in seiner dritten Manier durch beschränkte Anwendung von Mauerbau und durch Anlage mehrerer Umwallungen hintereinander unschädlich zu machen suchte. Cormontaigne (s. d.Wund die Schule von Mezieres arbeiteten an der Verbesserung der Vaubanschen Befestigungsmanieren durch Verkürzung der Courtinen, Vergrößerung der Bastione, Raveline und Waffenplätze, Anbringung von Reduits in beiden letztern und von Außenwerken. Außerdem suchten sie die einzelnen Linien besser zu defilieren und das Mauerwerk vollkommener zu decken. Die altniederländ. Manier wurde wesentlich verbessert durch Coehoorn (s. d.), einen Zeitgenossen Vaubans, welcher nasse und trockene Gräben zur Verbindung der passiven und aktiven Verteidigung annahm, lange Flanken zu besserer Bestreichung der Gräben und außerdem den Mauerbau und Außenwerke zur Anwendung brachte. (S. Fig. 9 der Tafel.) In Deutschland bildete sich, wenigstens in der Praxis, keine bestimmte Befestigungsmanier heraus. Im allgemeinen huldigten die deutschen Kriegsbaumeister dem Hohlbau in Mauerwerk, so Dürer bei seinen Basteien, und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. Speckle, der in den Facen und den auf den Defenslinien senkrecht stehenden Flanken der Bastione kasemattierte Batterien anbrachte. Rimpler, welcher bei der Belagerung von Candia (1667—-69) reiche Erfahrungen gemacht hatte, will eine thätige Verteidigung durch Ausfälle und Abschnitte, daher trockene Vorgräben mit zum Teil rampenförmiger Contrescarpe, doppeltes Glacis mit Stützpunkten in kasemattierten Werken, doppelte Enceinte und zahlreiche Kasematten, endlich Mittelbollwerke und zur Verstärkung des Flankenfeuers nach innen gebrochene Courtinen. Der ältere und der jüngere Landsberg (1648, beziehungsweise 1746) bilden das Tenaillensystem aus. Durch Wallrawe (1728 Chef des Ingenieurkorps in Preußen) und Friedrich d. Gr. entwickelt sich im 18. Jahrh. die sog. altpreuß. Befestigungsweise. Die Bauten des erstern zeigen tenaillierten Grundriß mit schmalem, tiefem Graben, hoher Contrescarpe, niederer Escarpe, eine eigentümliche Enveloppe, deren Graben zugleich als gedeckter Weg dient, zahlreiche Kasematten zur sichern Unterkunft der Truppen. Durch Friedrich d. Gr. werden bei der Befestigung von Neisse und Glatz einzelne, durch Wälle verbundene selbständige Werke verschiedener Form angewandt. Es finden sich niedere Grabenflankierung, kasemattierteGeschützstände, Einrichtung des gedeckten Wegs zur offensiven Verteidigung, Anlage von Abschnitten, Reduits, bombensichern Kasernen und vorgeschobenen Forts. Gegen die durch Vauban und Cormontaigne in Frankreich eingeschlagene Richtung erhob sich im Uletzten Viertel des 18.Jahrh. in diesem Lande selbst eine entschiedene Opposition. Der franz. Dragonergeneral Montalembert (s. d.), welcher dieser angehörte, machte hauptsächlich folgende Vorschläge: Anwendung eines dem Angriff überlegenen Geschützfeuers aus etagenförmig übereinander liegenden Mauerhohlbauten, Verwerfung des hierzu als ungeeignet erachteten Bastionärsystems und Anwendung des tenaillierten oder des polygonalen Grundrisses, Anlage zahlreicher Verteidigungskasematten, permanenter Abschnitte und einer Kette von detachierten Forts. (Montalemberts Tenaillensystem s. Fig. 11 der Tafel.) Der Hauptwall hat hier als Escarpenbekleidung eine einstöckige kasemattierte Galerie, dahinter die in Erde ausgeführte Partikular-Couvreface, dann einen nassen Abs chnittsgraben, hinter dem der eigentliche Wall folgt, in dessen Tenaillen runde, zwei⸗ bis dreistöckige Türme als Reduits liegen. (Die nachstehende Fig. 12 zeigt einen Montalembertschen Turm.) Der nasse ser Graben und endlich der gedeckte Weg mit Reduits in den Waffenplätzen. Carnot (f. d.) will die Verteidigung hauptsächlich durch Ausfälle und Wurffeuer fuhren, schlägt daher rampenförmige Contrescarpe (glacis en contrepente)' und kasemattierte Mörserbatterien vor. Die Sturmfreiheit der Escarpe soll durch eine freistehende Bogenmauer mit Gewehrscharten (creneliert) erreicht werden. Die Vorschläge Montalemberts und Carnots fanden keine Beachtung in Frankreich, das mit Starrheit am Bastionärtrace festhielt und nur unbedeutende Modifikationen der altfranz. Manier zuließ. Dagegen bildeten sie die Grundlage der in Deutschland nach 1815 sich entwickelnden neupreuß. Befestigungsweise, die sich wie folgt kennzeichnet. Der Hauptwall hat polygonalen Grundriß, die einzelnen Fronten, 6—900 m lang, sind anfänglich schwach nach innen gebrochen (s. Fig. 12 und 13 der Tafel), die spätern Formen (s. Fig. 14 und 15 der Tafel) nähern sich wieder etwas dem bastionierten Tracé. Vor der Mitte der Front liegt eine mächtige Grabenkaponniere, welche in mehrern Etagen eine kräftige Bestreichung des Grabens durch Geschütz⸗ und Gewehrfeuer gewährt, nach außen durch eine Art Ravelin gedeckt. Die Escarpe des Hauptwalls hat freistehende erenelierte Mauer. In den Waffenplätzen des gedeckten Wegs liegen gemauerte Reduits. Hinter dem Hauptwall befinden sich häufig große verteidigungsfähige Kasernen, welche als Reduits für mehrere Fronten dienen. Vor der Hauptumwallung liegen 500—1000 m vorgeschobene Forts mit großen Kehlreduits (s. Fig. 16 und 17 der Tafel), Schulterkaponnieren oder Saillant- und Endkapon— ö nieren. Die Forts decken die Hauptumwallung gegen wirksame Beschießung aus damaligen Geschützen und schaffen ein bedeutendes Offensivfeld. (Eine derartige Festung s. Fig. 23 der Tafel.) Solange die Verteidigung nur mit der beschränkten Wirkungssphäre und Treffsicherheit der glatten Geschütze und ihrer geringen Befähigung zum indirekten Schuß zu rechnen hatte, besaßen die Anordnungen des neupreuß. Systems ihre Berechtigung. Dem gezogenen Geschütz gegenüber sind sie aber nicht als genügend widerstandsfähig zu betrachten. Dies führte zu den umfassenden Modifikationen derselben, die in der oben durchgeführten Darlegung der heutigen Befestigungsweise ihren Ausdruck gefunden haben.