FeedFeuerland oder Tierra del fuego
ErdkundeBrockhaus 1882

Feuerland oder Tierra del fuego, ein aus 11 großen und mehr als 30 kleinen Inseln bestehender Archipel, der zwischen 52—56 südl. Br. und 46—58 westl. L. (von Ferro) an der Südspitze Amerikas und auf der Grenze des Atlantischen und Stillen Oceans liegt und vom Festlande durch die Magellansstraße getrennt ist. Die Inseln haben einen Gesamtflächenraum von etwa 73131 qkm. Die größte, König-Karls-Südland (48114 akm), ist, wie die andern und wie die Küste des Festlandes, auf der Westseite von Buchten und schmalen Meeresarmen oder Fjiorden zerschnitten und mit Felsgebirgen erfüllt, im O. dagegen flach, fast baumlos, nur mit Strauchwerk und Gras bedeckt, welches Herden von Guanacos nährt. Die Gebirge starren hier mit ihren Zackengipfeln weit in die Region des ewigen Schnees empor, dessen untere Grenze etwa 1140 m hoch liegt. In ihren Schründen ragen die Gletscher bis in die Fjords hinab. Die hohen Gehänge sind mit Torfmooren bedeckt, die niedrigen Seitenabfälle mit dichtverschlungenen Waldungen bis zur Höhe von 500 mebesetzt. Die höchsten Berge liegen auf dem südwestl. Teile der Hauptinsel: der Darwin 2100 und der Sarmiento 2070 mnhoch. Die kleinern Inseln haben Berge von 750—900 m Höhe. Der erst 1830 entdeckte, 180 km Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. lange und sehr schmale, von einer besonders großartigen Natur umgebene Beagle-Kanal trennt im S. von der Hauptinsel eine Reihe größerer und kleinerer Inseln und Inselgruppen: Navarin (2480 akm), Hoste (6600 aEm) mit der Halbinsel Hardy, deren südlichste Spitze das Falsche Kap Hoornheißt; Gordon, Londonderry und Stewart. Westlich von der Hauptinsel folgen Dawson (1320 qkm), Clarence (2750 qkm) und Desolation oder Sta.⸗ Ines. Südwärts von Navarin liegt jenseit der Nassau-Bai die Insel Wollaston (495 qkm), südlich von dieser jenseit des Franklin-Sundes die gewöhnlich unter dem Namen der Hermiteninseln zusammengefaßte Gruppe, zu welcher Herschel, Hall, Hermite (220 qkm groß und im Katers-Peak 565 m hoch) und Hoorn (16 qkm) gehören. Letztere, die südlichste des Archipels, von den beiden vorhergenannten durch die schmale St.⸗Francisbai geschieden, ist eine fast senkrecht gegen 150 m hoch majestätisch aus den Wogen emporstarrende schwarze, völlig kahle, einsame und selbst nicht einmal von Seevögeln besuchte Felsenmasse, das ½½½½ verrufene Kap Hoorn (55 5850“ südl. Br.), benannt nach dem Geburtsort des Holländers Wilhelm Schouten, von dem es 1616 zuerst umsegelt wurde. Weiter im SW., unter 56 37 südl. Br., liegt die kaum zum F. zu rechnende Gruppe der kleinen Diego-Ramirez-⸗Inseln. Die östlichste Insel des ganzen Archipels ist die Stateninsel, 619 qkm groß und durch die Straße Le Maire von der Südostspitze der Hauptinsel getrennt, durch welche, sowie um das Kap Hoorn, die Schiffahrt nach Westamerika mit den größten Gefahren verbunden ist. Die Stateninsel wird, weil die Engländer auf ihr des Walfischfangs wegen früher die Niederlassung Hopparos angelegt hatten, noch als brit. brit. bezeichnet, wird indessen in den offiziellen brit. Kolonialtabellen keineswegs namhaft aufgeführt. Das Klima des Archipels ist rauh und naßkalt; es schneit und regnet das ganze Jahr hindurch in Strömen. Am Kap Hoorn maß die Regenmenge, welche binnen 41 Tagen fiel, fast 380 em. Die mittlere Temperatur des Jahres ist 5', die des Sommers 9,3e, des Winters 0,44˙ R.; doch fällt das Thermometer auch bis 9 unter den Gefrierpunkt. Der Frost dauert indes nicht lange und soll weniger streng sein als in England. Die Inseln haben eine ganz eigentümliche Rora und nur wenige (meist antiskorbutische) Gewächse mit Patagonien und den höhern Anden, dagegen eine große Menge mit Großbritannien gemein. Charakteristisch ist das Vorherrschen der immergrünen Pflanzen. Die Waldungen bestehen hauptsächlich aus der birkenblätterigen Buche (Fagus antarctica und Forsteri) und Bäumen der Winterrinde (Drymis Winteri), welche ihre braungrünen, ins Gelbe scheinenden Blätter nie abwerfen und den düstern Anblick der Landschaft noch steigern. Dazwischen blühen Fuchsien, Veroniken mit holzigen Stämmen, Berberizen, Johannisbeeren, Ranunkeln, Schuhblumen, Veilchen, Primeln und Grasnelken. Wilder Sellerie und Löffelkraut sind die einzig eßbaren Gewächse, und ein hochgelber Schwamm, der an den Bäumen wächst, macht einen großen Teil der vegetabilischen Nahrung der Eingeborenen aus. Reptilien fehlen gänzlich; Insekten finden sich äußerst selten. Außer Kolbibris und Papageien sowie einigen Geiern und Habichten gibt es keine Landvögel. Die einzigen vierfüßigen Tiere scheinen der Hund und das Guanaco zu sein. Dagegen — es viele Walsische, Seehunde, Seelöwen, Schaltiere und Wasservögel, namentlich Enten, Moöwen, sog. Port-Egmontshühner und wilde Gänse. Die Eingeborenen, Pesche— 3bl, d. i. Freunde, genannt, etwa 2000 an der Zahl, ein kleiner, häßlicher, bartloser Menschenschlag mit langen schwarzen Haaren und von eisenrostartiger Hautfarbe, stehen auf der niedrigsten Stufe der Kultur. Gemäß Art. 3 des am 23. Juli 1881 zwischen Chile und Argentinien zu Buenos-Ayres geschlossenen Grenzvertrags (ratifiziert ebendaselbst 22. Okt. 1881) ist im F. eine Linie gezogen, welche von dem Vorgebirge Espiritu-Santo unter 52° 40, südl. Br. ausgeht und nach S. bis zum Beagle-Kanal mit dem Meridian von 68 34 westl. L. (von Greenwich) zusammenfällt. Das westlich dieser Linie gelegene Gebiet (52 689 qkm) des F. gehört zu Chile, das östlich gelegene (20442 akm) zu Argentinien. Von den anliegenden Inseln des Feuerlandarchipels gehören die Stateninsel nebst H bei ihr gelegenen Eilanden, ebenso wie die östlich des F. im Atlantischen Ocean befindlichen zu Argentinien, alle südlich des Beagle-⸗Kanals bis zum Kap Hoorn und im W. des F. gelegenen Inseln zu Chile. euerlanzen, s. unter Brandgeschosse. euerlinie, in der Taktik die dem Feinde unächst befindliche Gefechtslinie, die bei der In⸗ —— durch die Schützenlinie dargestellt wird; in der Befestigungskunst die innere Krete, d. h. diejenige Linie, welche durch den Schnitt der Krone und der innern Böschung einer Verteidigungsanlage gebildet wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 753Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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