FeedFeuillette
ErdkundeBrockhaus 1882

Feuillette oder Feuille hieß ein ehemaliges franz. Flüssigkeitsmaß, welches die Hälfte des Muid ausmachte, 18 Veltes (Viertel) oder 144 Pintes enthielt und 134½½ Woder 6760,8 alte pariser Kubikzoll war. Das Maß war im Großhandel etwas reichlicher als dieses Kleinhandelsgemäß, und zwar die F. = 136,97366 I, wie sie noch heute im Entrepöt von Paris gerechnet werden. In Bordeaux, wo noch die alten örtlichen Weinmaße in Gebrauch sind, hat das F., das Aquivalent der oen Barrique (des halben Orhoft) oder der halben Bordelaise, nur 15 Veltes, und man rechnet daselbst die Veltes gemeinhin zu 7,6 1 (statt genau zu 7,60 964 1 383,620s pariser Kubikzoll), die F. zu 136,81. eurs, Stadt im franz. Depart. Loire, Arrondissement Montbrison, 23 Km im NO. von Montbrison, am rechten Ufer der Loire, oberhalb der Einmündung der Oise, in der nach der Stadt benannten Forez-Ebene, in 340 m Höhe, ist Station der Linie Roanne-St.⸗Etienne-Lyon der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, zählt (1876) 2695, als Gemeinde 3216 E. und hat Getreide⸗ und Futterhandel, berühmte Schweineschlächterei, Gießerei und Essigfabrikation. Bemerkenswert sind die aus dem 12. Jahrh. stammende Kirche, zum Teil im got. Stil umgebaut, mit schöner Feusterrose über dem Portal; die dem Andenken an die Opfer der großen Revolution 1824 errichtete Chapelle expiatoire und die Bronzestatue des beim Sturme von Konstantine gefallenen Colonel Combes, von Foyatier. In 2 kKm tige Fontaine des Quatre. — F., ein Fundort vieler röm. Antiquitäten, hieß im Altertum Forum Segusianorum (als röm. Kolonie mit dem Zunamen Julia Felix), in der Karolingerzeit Forum im Pagus Forensis, war bis 1441 Hauptstadt der Grafschaft Forez, kam mit dieser 1532 an die Krone und gehörte in der Bourbonenzeit zum Gouvernement Lyonnois. Feval (Paul Henri Corentin), franz. Romanschriftsteller, geb. 27. Sept. 1817 zu Rennes, 115 dierte Jurisprudenz in seiner Vaterstadt, verließ aber nach dem ungünstigen Ausgange des ersten ihm anvertrauten Prozesses die Advokatenpraxis, nahm 1838 eine Stelle als Commis in einem Bankierhause an und widmete sich dann ganz der Litteratur. Einige Artikel für den Nouvellistev, dessen Korrektur er besorgte, und mehrere Vaudevilles für namhafte Vertreter dieses Bühnenfachs, die dramatische Anfängerstücke aufkaufen, machten seinen Namen zuerst bekannt. Eine in der Revue de Pariso (1841) veröffentlichte originelle Erzählung, Le club des Phoqueso, und der Roman Les chevaliers du firmamento öffneten ihm die Spalten vielgelesener Tagesblätter. Der Beifall des Loup blanc im Feuilleton des 4Courrier françaiso (1843) bewog einen Spekulanten, ihm die Abfassung der Mystêres de Londreso (11 Bde., Par. 1844) zu übertragen, unter der Bedingung, daß er sie mit dem engl. Namen Francis Trollope unterzeichne. Dieser aus dem Stegreif geschriebene Roman, mit ebenso viel Kraft als Feuer hingeworfen und voll schauerlicher Begebenheiten, fand großen Beifall, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 1848 als Drama im Theätre historique gespielt. Besonderes Glück machten ferner: Le tils du diablen (1847 als Feuilleton in der Epoquev und als Drama 120mal hintereinander im Ambigu-Comique gespielt), Le Bossup (der 1858 als Feuilleton im Siècles erschien und als Drama 250mal hintereinander in der Porte Saint-Martin zur Aufführung kam), 4OL.e Capitaine Fantöme, Roman und Drama (1860), die Romane: Madame Gil-Blasv, Les habits noirs o u. s. w. Zu F.s Romandichtungen der neuern Zeit gehören: Le dernier vivanty (2 Bde., Par. 1873), La fontaine aux perleso (1874), „Le Chevalier de Keramouro (187%0 u. a. Seit 1876 hat F. sich in einen gläubigen Katholiken umgewandelt und seine religiösen lUberzeugungen in seinen neuesten Romanen niedergelegt: Chaàteau pauvren (1877), Les étapes d'uné conversiono (1877), Les merveilles du Mont Saint-Michely (1879). Ein großer Teil von F.s Romanen ist auch in deutscher Übersetzung erschienen. Überwiegend bei F. sind Phantasie und Leidenschaft; sein Stil ist lebendig, beseelt; er nimmt sich aber nicht die Zeit, ihn gehörig zu feilen und durchzuarbeiten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 773Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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