Fezzan, Fessän oder Fesän, die südlichste Provinz der türk. Regentschaft Tripolis in Nordafrika, ein großes Oasenland, das sich vom Orte Tedscherri, 70 km nördlich vom Brunnen Meschru, bis zur Stadt Bondschem (24 bis 30 43 nördl. Br. und etwa vom 29. bis zum 36.“ östl. L. von Ferro) erstreckt, 405300 gkm umfaßt und nur ungefähr 43000 E. zählt. Es zerfällt in 10 Verwaltungsbezirke, von denen der nördlichste der Distrikt des unbesoldeten Mudir von Bondschem oder Bu N'dscheim (90 km vom Syrtenmeer), der südlichste die Mudirija von Scherqija ist. In die nördl. Teile F.s reicht von Westen her das wasser⸗ und vegetationslose, steinige und unbewohnte Tafelland Donmädmel Homra herein, an das sich Uoder von Sökna der 37 km breite Dschebl-Sudah oder die Schwarzen Berge anschließen, ein Plateau mit aufgesetzten Bergen, welche im SW. von Sökna eine Höhe von 900 merreichen. Die Berge umschließen gerundete, abgeschlossene Thäler ohne jede Spur von organischem Leben. An der Ostgrenze findet Gebirgszusammenhang mit dem Schwarzen Harnisch (Mons ater bei Plinius) statt, einer Region niederer Hügelreihen, isolierter und steiler Felsberge, die durch gras- und brunnenreiche Thäler und Schluchten voneinander getrennt sind. Südlicher streicht jenem parallel der unbedeutende Weiße Harutsch durch die Wüste, eine mit glasierten Steinen und Versteinerungen bedeckte und von isolierten Bergen und Hügeln überhöhte Ebene. Im S. des Dschebl-Sudah erstreckt sich die ganz ebene, wasser⸗, tier- und pflanzenlose, überall mit einer Salzkruste überzogene Wüste Ben-Afién bis zu den Quellen Ummel-Abid. Weiterhin erhebt sich das Plateau von Mursuk, welches die Mitte und den Süden des Landes einnimmt. Außer dem Salz, woran F. unermeßlich reich, findet sich auch Soda, Alaun, Salpeter und Schwefel vor. Der feine gelbe Wüstensand erfüllt gewöhnlich auch die Einsenkungen der Wadi (s. d.), innerhalb deren sich wenige Meter unter dem Sande reichlich Wasser vorfindet. Ein Fluß ist im Lande nicht vorhanden. Nur wo in den Wadis Feuchtigkeit vorhanden, werden in der Nähe der Ortschaften Palmen in Gruppen und Wäldchen kultiviert und Korn und Gemüse gebaut. Die fruchtbarste Gegend ist das Wadi-el-Gharbi (das Westthal) im NW. von Mursuk, mit förmlichen Dattelwäldern, Weizen⸗ und Gerstenfeldern, in dessen Norden sich in völliger Wüste die reichhaltigen Natronseen F.s befinden. Der tiefste See ist 756 m tief und in ihm lebt der kleine rote Fesanwurm oder Dut, der 2 em groß ist und mit Dattelteig gemengt gegessen wird. Der kleinste, der Tronasee, liefert jährlich 7000 Ctr. solcher Würmer und ist verpachtet. Das Klima ist im Sommer sehr heiß (bis 45 C.), im Winter kalt. Regen fällt selten und wenig; auch Gewitter sind selten, Sturm dagegen häufig. F. hat keine wild wachsenden Pflanzen, außer einem Tamarixstrauch und einer stacheligen Papilionacea (arab. Aghul), welche Kamelfutter abgibt. Kultiviert wird im Winter etwas Gerste und Weizen, im Sommer Gussub und Gafuly oder Mais. Ganz F. lebt von der Dattelpalme, von welcher der Reisende Vogel in der Umgegend von Mursuk 37 Varietäten zählte. In manchen Gegenden werden treffliche Wassermelonen, Granat-⸗ und Feigenbäume kultiviert. Von Haustieren zieht man vorzugsweise Ziegen, auch Kamele, Esel und Pferde, Schafe mit Fettschwänzen, Hühner und Tauben. Größere wilde Tiere gibt es nach Rohlfs in F. nicht. Die Einwohner sind ein sehr gemischt brauner, ziemlich negerartiger, doch im ganzen wohlgestalteter Menschenschlag. über den südwestl. Teil mit der Oase Sebha und dem Wadi-el-Gharbi und el-Scherki längs der Hammaäda von Mursuk (wo im W. zur Römerzeit Garama lag, die Stadt der Garamanten, bei den jetzt Alt-Germa genannten Ruinen, ein noch im 7. Jahrh. vorhandener Ort) haben sich die Tuareg verbreitet, namentlich die Kel-Tinälküm; die nomadischen Bewohner gehören hauptsächlich drei arab. Stämmen an: den Riah, zwischen Sökna und dem Harudsch, und westlicher den Hotmän und Megärha. Außer Feld⸗ und Gartenbau beschäftigt sich die Bevölkerung nur mit der Sorge für die unentbehrlichsten Bedürfnisse. Der Karawanenhandel zwischen der Küste und Innerafrika, für welchen F. das wichtigste Passageland bildet, ist, mit Ausnahme des Sklavenhandels, nicht bedeutend. Der Konzentrationspunkt des Handels ist Mur⸗ * oder Mursuk, in 543 m Höhe, die Haupt⸗ und iesidenzstadt des Paschas, wo die Karawanen von Tunis, Ghadames und Tripolis, von Kairo (über Audschila), von Bornu (über Bilma) u. s. w. zusammentreffen. Es ist ein wohlgebauter Ort, von Erdmauern umgeben, mit breiten Straßen, einstöckigen Häusern und dem gewaltigen Residenzschloß, das 30 m Höhe und gut eingerichtete Zimmer hat. Die Einwohner, etwa 2700 Freie, 650 Sklaven und 240 Mann türk. Besatzung, arbeiten hübsch in Leder, auch in Eisen, weben auch einen groben Stoff. Einige weiße Familien, Mamluken genannt, stammen von Renegaten und gelten für den Adel. Die Stadt hat das einzige Zollamt im Lande. Vogel 5.8 den jährlichen Ertrag des Handels auf 21000 fd. St., davon sieben Achtel auf den Sklavenhandel. F. ist das Phazania der Alten, das Land der Garamanten, über welche der röm. Prokonsul L. Cornelius Balbus 19 v. Chr. einen Triumph feierte. Zeugnis von der Römerherrschaft in diesen Gegenden gibt ein noch gut erhaltenes Denkmal in der Nähe von Dscherma. Auch die im östl. Teile der Natronseengruppe liegenden Ruinen und eine Gruppe von etwa 50 Pyramidengräbern sind von histor. Interesse. Im J. 567 nahmen die Garamanten das Christentum an. Im letzten Drittel des 7. Jahrh. wurde F. eine Beute der Araber, welche den Mohammedanismus einführten. Wie im Altertum, so wurde das Land auch im Mittelalter unter der arab. Oberherrschaft (800 — 908 der Aghlabiden, seit 908 der Fatimiden u. a.) von eigenen Fürsten regiert (im 12. Jahrh. Reich der Benü-Khattab, welches 1190 an die Ejubiden kommt), die später den Paschas von Tripolis zinsbar waren. Im J. 1811 ward deren Dynastie vom Bei Mohammed-el-Mukni ausgerottet, der sich im Namen des Paschas von Tripolis' des Landes bemächtigte und unter dessen Oberhoheit die Regierung desselben fortführte. Die besten Nachrichten über F. haben Barth, Vogel, Nachtigal und Rohlfs gegeben.