FeedAserbeidschäan
ErdkundeBrockhaus 1882

Aserbeidschäan, Aderbeidschan (d. h. Land des Feuers; im Pehlvi Atrupätkän, armen. Aderbadekän), Persisch-Armenien, nordwestlichste Provinz und reichstes Handels⸗ und Manufakturgebiet Persiens, grenzt im S. an das pers. Kurdistän (Provinz Ardilan) und Irak Adschmi (Media), im W. an Türkisch-Kurdistän und Türkisch-Armenien, im N. an Russisch-Armenien (das südl. Transkaukasien), von welchem es durch den Aras geschieden ist, und im O. an die russ. Landschaft Talisch und die pers. Provinz Ghilan am Kaspischen Meere. Es ist eine hohe Alpenlandschaft von 104 840 qkm, ungefähr 2½ mal so groß als die Schweiz, ein zwischen Iran und Armenien vermittelndes Hochland von 12—1500 m Höhe, erfüllt von zusammenstoßenden Gebirgsverzweigungen des Nord⸗ und Westrandes von Iran, in der Nähe der tiefen Erdsenke des Kaspisees emporgetrieben und auf das pittoreskeste zerklüftet durch noch fortwirkende vulkanische Gewalten. Größere Ausweitungen zwischen den zahlreichen Gebirgsketten sind selten; die bedeutendste ist die des Urmiasees (s. d.) bei Täbris. Im O. desselben erhebt sich im R. von Maragha die Gebirgsmasse des Sehend 3545 m hoch, weiter im NO. das höchste Gebirge des Landes, der 4813 m hohe Savalan-Dagh, von welchem nach W. eine Kette läuft, und an der Nordwestecke steigt der noch höhere Ararat (s. d.) empor. Die Gesteinmassen der Gebirge sind verschiedener Art, der Boden der Ebene zum Teil salzartig. An Erzen und Mineralquellen, auch Naphthaquellen und Gasausströmungen ist kein Mangel. Tuffablagerungen bilden sich wohl noch fortwährend, besonders bei Schiramin, nahe dem mittlern Ostufer des Urmiaf ees, wo etwa 37 warme Quellen von 17² C. am Fuße hoher Tuffkalkfelsen hervorsprudeln. Das von ihnen an deren nördl. Fuße gebildete, als Täbrismarmor (Balghami der Orientalen) bekannte, prachtvolle Gestein, das in ähnlicher Weise auch nordwestlicher in der Lands chaft Salamas vorkommt, wird, in große, bis zu 30 em dicke Platten geschnitten, zu Taselunzen und GrabsHeune oder, in dünne Scheiben zerspalten (durchTcheinend, ohne durchsichtig zu sein), zu Fenstern, besonders in Bädern benutzt. Man gewinnt Silber, f Kupfer und Eisen; auch Kohlen sind gefunden. Unter den Flüssen haben nur der Aras (Araxes) und der Kysyl-Usen (Amardus), der nach seiner Vereinigung mit dem Schahrüd den Namen Sefidrüd annimmt, Bedeutung. Letzterer ist der Hauptfluß des Landes. Das nere Flase des salzreichen Urmiasees ist auf kleinere Flüsse beschränkt, die ihm von O., W. und S. zufließen, darunter der bedeutendste der Adschi-Tschai von O. über Täbris kommend und der Jaghatu von S. Den Gegensätzen der Bodenformen entsprechen die klimatischen Verältnisse, bezeichnet durch langen Winter auf den öhen, reizenden Frühling an den Abhängen und sehr heiße Sommer in den Thaltiefen. Die Produkte verraten die Nähe Europas durch Vorherrschen von dessen Getreidearten, köstlichen Früchten und ausgezeichnetem Wein: doch findet man hier auch noch Reisbau, Baumwollpflanzungen und ähnliche Kulturgewächfe. Übrigens zeigt die Flora eine ziemliche +½ keit von Salzpflanzen. Dagegen fehlt es an Waldbäumen, und eigentliche Wälder sind nirgends vorhanden. Die Ebenen sind wegen vorherrschender Trockenheit pflanzenarm. Die Abhänge der Gebirge tragen das Gepräge der subalpinen Flora, und Aurehpf 2270—2900m kommen bereits viele echte Alpenpflanzen vor. Die Tierwelt weist viele niedere Arten auf, wie sie nur in trockenen Ebenen, auf salzgeschwängertem Boden und in der Nähe fandiger eeresküsten oder Salzseeufer vorkommen. Das Land ist reich an Rindern und vorzüglichen Pferden, und Viehzucht wird be-Pr in den kurdischen Bergen getrieben. Der asan Kaukasiens erscheint schon in A. Wölfe, er, Fuchse und Hirsche hausen in den rauhen Ge-Eadens er auch Antilopen und Raubtiere des üdens kommen vor. Die Bewohner A., vielleicht 1 Mill., sind im W. des Sees Kurden, im übrigen Lande türk. Abkunft. Auch die herrschende Sprache 6 die türkische, durch welche das Persische auf die tädte beschränkt worden ist. Im NW. spricht man armenisch. Die Bevölkerung gilt als viel träftiger und mannhafter als die der südlichern Gebrrchen Persiens, leidet aber an denselben brechen. Herumschweifende Hirten⸗ und Räubervölker finden sich neben ausgebildeter Städteansiedelung. Geschichtliches. Im Altertum war A. der nordwestlichste Teil Mediens. Seit Alexander d. Gr. wurde es als Atropatene vom südöstl. Großmedien getrennt. Unter den arsacidischen Königen Großarmeniens gehörte A. teilweise zur Resm Wasburagan (149 v. Chr. bis 428), worauf es mit Armenien an die Haach Sa kam. Im 7. Jahrh. fiel es an die Araber. Nach Schwächung des Kalifats durch die Seldschuken kam es an den Atabek Ildeghis und seine Nachkommen, die Pelewaniden (1150 1225), welche nach dem Abzuge der Mongolen Adin Man ns (1221) der Khowaresmier Dschelaleddin Mankberni stürzte. Darauf kam es 1256 den J. 1386 an das Mongolenreich von Iran. In den J. 1386—1405 gehorchte es Timur, darauf den Turkmanen vom Schwarzen und seit 1468 denen vom Weißen Schöps unter Uzun Hassan, bis es durch Schah Safi aus Ardebil (1505—8) befreit wurde. Im 16. und 17. Jahrh. hatte es viel von den Osmanen zu leiden. Als Grenzprovinz sowie als Statthalterschaft des pers. Thronfolgers, z. B. des Abbas Mirza, war A. stets von Wichtigkeit, sah sich aber ½. in die Unruhen Persiens verwickelt und in die Kriege mit den Türken und Russen hineingezogen. Durch das Heranrücken der russ. Grenze bis an den Aras hat es neuerdings als vermittelndes Passageland zwischen der iran. und europ. Welt noch größere Bedeutung gewonnen. Hauptstadt von A. ist Täbris.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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