Dinka oder Denka, auch Dschieng, ein afrik. Negerstamm, der am Bahr-el-Abiad und seinen Nebenflüssen zwischen 5— 12 nördl. Br. wohnt und von 5—9 das westl., von 9— 12 das östl. Ufer des Flusses innehat. Das von den D. bewohnte Gebiet ist eine unermeßliche Ebene, durch die der Bahr-el-Abiad fließt. Seine Ufer sind von den sog. Dinkahügeln, der nördl. Grenze des Gebiets der D., bis zum Sobat rechts und links mit anmutigen Hügeln geschmückt, die reich an Wild sind. Von da an bis zur südl. Grenze des Dinkagebiets werden die Ufer niedrig, und verlaufen in Sümpfe, aus denen bloß hier und da ein Mimosenwäldchen emporragt. Die D. unterscheiden sich körperlich von den zwischen ihnen (zwischen 10—77 nördl. Br.) wohnenden Schilluk und Nuehr, welche von ihnen als Eindringlinge und Erbfeinde betrachtet werden, indem die D. von höherer Statur sind und einen an beiden Seiten mehr zusammengedrückten, länglichen Schädel mit bedeutend hervorragender Stirn besitzen. Sie zerfallen in mehrere unabhängige Stämme, von denen (von Norden nach Süden) am östl. Ufer die Abyalang, Ager, Abuyo, Dongiol, Tuitsch, am westl. Ufer die Hange, Rek, Rol, Kyetsch, Ghok, Lau, Atuot und Mandari die bedeutendsten sind. Ihrer Beschäftigung nach sind die D. ein Hirtenvolk, dessen Reichtum in den deht. Dar sorgfältig gepflegten Rinderherden besteht. Daneben treiben sie auch Ackerbau und bauen Durrah, in einigen Gegenden auch Hülsenfrüchte. Der Fischfang im Nil liefert das ganze Jahr hindurch eine gute Ausbeute. Ihrer 10 Begabung nach stehen die D. ziemlich hoch; die Erzeugnisse ihrer Hausindustrie zeugen von einer nicht unbedeutenden Geschicklichkeit und gutem Geschmack. (S. Tafel: Afrikanische Kultur, Fig. 10 und 37.) Gleich allen Negerstämmen dieser Gegenden gehen die D. völlig nackt; bloß die verheirateten Weiber tragen eine mehr oder weniger kunstvoll gearbeitete Schambedeckung. Sie sind mäßig und halten während des Tages bloß einmal, gegen Sonnenuntergang, eine Mahlzeit. Seit dem J. 1848 war unter den D. eine von der röm. Propaganda ausgegangene kath. Mission thätig, die 1861 dem Franziskanerorden übergeben wurde. Die Sprache der D. ist sehr einfach und wohlklingend; sie scheint mit der Sprache der Bari (s. d.) in einem gewissen innern Zusammenhange zu stehen. Vgl. Kaufmann, Das Gebiet des Weißen Flusses und dessen Bewohner » (Brixen 1861); Marno, «Reisen im Gebiete des Blauen und Weißen Nilso (Wien1874); Mitterrutzner, «Die Dinkasprache in Centralafrikas (Brixen 1866); F. Müller, Grundriß der Sprachwissenschafte (Bd. 1, Abteil. 2, Wien 1876).