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BaukunstBrockhaus 1882

Fiale (Phiale) nennt man im got. Baustile die schlanken, in eine Spitze auslaufenden und mit einer Bekrönung endigenden Pfeiler, welche sich entweder zu beiden Seiten der giebelförmigen Fenster⸗ oder Thürverdachungen (Wimperge) befinden oder als Bekrönung von Strebepfeilern, Lisenen, Freipfeilern u. s. w. auftreten. Ihre Grundform ist meist vier⸗ oder achteckig. Der untere, selten mit einem besondern Sockel oder Fuß, häufig aber mit Maßwerksfullungen versehene und durch Giebel abgeschlossene prismatische Teil heißt Leib (Schaft), der obere, pyramidale Teil heißt Riese (Haupt), ist an den Kanten mit Blättern (Krabben oder Bossen) besetzt und durch eine Kreuzblume hatt de bekrönt. In der Verfallzeit nehmen die F. statt der frühern senkrechten eine vielfach gekrümmte Gestalt an, was ein vollständiges Verkennen ihrer architekton. Funktion bekundet. (S. Tafel: Baustile VIII, Fig. 1.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 777Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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