Feigwarzenkraut (Ficaria ranunculoides), Pflanzenart, s. Ficaria. ö Beile (frz. Iime, engl. flle), ein Werkzeug, wel⸗ „ches dazu dient, Metall⸗ und Holzflächen durch Abtnehmen dünner Späne zum Zweck der Formveränderung zu bearbeiten. Das Material der F. ist größtenteils Stahl, aus welchem durch Schmieden die Form derselben hergestellt wird; doch kommen auch eiserne F. mit aufgeschweißtem oder selbst aufgelötetem Stahl vor. Die Gestalt der F. ist stets eine im Verhältnis zu dem sehr mannigfaltigen Querschnitt langgestreckte zu nennen; charakteristisch ist nur der schwach bikonvexe Längenschnitt, der sich gegen das eine Ende (die Feilenspitze) etwas stärker verjüngt, während das andere Ende etwas abgesetzt und zu einer Spitze (Angel), die zur Befestigung im Heft dient, ausgezogen ist. Die geschmiedeten F. werden auf Schleifsteinen abgeschliffen, sodaß sie ebene und glatte Oberflächen erhalten. Man stellt die Zähne durch Reihen paralleler Einschnitte her, die durch unter einem bestimmten Winkel gegen die Oberfläche der F. angebrachte Meißelhiebe gebildet werden. Diese Einschnitte werden der Hieb, die Arbeit der Herstellung wird das Hauen der Feile genannt. Eine einhiebige F. besitzt nur eine Reihe solcher quer durchlaufenden Hiebe; bei zweihiebigen F. sind zwei Reihen sich kreuzender Parallelhiebe vorhanden. Je nach der beabsichtigten Verwendung der F. sind die Hiebe mehr oder weniger tief und näher oder weiter voneinander angebracht. Je größer die Zähne und je größer der Abstand der Zahnreihen voneinander, desto stärkere Späne wird die F. von der zu bearbeitenden Fläche abnehmen, während umgekehrt feine Zähne und enge Zahnreihen die Abnahme feiner Späne bedingen. Die Bearbeitung einer Fläche mit der F. erfolgt in der Weise, daß man zuerst grob gehauene, Armfeile, Strohfeile, dann F. von mittelfeinem Hieb, Bastardfeilen, Vorfeilen, und endlich, wenn die zu bearbeitende Fläche sehr genau und sauber fein gehauen sein muß, Schlichtfeile und Feinschlichtfeile, zur Anwendung bringt. Eine scharfe Grenze zwischen den einzelnen Hiebsorten zu ziehen, ist schon deshalb nicht möglich, weil die Art des Hiebes auch wieder von der Länge der F. abhängig ist. Während eine F. von 500 mm Länge (erkl. Angel) schon zu den Schlichtfeilen gezählt zu werden pflegt, wenn sie 60 Oberhiebeinschnitte auf 25 min Länge besitzt, bedarf eine nur 100 mm lange F. fast der doppelten Anzahl Einschnitte, um als Schlichtfeile, und etwa 200 Einschnitte auf der gleichen Länge, um als Feinschlichtfeile gelten zu können. Deutlicher als durch die Art des Hiebes werden die einzelnen Sorten durch die Verschiedenheit der Querschnittsformen gekennzeichnet. Die am meisten verbreitete derselben ist die rechteckige, welche wieder in zwei Unterabteilungen zerfällt. Die eine derselben umfaßt die F. mit quadratischem Querschnitt, die sog. Vierkantfeilen (Fig. 14, b, c), die auf allen vier Seiten gehauen sind. Zu dieser Sorte gehören die schon erwähnten Armfeilen, die gröbsten aller F., 3—600 mm lang, in der Mitte 25 —50 mm im Quadrat haltend, nach beiden Enden hin verjüngt und vorn in eine Spitze auslaufend; auch Bastard-und Schlichtfeilen von dieser Form und bis zu 75 mm Länge abwärts sind in Gebrauch. Die zweite Unterabteilung der rechteckien F. bilden die flachen F.,; Ansatz⸗, Hand⸗ oder Maschinenfeilen (Fig. 2a b), wenig gebaucht und fast in der ganzen Länge gleich breit. Die beiden breiten und die eine schmale Seite sind gehauen. Die meisten dieser F. sind Bastard- und Schlichtfeilen von 75400 mm Länge. Eine andere Art der flachen F. sind die Spitzfeilen, deren Form Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. F. mit schmalen geeinhiebig gehauen (Fig. 2d) heißen Sägefeilen und dienen zum Schärfen der Sägeblätter. Halbrunde Feilen (Fig. 2e) haben, wie schon ihr Name andeutet, einen halbrunden Querschnitt von der Form eines Kreisabschnitts; beide Seiten dieser F. sind gehauen, vorn endigen dieselben in einer Spitze. Kleine Lauen it F., bei denen nur die flache Seite gehauen ist, heißen Wälzfeilen; F. mit den in Fig. 2f und g dargestellten Querschnitten nennt man Vogelzungen. Die runden F., Rundfeilen (Fig. 3), haben kreisförmigen Querschnitt, sind in der Mitte gebaucht und vorn spitz. Der Hieb ist, wie auf der gekrümmten Fläche der halbrunden F., nur aus einzelnen kurzen Einschnitten zusammengesetzt und bei Schlichtfeilen nur einhiebig. Große Rundfeilen (Strohfeilen) sind seltener; ganz kleine werden Rattenschwänze genannt. Alle andern Sorten der F. dienen speziellen Zwecken und haben demgemäß nur eine beschränkte Verwendung. Erwähnenswert sind von denselben: Messerfeilen, mit messerartigem Querschnitt, dünn und keilförmig, zur Hervorbringung schmaler Einschnitte; Schweiffeilen mit trapezförmigem Querschnitt, zum Schweifen von Schlüssellöchern verwendet; Backenfeilen mit Längsfurchen und einfachem, querliegendem Hieb, zum Einfeilen der als Verzierung an den Metallbacken der Messerschalen dienenden Querfurchen; Liegefeilen, breite flache F. ohne Heft, auf welchen von Gold- und Silberarbeitern kleine Arbeitsstücke mit der Hand hin und her geführt werden. Nadelfeilen und Riffelfeilen sind eiserne F., die sich beliebig biegen lassen müssen, um schwer zugängliche Stellen des Arbeitsstücks mit denselben bearbeiten zu können. Das Hauen der F. erfordert sehr viel Übung, namentlich bei den feinsten Uhrmacherfeilen, die bis 100 Hiebe pro Centimeter aufweisen. Demzufolge sind zahlreiche Konstrukteure bemüht gewesen, entsprechende mechan. Vorrichtungen zu erfinden, doch haben die wenigsten derselben befriedigende Resultate ergeben und es haben daher diese Maschinen (Feilenhaumaschinen) nur geringe Verbreitung gefunden. Die hierher gehörigen Konstruktionen lassen sich in zwei Gruppen scheiden: in solche, die mit einem an einem Fallgewicht befestigten Meißel Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. arbeiten, und solche, die, mehr die Handarbeit nachahmend, Meißel und Hammer getrennt anwenden. Bei der Handarbeit wird die zu hauende F. auf eine Unterlage (Hauamboß, Haugesenk oder Haublei) gelegt und von dem Feilenhauer mittels eines Riemens in der Weise festgehalten, daß er u den über die F. legt und in die zu beiden Seiten herabhängenden Schlingen mit den Füßen tritt. Die Hämmer des Feilenhauers sind von gedrungener Gestalt mit schwach konvexer Bahn und eigentümlich gekrümmtem, kurzem Griff; ihr Gewicht beträgt oft bis zu Hkg. Der Meißel ist entsprechend der zu hauenden Feilensorte verschieden dick und breit und wird stets wieder hinter dem durch den vorhergegangenen Hieb entstandenen Grat eingesetzt. Von besonderer Wichtigkeit bei der Fabrikation der F. ist die gute Härtung derselben, weshalb die Feshunts ten des bezüglichen Verfahrens häufig als Geschäftsgeheimnis betrachtet werden. Da durch das Abkühlen der rotglühenden F. dieselben glashart werden, muß die an dem einen Ende derselben befindliche spitzige Angel, damit dieselbe später nicht abspringt, mit dem glühend gemachten Maul einer Schmiedezange gefaßt und auf diese Weise ausgeglüht werden. Durch den Gebrauch stumpf gewordene F. werden ausgeglüht, ihre Zähne vollständig abgeschliffen, von neuem aufgehauen und wieder gehärtet. Sämtliche F. dienen ausschließlich als Werkzeuge für Handarbeit. Beim Gebrauch derselben wird das auf der Angel sitzende Holzheft mit der rechten Hand gehalten, während die linke Hand mit dem Ballen oder einzelnen Fingern auf das vordere Ende drückt, um den zum Angreifen der F. erforderlichen Druck hervorzubringen. Unter allen Werkzeugen des Mekallarbeiters ist die F. das am häufigsten für die Vollendung der Form benutzte, aber auch das kostspieligste derselben, besonders da sie verhältnismäßig bald stumpf wird. Trotzdem wird die F. nie ganz durch die bedeutend wohlfeiler arbeitenden Werkzeugmaschinen verdrängt werden, weil in sehr vielen Fällen die Gestalt der betreffenden Flächen eine andere Bearbeitungsweise nicht zuläßt, oder auch die Größe des Arbeitsstücks, resp. der umzugestaltenden Fläche, und somit der erforderliche Arbeitsaufwand zu dem durch das Aufspannen auf die Werkzeugmaschine verursachten Zeitverlust in einem zu ungünstigen Verhältnis steht. Früher wurden die besten F. in England, namentlich in Lancashire (3. B. Warrington, unfern Liverpool) verfertigt; die große Menge englischer F. kommt aber aus Sheffield. Gegenwärtig stehen die in Remscheid und Umgegend fabrizierten F., sowie manche aus andern Teilen Deutschlands den englischen F. ganz gleich.