Gymnasien waren bei den Griechen die öffentlichen Gärten, welche, mit weiten Übungsplätzen und schattigen Baumgängen versehen, mit Heiligtümern und Säulenhallen geschmückt, dem Jüngling und Mann (die Knaben übten sich in der Palästra) Gelegenheit boten zur Ausbildung und Kräftigung des Körpers. Gymnastische und musische Bildung, d. h. körperliche und geistige Ausbildung, wurde von ihnen gleichmäßig gefördert, aber nur die erstere stand unter der Leitung des Staats; dies verlangte die allgemeine Wehrpflicht der Bürger. Diese Anstalten wurden allmählich auch Sammelplätze für das gesamte geistige Leben. Besonders die Philosophen wählten sie, um dort ihre Vorträge zu halten. In der Akademie, einem der G. Athens, lehrte Platon, in dem Lykeion Aristoteles, den Kynosarges wählte sich die cynische Schule. Jene Namen des klassischen Altertums sind auf die höhern Lehranstalten übertragen und haben ihnen die Weihe einer idealen Zeit gegeben; nur in England nennt man heute bloß den Turnsaal G. Es dauerte lange, ehe dieser Name auf die höhern Schulen sich beschränkte. Die Römer nannten den Ort, wo man die Kräfte des Geistes übte, ludus, von den Spielen zur Übung des Körpers ihn entlehnend; als griech. Bildung allgemeiner wurde, schola, d. i. Muße, und alles das, was man in der Muße wissenschaftlich erörtert und schreibt. Dieser Name erhielt sich durch das ganze Mittelalter bis in das 19. Jahrh. Als sich im Mittelalter in Italien die Universitäten bildeten, erhielten dieselben in Erinnerung an jene griech. Philosophenschulen den Namen Gymnasium (die Sapienza in Rom sogar Archigymnasium) oder Academia, und nur die Korporation der Lehrer und Studierenden berechtigte zu dem Namen Universitas, bei dem an die Gesamtheit aller Wissenschaften ursprünglich nicht gedacht ist. Seit dem Reformationszeitalter nannte man diejenigen Schulen G., welche über die gewöhnlichen Schulen in ihren Unterrichtszielen hinausgingen, wie Nürnberg, die Hansestädte, Gotha u. a. Daraus entwickelten sich Gymnasia academica, welche Gelegenheit bieten sollten, auch die Universitätsstudien in der Heimat zu betreiben, wie Coburg, Danzig, Altona u. a., jetzt kaum noch Hamburg. Einzelne derselben sind auch in Universitäten verwandelt, wie Altdorf aus Nürnberg, Helmstedt aus Gandersheim, Erlangen aus Bayreuth, Dorpat aus Mitau. Gegen den Ausgang des 18. Jahrh. wurde der Name G. allgemeiner, aber erst eine preuß. Verfügung vom 12. Okt. 1812 ordnete an, daß alle Schulen, welche das Recht hatten, ihre Schüler zur Universität zu entlassen, amtlich den Namen G. führen sollten (diesem Vorgange ist man in den meisten deutschen Ländern gefolgt, nur die Reichslande —. bis 1883 die franz. Namen beibehalten); ebenso in Osterreich und Rußland. In Bayern heißen die untern Klassen der Studienanstalten noch Lateinschulen, welchen Namen auch Württemberg für Anstalten, welche die Schüler auf die höhern Klassen vorbereiten, bewahrt hat. Dagegen hat Frankreich Lycées (Staatsanstalten) und Colléges (von dem lat. collegium), Italien Licei und Ginnasi, England High schools, Grammar-Schools und Grammar Colleges, Belgien Athénées, Skandinavien Läroverk (gelehrte Schulen), die Schweiz Kantonschulen. In sehr verschiedener Anwendung finden sich vereinzelt die Namen Lyceen, Pädagogien, Kloster⸗-, Domschulen, in Mecklenburg Große Stadtschulen. Der Name Gelehrte Schule oder gar Gelehrtenschule hat seine Berechtigung in der vorwiegenden Beschäftigung mit den alten Sprachen und der Vorbereitung für einen gelehrten Beruf, schwindet aber jetzt allmählich mit Recht, seitdem man aufhört, in den G. eine Vorbildungsschule für das philol. Fachstudium zu suchen und das Wort «gelehrto nicht mehr von lat. Sprachkenntnis gebraucht ist. „Aus dem röm. Altertum hat die christl. Welt ihre Bildungsmittel entlehnt; die encyklopäd. Behandlung des Wissens in den sieben Freien Künsten, von Varro bereits vorbereitet, dann seit dem 5. Jahrh. n. Chr. von Martianus Cavella, Boétius, Cassiodorus, Isidorus, Beda, Alcuin bearbei-t tet, gab in der Zweiteilung das trivium (Grammatik, Dialektik und Rhetorik), die Lehrgegenstände für den ersten Unterricht, während das quadrivium vollendet sein mußte, ehe das theol. Studium beginnen konnte. Denn die Ausbildung der Geistlichen wurde zunächst allein in den Kloster⸗ und Domschulen beachtet; später kam zu der schola claustralis auch eine schola exterior mit demselben Unterricht für Laien. Stadtschulen beginnen seit dem 12. Jahrh. Das Band der Kirche vereinigte Germanen und Romanen und machte aus ihnen einen einzigen Staat mit einer einzigen Sprache, der lateinischen, die zunächst auch allein zur Vermittelung alles geschäftlichen Verkehrs diente. Durch die scholastische Philosophie schwand die Kenntnis der röm. Litteratur, die lat. Grammatik knüpfte nicht mehr an das Altertum an und verfiel in Barbarei. Mit der Neubelebung der klassischen Studien in Italien und deren Verpflanzung zu den Kulturvölkern Europas begann der Kampf gegen diese Barbarei und wurde mit besonderm Nachdruck in Deutschland geführt. ioftar man im Norden durch diese Studien Religiosität und Sittlichkeit zu fördern suchte, erstrebte man im Südwesten eine allgemeine geistige Bildung durch die klassische Litteratur. Es war zunächst nur die lateinische, denn die griech. Sprache hat sich langsam auf den Universitäten und sehr dürftig auf den Schulen verbreitet. iese verbesserte Trivialschule des Mittelalters nahmen die deutschen Reformatoren die W. auf. Luther und Melanchthon haben dabei die Bedürfnisse der Kirche und das weltliche Regiment ins Auge gefaßt, Trotzendorf stellt schon das praktische Ziel hin, daß die Knaben gerüstet werden, «danach in hohen Fakultäten zu studiereno. Im Norden dachte man an die Not der Kirche, welche aus dem Mangel der Geistlichen erwuchs, Sturm in Straßburg mit seinem sapiens et eloquens pietas, mit seiner Forderung einer guten Darstellung mehr an die weltlichen Bedürfnisse der gelehrten Bildung. Beide aber stimmen darin überein, daß die lat. Sprache allein diese Bildung gewähre, daß lateinisch Sprechen und Schreiben in ungebundener und gebundener Rede vor allem zu erstreben und darauf aller Unterricht zu richten sei. Daher nennt man diese Schule die Lateinische Schule (in einigen Ländern gleichbedeutend Partikularschule). Auch die kath. Kirche hat sich den Einwirkungen solcher Organisation nicht entzogen. Besonders die Jesuiten erkannten, daß sie die prot. Ketzerei am besten mit den Waffen der Pädagogik bekämpfen würden, und machten schon nach der ersten päpstl. Konfirmation von 1540 den Unterricht der Jugend zu einer Len! Aufgaben. In der Organisation ihrer Schulen haben sie die schola latina festgehalten, in der das Griechische noch mehr als bei den Protestanten zurücktritt und der Muttersprache erst seit 1703 ein bescheidener Platz eingeräumt wird. Die lat. Sprache wird gelernt, der lat. Stil allein gebildet, Latein nur ist das Organ für jede wissenschaftliche Mitteilung. Jede Gelegenheit, mit den Leistungen in Prosa und Versen hervorzutreten, wird von ihnen benutzt und dabei das Publikum durch Schaugepränge aller Art gewonnen. Schnell haben sie sich der Schulen in den meisten kath. Ländern bemächtigt und durch ihr Beispiel auch andere Orden beeinflußt, nur die Oratorianer und! die Benediktiner haben sich davor gesichert. Auch nach der Auflösung des Ordens 17783 blieben sie Lehrer und nach ihrer Wiederherstellung gewannen sie in vielen Ländern bald wieder sichern Boden. Ihre Ordnungen liegen wesentlich den franz., span., portug. und ital. Einrichtungen zu Grunde; auch Osterreich hen sie fast unverändert bis 1849 fest. Dem rohen Mechanismus in der lat. Schule arbeiteten die Methodiker des 17. Jahrh., Rakke (Ratichius) und Comenius, entgegen, jener indem er von der Muttersprache ausging und deutsch geschriebene Grammatiken forderte, dieser indem er Wort⸗ und Sachkenntnis durch Anschauung vermittelte und erleichterte. Denn in jener Zeit hatten bereits Ausländer, wie Montaigne, Locke und Milton, auf die Beseitigung des Formalismus und der Überbürdung des Gedächtnisses gedrungen; in jener Zeit verlangte man auch zuerst, den Realien größern Eingang in den Schulen zu verschaffen. Der hallische Pietismus hat sich das zu Nutze gemacht; indem er die Aufgabe der Schule in der wahren Gottseligkeit, den nötigen Wissenschaften und einer geschickten Beredsamkeit fand, überlieferte er diese Realien in der spielenden Form der Rekreationen und wußte damit gleich den Jesuiten die höhern Stände zu gewinnen. Der Beifall lockte zur Nachahmung, und im 18. br, da überwucherte dieser Eneyklopädismus so sehr, daß man alles Wissenswürdige in den Schulen lehrte, daß dabei aber nichts Ordentliches gelernt und durch die Menge des Wissens die allseitige Bildung der geistigen Kräfte vernachlässigt wurde. Angeregt durch Rousseau, drang dieser pädagogische Realismus weiter, es entwickelte sich die Institutserziehung, in welcher das 993 Leruens. r obenan gestellt, Erleichterung des Lernens, Abkürzung der Schulzeit und trotzdem 18 Bublitun toc des Wissens, kurz alles, was das Publikum locken konnte, versprochen wurde. So war die lat. Schule an vielen Orten entartet; nur in Sachsen und Württemberg, in den alten Schulen Englands, hielt man sie fest in ihrer Beschränkung. In solchen Verirrungen war es not, zu der alten Einfachheit zurückzukehren und das alte non multa, sed multum wieder zur Geltung zu bringen. Drei Männer, die aus der Schule zu akademischer eahre tigkeit übergegangen sind, haben hier durch Lehre und Schrift segensreich eingewirkt: Gesner in Göttingen, Ernesti in Leipzig, Fr. A. Wolf in Halle, die beiden ersten ein neues Erwachen der klassischen Studien vorbereitend, der letzte die ersten Grundzüge der Altertumswissenschaft entwerfend. Sein Verdienst ist es auch, einen eigenen Lehrerstand für die G. gebildet und dadurch die Theologen beseitigt zu haben, welche das Lehramt als ein Durchgangsstadium betrachteten und etwa nur dann in ihm zurückblieben, wenn sie zu einem geistlichen Amte nicht taugten. Sein Verdienst ist es, in seinen Schülern treffliche Lehrer gebildet zu haben, die das noch immer vernachlässigte Griechisch eifrigst betrieben. Sein Verdienst ist der Aufschwung der preußischen G.; sie hatten auch ohne Schulgesetz durch die hohen Anforderungen, welche an die Kandidaten des höbein Schulamts und an die der Reifeprüfung sich unterwerfenden Schüler gestellt wurden, bestimmte Ziele ihrer Bestrebungen vor Augen. Die beiden alten Sprachen wurden zum Mittel- und Schwerpunkte des Unterrichts gemacht; humanitatis studia im Sinne der Alten sollten eine Bildung aller Geistes⸗ und Gemütskräfte zu einer schönen Harmonie des innern und äußern Menschen befördern. Es ist nicht zu verwundern, daß die eifrigen Jünger der neuen Wissenschaft die Schulen zu Vorschulen der philol. Studien machten mit manchen Übertreibungen besonders im Griechischen, und daß die Behörden sich schwer von dem Encyklopädismus freimachten, der überliefert war. Daher kamen 1836 die Lorinserschen Anklagen über Gefährdung der Gesundheit der Jugend und über das abnehmende Heie Interesse, die nur zu einer Feststellung der Zahl der Lehrstunden für die verschiedenen un hat der Annriff we geführt haben. Ebenso wenig hat der Angriff wegen Unchristlichkeit geschadet, der unter dem Eichhornschen Ministerium in der durch Cilers beeinflußten avitterarischen Zeitungo und auf dem Kirchentage in Elberfeld erhoben wurde. Von lokalem Patriotismus eingegeben waren die Angriffe von Fr. Thiersch auf die preußischen G. und von K. L. Roth, der im Anschluß an die stiftlerische Bildung in seinem engern Vaterlande einen von dem christl. Prinzip getragenen Humanismus und Naster theol. Lehrer und Einrichtungen nach dem Muster Melanchthons oder Neanders verlangte. Das einseitige überwiegen der grammatikalisch-kritischen Behandlung der Schriftsteller, welche sich bei manchen Schülern G. Hermanns fand, veranlaßte H. Köchly, das histor. Prinzip in den Vordergrund zu stellen und die Anforderungen formaler Bildung zu verwerfen; aber auch er ist trotz wiederholter Erneuerung seiner Gedanken (1863) wenig gehört worden. Die Bewegung des J. 1848 brachte mancherlei Reformbestrebungen. Die Ansicht, daß es in nationaler und polit. Hinsicht wünschenswert sei, daß diejenigen, welche eine höhere Bildung erstreben, ein und denselben Unterricht erhalten, fand in dem Plane der preuß. Regierung 1849 durch den gemeinsamen Unterbau für G. und Realschule einen Ausdruck, aber diese Bestrebungen scheiterten an der Ungunst der polit. Verhältnisse. Seit der Errichtung des neuen Deutschen Reichs hat sich auch das Nationalgefühl wieder geregt, wie 1848, und es wird nationale Bildung verlangt. Durch die Schöpfung der Realschule, sagt man, sei ein verderblicher Dualismus in unsere Bildung gekommen und ein Riß in dem höhern Schulwesen entstanden; eine gemeinsame Bildungsanstalt sei zu erstreben. Den einen genügt dazu das G. ohne jede Abänderung, die andern verlangen eine Erweiterung in den neuern Sprachen, den Naturwissenschaften und der Geographie. Andere wollen wieder die Realschule zu einem G. zweiter Ordnung herabsetzen; wieder andere wollen sie noch vervollkommnen und die Gleichstellung mit den G. weiter verfolgen. Andere werfen beide Arten von Schulen zusammen und lassen sie gabeln in zwei Teile (Bifurkation von Tertia und von Untersekunda, oder gar erst von Prima an), sogar in Trifurkation gleichfalls von Tertia ab nach drei Richtungen, der altklassischen, der neusprachlichen und naturwissenschaftlich-mathematischen. Vom nationalen Standpunkte aus verlangt man die Beseitigung des spezifisch philol. Charakters durch Einschränkung der mündlichen und schriftlichen Übungen in den alten Sprachen, durch Bevorzugung des griech. Unterrichts. Andern ist gerade das Griechische ein Dorn im Auge. Die Verfechter des «deutschen Nationalgymnasiums wollen Rechts⸗ und Verfassungsgeschichte in den polit. Dilettantismus entgegenzutreten. Wie immer irgend ein Stichwort bei der Behandlung der Frage über den höhern Unterricht in den Vordergrund getreten ist, so in jüngster Zeit die überbürdung der Schüler und die daraus hergeleiteten Nachteile für die Gesundheit der Jugend. überall hat man den Gegenstand behandelt; als auch die parlamentarischen Kreise darauf eingingen, konnten die Regierungen nicht zurückbleiben. Preußen, Sachsen, Württemberg, Hessen-Darmstadt, Baden, die Reichslande haben eingehende Untersuchungen veranlaßt, zum Teil unter Zuziehung von Arzten und Laien. Deshalb sind die Anforderungen vielfach ermäßigt. Preußen hat 1882 drei Arten höherer Lehranstalten neue Name für die Realschule erster Ordnung) und Oberrealschulen (ohne Latein), alle diese mit neunjährigem Kursus und daneben noch Anstalten mit Organisation der G. sind die übrigen deutschen Länder nur teilweise gefolgt, ja in den Reichslanden sollen, ganz abweichend von den bisherigen franz. Einrichtungen, fortan nur G., Progym oder sechsklassige Realschulen bestehen, und zwar diese ohne Latein. Mit der Überlieferung vieler Jahrhunderte beansprucht das G. die Vorbildung für die akademischen Studien, die auch in allen Schulgesetzen der neuern Zeit festgehalten wird. Wenn aber in einigen derselben vorzugsweise adie altklassischen Studienv als Grundlage der wissenschaftlichen Ausbildung genannt werden, so ist dies zu eng, wie andererseits odie allgemeine sittliche und intellektuelle Ausbildungo zu unbestimmt und zu weit ist. Das erste Hilfsmittel bleiben die Sprachen und insbesondere die beiden klassischen; aber es ist pedantische Einseitigkeit, das G. eine Schule der alten klassischen Bildung zu nennen oder die lat.⸗griech. Humanitätsschule. Die Muttersprache hat seit dem 18. Jahrh. größere Beachtung gefunden und wird jetzt so weit in den Vordergrund gestellt, da der deutsche Aufsatz als die Blüte der Gymnasialbildung betrachtet wird. Einige Kenntnis der Heschichtlichen Entwickelung unserer Sprache (die Beseitigung des Mittelhochdeutschen in Preußen hat auch keine Nachfolge gefunden) und Bekanntschaft mit den Werken deutscher Klassiker ist unabweisbar geworden. Der überwiegende Einfluß Frankreichs und seiner Litteratur hat auch der franz. Sprache Eingang verschafft. Die Grenznachbarschaft oder auch das Zusammenwohnen zweier Nationalitäten bedingt ausnahmsweise das Erlernen einer zweiten modernen Sprache; aber für allgemeine Schuleinrichtung können nur Englisch und Französisch in Betracht kommen. Bei dem sprachlichen Unterricht ist nicht auf die stilistische Fertigkeit das Hauptgewicht zu legen, sondern auf das genaue Verständnis der besten Schriftsteller. Gerade der Ideglismus, der überall hier entgegentritt, muß in einer Zeit, die dem Materialismus huldigt,‚ besonders gepflegt werden. Je einfacher und wahrhafter, je abgeschlossener dieses Ideal ist, um so stärker wirkt es auf den jugendlichen Geist. Aber dieses Ziel wird nur erreicht, wenn die rein grammatische Worterklärung bei der Erklärung mehr zurücktritt. An dieser Grundlage ist nicht bloß wegen der formal bildenden Kraft festzuhalten, sondern weil Kunst und Wissenschaft der Gegenwart ein Vermächtnis der Griechen und Römer ist; wer das klassische Altertum nicht kennt, wird die Neu⸗ —* nicht völlig verstehen. Sn en ist der hebr. Interricht in den G. nur ein Rest der frühern theol. Aufsicht und allein durch Nützlichkeitsgründe zu entschuldigen. Neben den Sprachen stehen die Wissenschaften. Die Geschichte hat in der neuesten Zeit eine solche Fortbildung erfahren, daß eine Beschränkung auf die des Altertums und des deutschen Bolks notthut; die deutsche Geschichte bietet Gelegenheit, auf andere Völker einzugehen. Die Bedeutung der Geographie wird jetzt richtiger gewürdigt; die bessere Vorbildung der Lehrer sichert ihr auch im G. eine angemessenere Behandlung, veranlaßt aber auch unbillige Anforderungen der Fachmänner. Bei der Mathematik und den Naturwissenschaften wird es darauf ankommen, nicht die Masse des Wissens zu steigern, sondern die bildende Kraft mehr zur Geltung zu bringen. Dies geschieht bei jener in Beziehung auf Klarheit, Bestimmtheit und Schärfe des Denkens. Diese werden durch die induktive Methode Anschauung und formale Bildung gleichzeitig fördern. Dies sind Lehregenstände, von denen sich nichts wird abdingen ssen, weil sie den Anforderungen der allgemeinen Kultur entsprechen. Auch die Beibehaltung des Religionsunterrichts ist notwendig, zumal die gebildeten Kreise mit der histor. Entwickelung der verchiedenen Konfessionen und mit dem konkreten Int ihrer eigenen bekannt sein müssen, um den Zeittrömungen auf religiösem Gebiete nicht haltungslos gegenüberzustehen. Die Fertigkeiten, Schreiben, Zeichnen und Singen, haben die G. mit andern Schulen gemein, ebenso das Turnen. Infolge der Klagen über den Gesundheitszustand der Schüler hat man auch der Einrichtung der Schulgebäude größere Sorgfalt zugewendet und im Interesse der Schulhygiene sogar die inter eines besondern Schularztes verlangt, der in vielen Dingen einen rößern Einfluß haben soll als selbst die Leiter und hrer der Schule. Neben den Turnhäusern fordert man Spielplätze, Beaufsichtigung beim Schwimmen, beim Eislauf u. s. w., und vergißt ganz, daß man die Lehrer überbürdet, während man die Jugend entbürdet. Auch in andern Ländern regt sich das Verlangen nach einer Reform der G. Italien fordert Anschluß an deutsche Einrichtungen; Frankreich ist 1881 rüstig vorgeschritten und bemüht sich um bessere Lehrer; sogar England rüttelt an den alten überlieferungen und stürzt sich namentlich in die Examina, deren Besorgung die Mitglieder der Universitäten übernehmen. Rußland bringt große Opfer zur Heranbildung der Gymnasiallehrer. Dieses Land hat auch seit 1858 weibliche G. (neu organisiert 1870), welche etwa den deutschen höhern Mädchenschulen entsprechen und vorzugsweise zur Ausbildung von Erzieherinnen und Lehrerinnen bestimmt sind.